Seit 21 Jahren

Das besondere Teestübchen in Duisdorf

In unbeobachteten Momenten greift Anja Diehl auch schon mal zu ihrem geliebten Rolling-Stones-Becher, um feine Tees daraus zu trinken.

In unbeobachteten Momenten greift Anja Diehl auch schon mal zu ihrem geliebten Rolling-Stones-Becher, um feine Tees daraus zu trinken.

Duisdorf. Die gebürtige Norddeutsche Anja Diehl betreibt seit 21 Jahren ihr Teestübchen in der Rochusstraße. Der Laden ist ein besonderes Stück Duisdorf.

„Abwarten und Tee Trinken“, wie ein bekanntes Sprichwort zur Gelassenheit mahnt, ist so gar nicht Anja Diehls Sache. Schon mit der Eröffnung ihres Teestübchens hat sie 1997 ihre Entscheidungsfreudigkeit bewiesen. Statt abzuwarten, was sich in ihrem Leben als Arzthelferin noch ergeben könnte, ergriff sie mutig die erste Chance zur Selbstständigkeit, die ihr durch ihren Lebensgefährten Alfred Kaspar auf dem Tablett angeboten wurde. Er war damals als Elektrotechniker an der Baustelle in der Rochusstraße 216 beteiligt. Eines Abends kam er mit der Idee: „Hättest du nicht Lust, dich selbstständig zu machen?“. Architekt Georgios Tsesmetis hatte ihm das noch freie Ladenlokal zum Kauf angeboten, in dem Diehl heute ihr Geschäft betreibt.

„Wenn ich mich mal selbstständig machen würde“, erinnert sich Diehl an ihre damalige Entscheidungsfindung, „dann wäre das schon immer irgendwas mit Tee gewesen“. Die 1970er Jahre müssen sie nachhaltig geprägt haben: „Das war die Phase, in der wir alle Räucherstäbchen abgefackelt haben“, lacht sie heute darüber. Ihre Eltern, die ebenfalls in ihrem Geschäft mitarbeiten, müssten damals einiges mit ihr und ihren Freundinnen durchgemacht haben. Diehl erzählt von der Hippie-Zeit, in der die Rauchschwaden von blumigen Duftstäbchen und einem nur vergeblich vor den Eltern zu verstecken versuchtem Zigarettenqualm die Zutaten einer wunderbar unbeschwerten Jugend waren.

„Ich bin ja ein Immi“, fällt Diehl dabei ein, und sie erinnert sich an die vielen „Pippi-Langstrumpf-Urlaube“ ihrer Kindheit an der Nordsee. Solange es noch Familie in der Umgebung ihres Geburtsorts Flensburg gab, war sie mit ihren Eltern und ihrem älteren Bruder jeden Sommer dort. Die Anstellung ihres Vaters bei der Marine führte dazu, dass die Familie in Richtung Hardtberg umziehen musste.

„Klare Sprüche und immer gerade heraus“, sagt Diehl, sei das Norddeutsche in ihr. Was sie sagt, dass meint sie auch. Und was sie will, dass setzt sie auch um, ließe sich ihre Selbsteinschätzung vervollständigen, wenn man erfährt, wie sie sich als Geschäftsfrau in einer von Männern dominierten Geschäftswelt behauptet hat.

Viel Kreativität und Geschäftssinn

Ihr war von Anbeginn an klar, dass sie ihren Teeladen alleine stemmen wollte. Obwohl sie damals noch kaum etwas über die Teevielfalt wusste. Doch sich per Franchising an einen großen Teehandel anzuschließen, kam für sie nicht in Frage. „Das Geld, was ich da hätte zahlen müssen, habe ich lieber in den eigenen Laden gesteckt.“ Tagelang lag sie in der Rochusstraße auf der Lauer und zählte die Kunden, die in ähnlichen Geschäften ein und aus gingen. Heute würde man es „Standortanalyse“ und „Businessplan“ nennen, wodurch sie ihren KfW-Kredit über 125 000 D-Mark bekam. „Ich hätte 50 000 mehr aufnehmen sollen“, weiß sie heute. Doch mit viel Kreativität und Geschäftssinn hat sie es trotzdem geschafft.

Zusammen mit ihrem Freund fuhr sie nach Süddeutschland und führte dort Gespräche mit Teehändlern. Damit war sie außerhalb der lokalen Konkurrenz. Bei einem alteingesessenen Händler in Karlsruhe, dem Teehaus Wilkendorf, wurde sie nicht nur freundlich empfangen, sondern bekam auch wertvolle Tipps zur Gründung ihres eigenen Ladens. „Der alte Herr Wilkendorf verriet mir eine der besten Adressen für den Teehandel“, erzählt sie begeistert von der Qualität des Händlers, der auch heute noch zusammen mit anderen zu ihren ersten Lieferanten gehört. Schnell wuchs auch ihr 120 Quadratmeter großer Laden zu einer ersten Adresse für Teekenner

Die richtige Nase für Qualität

Anja Diehl scheint die richtige Nase für Qualität und Geschmack zu haben. Viele Pläne und Ideen konnte sie in ihrem Geschäft verwirklichen. Sie entwarf die Inneneinrichtung („Ich wäre gerne Architektin geworden“) und verlegte selber schmuckvolle Mosaike im Boden ihres Ladens. Noch heute findet sie es schade, dass ihre Idee, Teeseminare und -verkostungen mit Experten anzubieten, nicht geklappt hat. Sie hatte schon Haus Gielsberg für eine erste Veranstaltung reserviert, doch mehr als 15 Interessenten kamen nicht zusammen. „Da schienen schon die 15 Mark Gebühren zu viel zu sein“, ärgert sie sich noch heute. Doch inzwischen sei alles gut. Sie hat viele Stammkunden, die ihre Expertise zu schätzen wissen.

Auch ihre frischen belgischen Pralinen waren neben vielen Tee-Accessoires eine gute Geschäftsidee. Nun fehle nur noch ein Lottogewinn, damit sie ihre kleine Tee-Terrasse hinter dem Laden überdachen könnte. Denn vor dem Haus sei es nicht mehr möglich, Stühle und Tische aufzustellen. Niemand wolle sich an die schon jahrelang brachliegende Baustelle neben ihrem Laden setzen. Doch das ist eine andere Geschichte.