Neues Bonnorange-Projekt

Das sind die Nachteile des Bonner Sperrmüll-Konzepts

Alles verteilt und auseinander gerissen: So sah es neulich auf dem Brüser Berg aus, wo das Projekt nicht getestet wird. FOTO: PRIVAT

Alles verteilt und auseinander gerissen: So sah es neulich auf dem Brüser Berg aus, wo das Projekt nicht getestet wird. FOTO: PRIVAT

Hardtberg. Die positive Zwischenbilanz, die Bonnorange bei ihrem Test der Sperrmüllabfuhr auf Abruf zieht, kann nicht jeder Bonner nachvollziehen. Der Vorwurf lautet, dass die Haushalte mehr Aufwand haben, ihre alten Sachen zu entsorgen.

Das findet zumindest Uli Witt aus Duisdorf. „Es ist doch klar, dass Bonnorange sehr zufrieden ist, denn obwohl für sie mit dem neuen Konzept viel weniger Arbeit anfällt, zahlen wir betroffene Anwohner die gleichen Gebühren wie zuvor“, meint er. Für die Anwohner dagegen sei der Aufwand gestiegen, hat er nicht nur bei sich, sondern auch bei seinen Nachbarn festgestellt.

„Man muss bei Bonnorange nicht nur anrufen, um anzufragen, wann der Sperrmüll abgeholt wird, sondern auch detailliert angeben, was man an den Straßenrand stellen möchte und vor allem wie viel Quadratmeter Laminat, Parkett oder Holzverkleidung es sind.“ Mehr noch: Wenn einem dann später einfällt, dass noch dies oder das dazu kommt, dürfe man es nicht einfach dazu stellen, sondern müsse wieder anrufen und dieses nachtragen lassen.

In der Tat scheint Bonnorange darauf zu vertrauen, dass Bürger diese Nachteile in Kauf nehmen, weil sie es gerne sauber vor ihrem Haus haben wollen und nicht die „Fledderei“des Sperrmülls wollen. Interessant auch, dass die „Abrufreviere“ vor allem in gut situierten Stadtteilen zu finden sind, zum Beispiel in Lengsdorf, Röttgen, Ippendorf, Duisdorf und Ückesdorf. Beim alten System geblieben sind dagegen Medinghoven, große Teile von Tannenbusch, der Brüser Berg und Auerberg.

Bonnorange weist darauf hin, dass in den „Abrufrevieren“ keine zusätzlichen Kosten entstehen, die Vorteile aber seien, dass jeder Haushalt innerhalb von höchstens 14 Tagen einen Termin bekomme – und das, so oft er benötigt werde. Der Sperrmüll werde weniger durchwühlt, und man könne eine bessere Beratung sicherstellen.„So können wir auch darauf verweisen, dass weiterverwendbare Teile beispielsweise in Second-Hand-Läden oder Sozialen Kaufhäusern abgegeben werden können“, teilte Sprecher Stefan Hülsdünker mit. „Wenn der Bürger etwas nennt, was nicht zum Sperrmüll gehört, können wir ihm den korrekten Entsorgungsweg aufzeigen.“ Als Folge stehe dann weniger „Falsches“ auf der Straße. Die von Witt monierte Nachmeldung sei wichtig für eine effiziente Tourenplanung.

Ob Bonnorange durch das neue System Geld spare, sei noch nicht klar. Der genaue Aufwand und damit die Kosten seien noch nicht belastbar zu nennen, sondern erst nach Ende der Testphase, so der Sprecher. Das jüngste Betriebsergebnis sei aber positiv, wie Bonnorange jüngst mitteilte. Demnach wurde das dritte Quartal 2018 mit einem Plus von 1,9 Millionen Euro über den Planwerten abgeschlossen.

Uli Witt aus Duisdorf ärgert derweil noch ein anderer Umstand. „Diese Veränderung des Sperrmüll-Konzepts kam ja zeitgleich mit dem Anheben der Gebühr um 200 Prozent bei der Abgabe von Sperrmüll bei der Wert- und Schadstoffsammelstelle Am Dickobskreuz“, erinnert er. Wenn man an diesem Konzept festhalte, solle zumindest die Möglichkeit eröffnet werden, dass jeder Haushalt zweimal pro Jahr seinen Sperrmüll umsonst bei der Wert- und Schadstoffsammelstelle abgeben dürfe.

Ob „Sperrmüll auf Abruf“ flächendeckend eingeführt wird, entscheidet sich Ende 2019, wenn das Pilotprojekt endet, sagte Hülsdünker. Vor einem Beschluss werde es eine Befragung der Bürger geben, die an dem Projekt teilgenommen haben.