"Urban Gardening"

Bürgergarten auf dem alten Spielplatz?

Der Spielplatz am Wesselheideweg könnte schon im Herbst ein Bürgergarten werden.

MEDINGHOVEN. Selbstgezüchtete Zucchini für den Auflauf, der Nachtisch wird mit Himbeeren aus eigenem Anbau verfeinert: Nicht jeder verfügt über ein paar Quadratmeter Grünfläche oder einen kleinen Garten, um Kräuter, Obst und Gemüse für den Eigenbedarf anzubauen.

Und es muss nicht immer ein großer Acker sein, den man mit Freunden, Gleichgesinnten und Familie bearbeiten will. Kleine Bürgergärten sind die Alternative. Was in Berlin und Köln ebenso etabliert ist wie in Moskau oder auf Kuba, das soll auch auf dem Hardtberg möglich sein. "Urban Gardening" heißt der neue Trend, der in Medinghoven schon bald in die Tat umgesetzt werden könnte. "Der aufgelöste Spielplatz am Wesselheideweg in unmittelbarer Nähe zum Sportplatz würde sich dafür gut eignen", meinen Gertrud Smid und Jutta Brodhäcker (Grüne).

"Neben der Versorgung mit lokal angebauten Produkten verbessert das Gärtnern in der Stadt das Mikroklima, trägt zum Erhalt der Biodiversität bei und sensibilisiert für einen nachhaltigen Lebensstil", argumentieren beide. Zusätzlich würde man durch das gemeinsame Arbeiten auch Zusammenhalt und Integration fördern. Bestens geeignet seien für dieses Projekt Spielplätze, die nicht mehr genutzt werden. Sie sind in der Regel gut erreichbar und liegen in dicht bebauten Wohngebieten. Nachdem bereits der Umweltausschuss zugestimmt hat, wird sich der Hauptausschuss am 11. Juni damit beschäftigen. Gibt es auch dort Zustimmung, dann wird sich das Amt für Stadtgrün um die Umsetzung kümmern.

"Wir wissen nicht, was sich im Boden des ehemaligen Spielplatzes befindet", erklärt Smid. Denn die Spiel- und Klettergeräte seien bestimmt durch feste Vorrichtungen im Boden verankert. Und diese müssen erst entfernt werden, damit etwas gedeihen kann. Sollten im Erdreich Betonfundamente vorhanden sein, die sich nur unter großen Anstrengungen entfernen lassen, dann könnte man auf dem Gelände alternativ Container aufstellen. "Die würde man wie ein Hochbeet anlegen und nutzen", so Smid. Aufgrund der angespannten Haushaltslage will sie Sponsoren für die Umsetzung des Projekts gewinnen.

Dass der Bedarf und das Interesse an den städtischen Kleingärten groß sind, haben die beiden Politikerinnen immer wieder bei Gesprächen vor Ort erfahren. Eigentlich sollten bereits im Frühjahr die ersten Samen in die Erde. "Wir hoffen jetzt, dass wir im Herbst endlich loslegen können", so Smid. Ihr schwebt zudem vor, dass die Bürgergärten ähnlich wie die Baumpatenschaften durch private Initiativen getragen werden. Wie die Fläche aufgeteilt wird und was angepflanzt werden soll, darüber werde man sich dann Gedanken machen.

"Die Bürgergärten würden nicht nur das Klima und die Gemeinschaft innerhalb der Stadt verbessern", meint auch Brigitta Poppe, Fraktionssprecherin der Bonner Grünen. Sondern sie würden Bonn auch finanziell entlasten. "Für die Stadt wären sie die günstigere Variante." Denn die Verwaltung müsste sich nicht um die Bepflanzung und die Pflege der Anlage kümmern. Damit wäre das "Urban Gardening" eine "Win-win-Situation" für alle.

Weitere Flächen in Bonn, die in Bürgergärten umgewandelt werden könnten, sind die ehemaligen Spielplätze am Nesselroder Hof, Beuthener Straße, Jakob-Mager- Straße, Am Tönnesenkreuz sowie Bonner Logsweg 1.

Urbaner Gartenbau

"Urban Gardening" ist die meist kleinräumige, gärtnerische Nutzung städtischer Flächen innerhalb von Siedlungsgebieten oder in deren direktem Umfeld. Die nachhaltige Bewirtschaftung der gärtnerischen Kulturen, die umweltschonende Produktion und ein bewusster Konsum der landwirtschaftlichen Erzeugnisse stehen bei den Projekten im Vordergrund.