Der Esel ist das Duisdorfer Wappentier

"Da kumme die Duisdorfer Äsele"

DUISDORF. Regelmäßig bekommen die Duisdorfer einen Hintern ins Gesicht gestreckt. Wenn es nicht der eines Esels wäre, hätte wohl schon längst jemand protestiert. Seit jeher gilt der Esel als Wahrzeichen des Stadtteils. Ob im Wappen des FC Hardtberg oder als Statue auf dem Marktplatz, jeder fühlt sich mit dem Arbeitstier verbunden.

Die Familie Schüller ganz besonders. An ihrem Wohnhaus in der Schmittstraße hängt ein metallener Esel. "Den hat damals mein Vater geschenkt bekommen", sagt Reinhold Schüller. Bruder Josef und sein Sohn Toni hatten den Esel gebaut und aufgehangen. Dass er verkehrt herum steht, habe mit dem Charakter des Vaters zu tun: "Bei einem Streit drehte er sich oft um und sagte 'Du kannst mich mal'", erinnert sich Reinhold Schüller.

Der Legende nach mauserte sich der graue Geselle schon im 18. Jahrhundert zum steten Begleiter der Duisdorfer, sagt Heimatforscher Hans Berg. Damals trugen die Bürger ihr Getreide mit schwer bepackten Eseln zur Wassermühle zwischen den Orten Oedekoven, Lessenich und Duisdorf. Zurück nahm man den gleichen Weg, allerdings mit dem Mehl Huckepack. Lauthals verkündete man dann: "Da kumme die Duisdorfer Äsele!" So hatten die Duisdorfer schnell ihren Spitznamen weg.

Vor allem bei den Auswärtsspielen der Fußballer vom FC Hardtberg hält sich dieser Beiname bis heute. Kein Wunder, denn die Kicker haben den Esel im Wappen. "Aber erst seit den 70er Jahren", sagt Vorsitzender Bernd Schmidt. Als damals die Vereine Preußen Duisdorf und VfL Lengsdorf fusionierten, suchten sich die Fußballer das neue Maskottchen aus. "Die Älteren verbinden mit dem Esel viel mehr, als die heutige Generation", so Schmidt. Für die Kleinen ist der Esel dagegen eine Art Geißbock-Ersatz. "Die fühlen sich damit ein bisschen wie echte Bundesliga-Kicker."

Auch die Wirtschafts- und Gewerbegemeinschaft Hardtberg (WGH) hat sich für den Esel als Maskottchen entschieden. Hardi heißt das Tier, so haben die Duisdorfer entschieden. "Das Logo ist bewusst kindlich gehalten wegen der vielen Familien im Stadtbezirk", sagt Regina Rosenstock von der WGH. Einmal im Jahr wird zudem der Duisdorfer Esel vom Turn- und Kraftsportvereins (TKSV) an Bürger verliehen, die sich sozial besonders engagiert haben. "Der Ässel han ich in em Hätz", heißt es zudem im Duisdorflied

Immer mit dem "Äsel" identifiziert hat sich auch Josef Schüller, der 2002 starb. Wenn er in ein Nachbardorf kam, rief man ihm ein kräftiges "I-Ah" zu. "Er hatte eine besonders enge Verbindung zu dem Tier", erzählt sein mittlerweile 59-jähriger Sohn Reinhold. Den kleinen Plüschesel, den sein Vater in jedem seiner Autos an den Rückspiegel hängte, hat er als Erinnerungsstück aufgehoben.

Obwohl das kleine Kuscheltier schon über 60 Jahre alt ist, hat es kaum Macken. "Wir haben es immer in Ehren gehalten, deshalb muss es jetzt auch nicht mehr im Auto baumeln", sagt Reinhold Schüller. Zwar hatte er nie ein Faible für Esel, dafür ist der langohrige Vierbeiner der tägliche Begleiter von Tochter Anna. "Für alle bin ich nur das Eselchen", sagt die 22-Jährige. Ihr Kinderzimmer war genau hinter der Metallfigur, das hat abgefärbt. Am Arbeitsplatz bei der Elterngeldstelle hängt nicht nur ein Lebkuchenherz mit der Widmung "Eseltag" (wie ihr Geburtstag genannt wird), sondern stehen auf viele weitere Esel-Utensilien: Kaffeetasse, Tagesplaner und Plüschtier erinnern an ihre Herkunft. Bei manch einem Kollegen wird sie deshalb geneckt. Trotzdem ist sie stolz auf ihren Stadtteil: "Ich stehe dazu und will nicht aus Duisdorf wegziehen."