Gänse-Alarm im Hardtbergbad

Brütendes Tier verscheucht Fliesenleger

Die Kanadagans im Hardtbergbad verteidigt ihr Nest. Die Fliesenleger müssen einen großen Bogen um sie machen.

Die Kanadagans im Hardtbergbad verteidigt ihr Nest. Die Fliesenleger müssen einen großen Bogen um sie machen.

Duisdorf. Im Bonner Hardtbergbad wird renoviert. Doch die Handwerker können sich nicht an die Arbeit machen. Eine brütende Kanadagans schüchtert sie ein.

Das hat es im Hardtbergbad auch noch nicht gegeben: Eine brütende Gans hat sich auf einem Stück Grünfläche mitten im Freibad eingenistet, und zwar direkt zwischen dem unteren Nichtschwimmerbecken und den grauen Betonpodesten, auf denen im Sommer die Besucher gerne ihre Handtücher ausbreiten. Also da, wo in der Freibadsaison am meisten los ist, gleich vis à vis des großen Wasserpilzes.

Dort sitzt sie seit ein paar Tagen, bewegt sich nicht – und brütet. Aber allein dadurch schüchtert sie die Fliesenleger ein, die gerade an den Becken notwendige Reparaturen vornehmen sollen, die jedes Jahr nach dem Winter anfallen. „Die Gans sitzt seit vorigen Donnerstag da und guckt bei jeder meiner Bewegungen“, sagt ein Arbeiter und ist sich ziemlich sicher: „Die mag mich nicht.“

Jedenfalls traut er sich nicht näher heran, um die kaputten Bodenfliesen gleich unterhalb des Nests zu reparieren. Und weil da ja auch noch ein Ganter irgendwo in der Nähe sein muss, den er aber noch nicht gesehen hat, geht der Fliesenleger lieber auf Abstand und Nummer sicher: „Ich habe zur Abwehr immer einen Besen dabei“, sagt er und hält das Utensil einsatzbereit hoch.

Gänse beißen nicht

Der Jagdpächter Heinz-Jürgen Bauer, der für das Revier im Hardtbergwald und im Derletal zuständig ist, in dem auch das Freibad liegt, muss angesichts dieser Aussage ein wenig schmunzeln: „Die Gans wird die Männer schon nicht auffressen“, sagt er. Gleichwohl könnten die Tiere bedrohlich fauchen und gefährlich wirken, wenn man ihnen zu nahe kommt. Im Gegensatz zu Schwänen beißen sie jedoch nicht.

Einer von Bauers Jägern hat das Tier am Dienstag identifiziert, es handelt sich demnach um eine weibliche Kanadagans. Deren Körper kann bis 90 Zentimeter lang werden; die Weibchen sind zwischen drei und fünf Kilo schwer. „Das ist ein richtiger Brummer“, so die Worte des Fliesenlegers, der seine Arbeit deswegen einstellen musste. Charakteristisches Merkmal der Tiere ist das ausgedehnte weiße Kinnband, das sich von der Kehle bis hinter die Augen erstreckt. Wenn sie ihre Flügel ausbreiten, haben diese eine Spannweite von 1,60 bis 1,75 Metern.

Würde man die Gans weiter brüten lassen, wäre allerdings der termingerechte Auftakt zur Freibadsaison gefährdet. Sie soll am 25. Mai starten. Die Gänse aber brüten normalerweise 28 Tage, und dann kommen noch 60 bis 70 Tage dazu, bis der Nachwuchs flugfähig ist und das Nest verlassen kann. Insbesondere der Ganter verteidigt in dieser Zeit sowohl die Gans und wie auch den Nachwuchs ausgesprochen aggressiv.

Muttertier soll verscheucht werden

Jagdpächter Bauer hat schon Kontakt mit der Unteren Jagdbehörde aufgenommen. Sein Plan: Seine Leute wollen die Gans verscheuchen, die Eier an sich nehmen und das Nest beseitigen.

„Die Eier kommen dann in meine Brutmaschine“, so Bauer, dessen Jagdhütte ganz in der Nähe liegt. „Und wenn dann die kleinen Gänse geschlüpft sind, kommen sie in eine meiner Volieren, bekommen die richtige Nahrung und werden nach zwei bis drei Monaten, wenn sie fliegen können, in einen Teich im Hardtbergwald ausgesetzt.“

Die Freibadsaison im Hardtbergbad ist demnach also nicht in Gefahr. Man müsse, so Bauer, allerdings aufpassen, dass die Tiere kein zweites Gelege in unmittelbarer Nähe ausbrüten, wie sie es gerne tun. Denn eigentlich sei das Freibad ein idealer Brutplatz: Es ist (derzeit noch) ruhig, und frei von Spaziergängern. Insgesamt ist er sich sicher: „Die Fliesenleger können bald weiterarbeiten.“ Bis es so weit ist, werden die Männer noch einen Bogen um das Nest machen.