Pioniere der deutschen Palliativmedizin

Ambulanter Dienst am Malteser Krankenhaus feiert Jubiläum

Stephan Eisel präsentiert sein Programm "Beethoven Bonnensis" in der Cafeteria des Malteser Krankenhauses.

Stephan Eisel präsentiert sein Programm "Beethoven Bonnensis" in der Cafeteria des Malteser Krankenhauses.

Medinghoven. Der Ambulante Palliativdienst am Malteser Krankenhaus feierte jetzt sein 25-jähriges Bestehen mit einem Festakt in der Cafeteria des Hauses.

Der gute Ludwig van Beethoven komponierte weiter, obwohl er nichts mehr hören konnte und krank war. Weitermachen wie bisher, sich ein Stück seiner Lebensqualität erhalten, das war für ihn ebenso wichtig, wie es für die Patienten des Ambulanten Palliativdienstes am Bonner Malteser Krankenhaus Seliger Gerhard Bonn/Rhein-Sieg ist, die ihre letzte Lebensphase trotz Erkrankung zu Hause verbringen wollen. Dieser Dienst feiert jetzt sein 25-jähriges Bestehen und hatte dazu am Donnerstag Stephan Eisel eingeladen, den Musiker, nicht den Politiker.

Er präsentierte am Klavier in der Cafeteria des Krankenhauses dem Publikum sein Klavierprogramm „Beethoven Bonnensis“. Auch viele ehrenamtliche Mitarbeiter des Dienstes waren zu diesem Benefizkonzert gekommen. Mehr als 50 gibt es mittlerweile, die zu unheilbar erkrankten Menschen fahren, um sie zu betreuen. Etwas, das vor 25 Jahren noch Neuland war. Ebenso wie Palliativmedizin generell. „Die Hospiz- und Palliativbewegung begann in Deutschland Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre“, erklärte Martina Kern, Leiterin des Zentrums für Palliativmedizin am Krankenhaus.

Eine der ersten Palliativstationen überhaupt in Deutschland

„Wir waren eine der ersten Palliativstationen überhaupt in Deutschland“, sagte sie. „Das Thema Sterben war damals aus dem Gesundheitswesen ausgeklammert.“ Dafür habe es viele Gründe gegeben: Bringt man die Patienten in eine Situation der Hoffnungslosigkeit? Schraubt man damit die Sterbezahlen am Krankenhaus in die Höhe? „Wir gingen mitten rein in ein Tabu.“ Denn das Malteser Krankenhaus fühle sich dem Leben verpflichtet, und dazu gehöre auch das Sterben. „Wir wollten sterbende Menschen von der Diagnose bis zum Tod begleiten.“

Es wurde eine Station mit acht Betten eingerichtet. Chefarzt war Eberhard Klaschik, der später auch den deutschlandweit ersten Lehrstuhl für Palliativmedizin an der Bonner Universität innehatte. Man stellte aber bald fest, dass Patienten gerne zu Hause sein wollten, sie und ihre Angehörigen aber nicht gut zu Hause versorgt werden konnten, weil dafür die Strukturen fehlten. Nach dem englischen Vorbild der sogenannten Mac Millan Nurses mit Hilfe einer Förderung der Krebshilfe wurde ein Team aus haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern gebildet. Im ersten Jahr besuchten sie 40 Patienten. Alleine im ersten Halbjahr 2018 wurden mehr als 300 Menschen betreut. Insgesamt wurden bis jetzt mehr als 6500 Patienten begleitet, um ihr Leid zu lindern und ihre Lebensqualität zu erhalten.

Aber auch nach 25 Jahren erlebe man noch, dass die Ehrenamtler gebeten würden, nicht vor dem Haus, sondern um die Ecke zu parken, sagte Chefarzt Lukas Radbruch, seit 2010 Klaschiks Nachfolger. „Wir würden gerne aus der Stigmatisierung herauskommen.“ Und man brauche mehr ehrenamtliche Mitarbeiter, vor allem jüngere: „Sie sind als Botschafter der Palliativmedizin unterwegs.“