Imbiss Hirzmann in Duisdorf

Alles begann mit einem Büdchen

Immer gut gelaunt, egal ob die Pommes nun mit Majo oder Ketchup veredelt werden: Rainer Hirzmann bei der Arbeit.

DUISDORF. Kaum zu glauben, dass die alte Aufnahme aus Duisdorf schon rund 40 Jahre alt ist. Zu sehen ist darauf Imbiss Hirzmann - man könnte meinen, es ist gestern aufgenommen. Etwas irreführend ist das Schild "Kiosk" über der Markise.

"Ich weiß gar nicht, hängt das immer noch da?", fragt der heutige Betriebsleiter Rainer Hirzmann seinen Stammkunden und Freund Paul Burbach. "Nein, nicht mehr", antwortet er nach dem Blick nach oben. In diesem Jahr feiert der Imbiss, ein weit über den Ort bekannter Laden und Treffpunkt, sein 50-jähriges Bestehen.

Alles begann also 1964 und zwar mit einem Büdchen vor Sankt Rochus. Zwei Jahre lang servierte Vater Adolf Hirzmann dort bereits Currywurst mit Fritten und Frikadellen, die auch heute immer noch Rainer Hirzmann nach altem Familienrezept in seiner Wurstküche in Alt-Duisdorf zubereitet.

Sein Vater wusste damals bereits, dass er in das heutige Haus einziehen konnte, die Bagger waren damals schon da. Bis heute hat sich kaum was verändert, außer dass es nebenan den Laden Schallplatten Janke nicht mehr gibt. Rainer Hirzmann führt den Imbiss seit 1997, hatte ihn von seinem Bruder Werner - der war seit 1980 im Geschäft - übernommen.

In den Anfangsjahren führte die B56 noch zweispurig an der Bude vorbei. Die Leute kamen aus Rheinbach und Meckenheim, "die Lastwagen standen an der Seite, die Fahrer kamen zum Essen", erinnert sich Paul Burbach, der seit 48 Jahren regelmäßig vorbeikommt.

Als sechsjähriger Junge war er schon auf 'ne Fritten da. "Wir haben uns oft hier getroffen. Wenn ming Motter et jewooß hätt, jööv et hück noch Prüjel." Bezahlt hat er damals mit dem Geld, dass er sich mit dem Verkauf von Kartoffeln oder Maiglöckchen verdient hatte. Burbach schmeckt es heute noch wie damals. "Nur damals waren die Frikadellen besser." Die Hirzmanns können nichts dafür, denn die wurden früher mit Pökelsalz verarbeitet, was nicht mehr erlaubt ist. Sie kamen dann in die Fritteuse, wie der Betriebsleiter sagt. "Die Frikadellen waren dadurch auch rot."

Vor 50 Jahren waren Pommes noch eher selten, "ein belgischer Exot", sagt Rainer Hirzmann. Paul Burbach weiß noch, wie sein Vater sie als "de Plätzchen us Kartoffele" bezeichnet hat. Gerade mal 50 Pfennig kostete am Anfang eine Portion, mit Wurst 1,80 Mark.

Das Jahr 2014: Schon morgens sitzen vier Herren auf den Stühlen vor der Theke, um sich bei ein oder zwei Kaffee übers Wetter und ihre Zipperlein zu unterhalten. Ein Frauenründchen ist dann später an der Reihe, wie Hedi Schumann sagt. Seit 30 Jahren bedient sie die Stammkundschaft im Familienbetrieb gern, wie sie sagt. Somit ist sie also länger dabei als ihr Chef. "Letztes Jahr kam mal direkt vom Standesamt ein Brautpaar vorbei, für Schnitzel und Wurst", erinnert sie sich.

Dann war da noch die ältere Kundin, die immer in der Berufsschule putzen ging und "Fritten mit Makonäse" bestellte. "Ein Dachdecker hörte unter fünf Bratwürste nicht auf. Das ging auch ohne Brot", sagt Schumann. Wenn Kinder mal wieder etwas länger anstehen müssten und ungeduldig würden, bekämen sie auch schon mal eine Capri-Sonne oder ein paar Pommes Frites geschenkt.

Rainer Hirzmann beschäftigt zehn Mitarbeiter, vier davon fest. Bei einem Zehn-Stunden-Tag bleibt nicht viel Zeit für Hobbys. Wenn es geht, fährt er Motorrad. Seinen zweiwöchigen Urlaub verbringt er mit seiner Frau Annette, die Geschäftsführerin ist, an der Nordsee. Das Kochen macht dem Chef viel Spaß: Thai-Pfanne, dicke Bohnen und Wirsing finden sich immer wieder auf der Speisenkarte. Nur eins kommt ihm nicht in die Bude: Gyros oder Pizza,