Groß, mollig, modisch

Christine Ferst aus Bonn im Finale von "Miss Happy Curvy"

Nicht schlank, sondern kurvig, das ist Christine Ferst.

Nicht schlank, sondern kurvig, das ist Christine Ferst.

Duisdorf/Herefordshire. Mit dem Schlankheitswahn hat es Christine Ferst nicht. Die Duisdorferin ist 1,78 Meter groß, hat Konfektionsgröße 52 und liebt trotzdem Mode, Farben und Trends. Und sie ist gut drauf, denn sie ist eine von 32 Finalistinnen des Wettbewerbs „Miss Happy Curvy“ 2019.

Der Wettbewerb, den die gleichnamige Modelagentur ins Leben gerufen hat, findet am 18. Mai in Stuttgart statt. „Bei der Veranstaltung geht es um die Suche nach Plus-Size-Models, Bodypositivity und Plus-Size Mode“, erklärt die 34-Jährige, die in der Weißstraße in Duisdorf aufgewachsen ist und inzwischen mit ihrem Partner in Herefordshire nahe Birmingham lebt. Nach dem Jura-Studium in England hat sie dort eine Trainee-Stelle erhalten und beginnt demnächst als Volljuristin in der Verwaltung.

Bei dem Wettbewerb geht es um mehr als gutes Aussehen. „Jeder Mensch, ob Frau oder Mann, hetero oder homo, klein oder groß, dick oder dünn, weiß oder farbig, sollte sich die Freiheit nehmen, um so zu sein wie er sein möchte“, geben die Veranstalter als Motto aus. Und Christine Ferst verrät: „Ich habe noch nie gemodelt.“ Sie sei einfach bei Instagram dem Account von „Miss Happy Curvy“ gefolgt und habe sich ganz kurzfristig zur Bewerbung entschlossen. „Dabei sein ist alles“, findet sie und ist gleichwohl sehr stolz, dass sie es bis ins Finale geschafft hat. Dazu musste sie vorher noch ein Bewerbungsvideo einreichen. „Aber das ist mehr Spaß und Hobby.“ Leben können wird sie vermutlich davon nicht, selbst wenn die 34-Jährige den Wettbewerb gewinnt. Das ist aber auch nicht unbedingt das Ziel, sondern es geht um „Spaß haben“, wie sie sagt.

Christine Ferst ist in Deutschland geboren, ihre Mutter ist Philippinin. Nach dem Abitur an der Liebfrauenschule in Bonn studierte sie drei Semester Jura in Maastricht und machte später ihren Master in Bonn. Dass sie 2015 nach Liverpool wechselte, um ein Aufbaustudium anzuschließen, hatte ein bisschen mit ihrer Vorliebe für die Beatles zu tun, sagt Ferst. In England hatte sie sich zwischenzeitlich mit Nebenjobs über Wasser gehalten, als Englischlehrerin, Bäckereiverkäuferin und Recherchehelferin.

Aber immer wieder pendelt sie zurück nach Duisdorf. „Das ist meine Heimat.“ Ihr Vater ist dort begraben, ihre Freunde leben noch hier, und einige Verwandte in Medinghoven. Der englische Akzent ist jedoch nicht zu überhören, sodass sich Christine fast schon entschuldigt: „Ich habe das Deutsch ein bisschen verlernt.“ Sie bleibe jedoch Bonnerin im Herzen.

Bei der „Miss Happy Curvy Wahl“ will sie vor allem positive Energie verbreiten, auch abseits von Traumfiguren, Schlankheitswahn und Hungerkuren. Viel läuft dabei über Farben. „Ich liebe Rot und Pink und habe sogar ein Kleid, das wie ein Regenbogen aussieht.“ Wer ihr auf Instagram folgen will, findet sie unter @misshappycurvy.