„Dauerparker“

BMW steht seit zwei Jahren in Bonner Straßengraben

Dransdorf. Zwischen dem Ortsausgang Dransdorf und dem Kreisel der K12n steht seit mindestens zwei Jahren ein Auto auf einer Wiese. Für die Entsorgung des Fahrzeugs fühlt sich offenbar niemand verantwortlich.

Für viele Autofahrer, die öfter auf der Grootestraße in Richtung Alfter unterwegs sind, ist dieser blaue BMW am Straßenrand ein gewohnter Anblick. Denn das Auto steht schon seit mindestens zwei Jahren an demselben Platz auf einer Wiese neben der Böschung, zwischen Ortsausgang Dransdorf und dem Kreisel der K12n. Seitdem wurde es offenbar nicht einmal mehr bewegt. Aber niemand sieht sich willens oder in der Lage, das Fahrzeug zu entfernen oder zu entsorgen.

Aber der Reihe nach: „Ja, auf diesen Wagen sprechen mich sehr viele Leute an“, sagt Jagdpächter Hubert Wolter, der das Gelände wie seine Westentasche kennt. Anfangs habe der Autobesitzer sogar noch in seinem Wagen übernachtet. Inzwischen lässt er sich nicht mehr blicken, längst sind Scheiben des BMW eingeschlagen, das Lenkrad und weitere Instrumente gestohlen. Dafür ist das Auto nun vollgestopft mit Plastiktüten voller Müll.

„Wir waren schon mehrfach da“, sagt Simon Rott, Sprecher der Bonner Polizei. Zuletzt vor einem Jahr, als der Wagen aufgebrochen wurde. nahm eine Streifenwagenbesatzung den Fall auf und machte Fotos. Die Kennzeichen, über die der Halter einfach zu finden wäre, hängen noch gut lesbar vorne und hinten am Auto. „Aber wir sind dafür nicht zuständig, sondern die Stadt Bonn“, sagt Rott. Gestohlen worden ist der Wagen jedenfalls nicht.

Randbereich der Böschung gehört der Stadt

In der Tat hat der städtische Ordnungsdienst die Kennzeichen entsiegelt und damit das Fahrzeug stillgelegt. Aber für die Entsorgung des Fahrzeugs sieht sich die Stadt nicht zuständig, weil es sich um ein Privatgrundstück handele, auf dem der Wagen stehe. Deshalb wurde der Besitzer des Wagens bisher auch nicht aufgefordert, das Auto an einen anderen Platz zu stellen.

„Es könnte ja theoretisch auch das Auto des Grundstückseigentümers sein“, erklärt eine Sprecherin des Presseamtes. Wäre es öffentlicher Grund und Boden, sei das anders. Dann würde die Stadt einschreiten.

Jagdpächter Wolter ist derweil sicher, dass der Randbereich der Böschung der Stadt gehört. „Die Grenzsteine, wo die Privatgrundstücke beginnen, stehen ja sechs Meter von der Straße weg“, sagt er. Außerdem rücke ja auch zwei Mal im Jahr eine Pflegekolonne an und schneide den Rasen – offenbar im Auftrag einer Behörde, und geschnitten werde übrigens immer fein säuberlich um das abgestellte Auto herum.

Wagen lässt sich nicht so einfach entfernen

Doch die Stadt ist ebenso sicher: „Das ist nicht unser Grundstück.“ Im Zuge der GA-Recherche habe man noch einmal im Geo-Informationssystem die Stelle überprüft. „Und dort ist es als Privatgrundstück vermerkt.“ Auch der Landesbetrieb Straßen NRW verneint. „Die Grootestraße liegt in der Baulast der Stadt Bonn“, sagt Sprecher Bernd Aulmann. Das beziehe sich aber alleine auf die Straße, nicht das Grundstück.

Aber selbst, wenn dem so ist und der private Grundbesitzer nun wieder am Zug wäre, das Auto zu entsorgen, ist das nicht so einfach: „Das könnte ja als Diebstahl ausgelegt werden“, sagt Wolter. Deshalb könne man den Wagen nicht so einfach entfernen lassen. Inzwischen hat er sich an den „Schandfleck“ gewöhnt, hat aber eine Idee: „Im Frühjahr pflanze ich Brombeeren drum herum, dann ist nach weiteren eineinhalb Jahren von dem Wagen nichts mehr zu sehen.“

An den Halter jedenfalls käme man im Zweifel heran, ohne den Datenschutz auszuhebeln. „Jemand, der ein fremdes Auto auf seinem Grundstück findet, kann die Zulassungsstelle kontaktieren und erhält zur Durchsetzung seiner privatrechtlichen Interessen die Kontaktdaten des Halters“, so die Auskunft der Stadt. Offen bleibt bisher die Frage, wer die Pflegekolonne beauftragt, die das Wiesenstück regelmäßig mäht. Die Stadt Bonn versicherte, sie gehöre nicht zu ihrem Amt für Stadtgrün.