Tage der offenen Tür

Auf der Suche nach der richtigen Schule in Bonn

Duisdorf. Die Bonner Schulen werben mit Tagen der offenen Tür um Nachwuchs. Welche Kriterien legen die Eltern bei ihrer Wahl einer weiterführenden Schule an - ein Besuch im Duisdorfer Helmholtz-Gymnasium.

Noch bis Ende November bieten die Bonner weiterführenden Schulen Tage der offenen Tür an, an denen sich Eltern mit ihren Viertklässlern einen Eindruck von den Angeboten, den Räumlichkeiten und nicht zuletzt von dem Lehrerkollegium der für sie infrage kommenden Schulen machen können. Im kommenden Februar werden sie die Anmeldeunterlagen erhalten, mit denen sie dann ihre Kinder an der Schule ihrer Wahl zum Schuljahr 2019/20120 anmelden können.

So nutzten am Samstagvormittag einige Hundert Eltern die umfangreichen Möglichkeiten, sich in Veranstaltungen, Vorträgen und an Infoständen ein Bild von dem Duisdorfer Helmholtz-Gymnasium (HHG) zu verschaffen. Auch ohne ihre Eltern konnten die Grundschulkinder an zahlreichen Schnupperstunden von Roboter AG über Keyboard-Workshop bis hin zum Chinesisch-Unterricht teilnehmen und dabei erfahren, wie es sich anfühlt, an den Arbeitstischen eines Gymnasiums Platz zu nehmen.

Nachmittagsbetreuung und Chinesisch-Unterricht

„Natürlich gibt es immer einen Konkurrenzkampf unter den Schulen, die Anmeldezahlen zu erfüllen“, sagte Schulleiterin Dorothee von Hoerschelmann, die sich über das rege Interesse von Eltern und Schülern an ihrer Schule freute. Von den 19 Bonner Gymnasien bieten sich in Hardtberg mit dem Carl-von-Ossietzky- und dem Hardtberg-Gymnasium zwei weitere Alternativen zum HHG an, wenn es um die räumliche Nähe von Elternhaus und Schule geht, was für viele Eltern eines der wesentlichen Kriterien zur Schulwahl ist.

„Für mich als Alleinerziehende ist es zudem wichtig, dass mein Kind den ganzen Tag betreut ist“, ist für Nicole Greite-Pietsch ein Kriterium für die weiterführende Schule von Olav (8). „Wenn ich abends nach Hause komme, sollten auch die Schularbeiten erledigt sein“, so die berufstätige Mutter. Für sie ist es weniger wesentlich, dass ihr Sohn ein englisches oder französisches Abitur macht. Auch der am HHG angebotene Chinesisch-Unterricht sei für Olav zurzeit noch keine Option. Der kurze Schulweg hätte für ihren Sohn eigentlich das Hardtberg-Gymnasium interessant gemacht. Da dort jedoch keine Ganztagsbetreuung angeboten wird, kam die Schule für uns nicht infrage.

Achtjährige interessieren sich für Physik

„Der Platz am Hardtberg-Gymnasium sollte meinem Sohn als Geschwisterkind sicher sein“, sagte ein Vater, der mit seinem jüngsten Sohn das HHG besuchte, um im Falle einer eher unwahrscheinlichen Ablehnung eine Alternative in petto zu haben. Für Gerd Zumbel aus Tannenbusch war „der gute Ruf der Schule in den naturwissenschaftlichen Fächern entscheidend“. Vater Zumbel ist aufgrund des „unbändigen Interesses“ seiner achtjährigen Tochter Lena an dem, „was die Welt bewegt“, davon überzeugt, mit dem HHG die richtige Entscheidung zu treffen: „Lena wird mal eine große Physikerin werden“, fügt er lachend – und somit vielleicht nicht ganz ernst gemeint – hinzu.

„Man sollte die Kinder nicht mit zu großen Ansprüchen überfordern“, sagt von Hoerschelmann. Aus ihrer langjährigen Erfahrung weiß sie, dass die Folge einer Überforderung der Kinder zu einer Demotivierung führt, dass sie frustriert sind und jegliche Lust am Lernen verlieren. „Dabei haben wir ein sehr durchlässiges Schulsystem, bei dem alle Gymnasien auch Realschüler aufnehmen“, sagt sie. So seien manche Eltern gut beraten, wenn ihre Kinder erst einmal in einer etwas einfacheren Schulform starteten. „Wenn man dann sieht, das Kind macht einen Entwicklungsschub, kann man auch im laufenden Schuljahr noch wechseln“, so die Schulleiterin, die betont, „es sollte immer noch möglich sein, dass ein Kind noch lachen und spielen kann“.

Eltern entscheiden nicht nur mit dem Kopf

Da in NRW der Elternwille über die Schulform des Kindes entscheidet, führen Beratungen vonseiten der Schule nicht immer zum gewünschten Ergebnis. Andererseits kann jedoch auch eine fehlende Gymnasialempfehlung der Grundschule durch ein Beratungsgespräch und die genaue Begutachtung des Schülers zur Aufnahme am Gymnasium führen.

„Für uns ist das hier alles neu“, sagt Dolma Kalsang aus Tibet, die mit ihrem Mann Norbu Gurung und Sohn Tashi (10) zum HHG gekommen ist. „In Tibet bleibt man vom Kindergarten bis zum Abitur in der gleichen Schule“, sagt sie und ist überrascht von dem vielfältigen Schulangebot in Deutschland. „Wir sind hier ein bisschen desorientiert“, lacht sie. Die Familie wird sich noch weitere Schulen ansehen. Doch sie sind zuversichtlich, eine gute Schule, an der man viele Sprachen lernen kann, zu finden.

Lolita Mironova hat sich mit Tochter Emili (10) bereits für das HHG entschieden. „Die Atmosphäre, das ganze Team und die Gebäude mit all den Möglichkeiten haben uns überzeugt“, sagt die Mutter. Und mit Blick auf ihre Tochter fügt sie hinzu: „Letztlich muss die Entscheidung mit dem Herzen getroffen werden.“