Rundumpaket auf kleinem Raum

All-Inclusive-Zimmer für Bonner Studenten

Das neue Studentenwohnheim an der Rochusstraße.

Das neue Studentenwohnheim an der Rochusstraße.

Duisdorf. Das Wohnheim „Staytoo“ in Duisdorf vermietet möblierte Apartments an Bonner Studenten. Auf wenig Raum wird denen ein Rundum-Paket angeboten.

Oberflächen in edlem Holz, Briefkästen im schwarz-grau-weißen Schachbrettmuster und eine überdimensionale Karte von Bonn – mit Tipps für Bars, Restaurants oder Ausflüge. Hausnummer 65 an der Rochusstraße in Duisdorf wirkt wie ein modernes Hostel für Rucksacktouristen. Statt Sightseeing steht für die Bewohner allerdings Lernen auf dem Plan. Das „Staytoo“ ist ein Studentenwohnheim und bietet komplett möblierte Apartments an. Auf insgesamt sechs Etagen verteilen sich 155 Apartments mit einer Größe von 17 bis 22 Quadratmetern sowie zwei Studios. Jede der Mikrowohnungen verfügt über eine kleine Küche mit Ceranfeld, Spüle, Kühlschrank und Mikrowelle sowie ein eigenes Badezimmer. Im Wohnbereich verwandelt sich die Couch für die Nacht in ein Bett. „Wir wollen versuchen, möglichst viele Zonen in einem Raum abzubilden“, erklärt Projektentwickler Nils Kleinjung. Im Keller gibt es einen Partyraum, eine Waschküche, einen großen Gemeinschaftsraum mit Kochflächen sowie ein Fitnessstudio.

„Wir vermieten nicht nur das bloße Dach über dem Kopf, sondern vielmehr ein ganzheitliches Konzept“, sagt Tim Geringer. In der Miete eingeschlossen sind Nebenkosten wie Strom und Wasser, Heizung und Internet. Fitnessstudio und „Learning Lounge“ – ein Raum zum Lernen – stehen den Bewohnern kostenlos zur Verfügung. Ein Rundumsorglospaket, damit Studenten leichter in ihr eigenständiges Leben starten können – so die Idee der Betreiber. Werktags von 10 bis 18 Uhr steht ein Objektmanager, ein sogenannter „Scout“, den Bewohnern bei Fragen oder Problemen zur Seite. Die Gemeinschaftsflächen sind videoüberwacht, ins Gebäude gelangt man nur mit einem Transponder. Aber der Service hat auch seinen Preis: Die günstigsten Zimmer werden im Garten- und Erdgeschoss ab 449 Euro angeboten, für die Zimmer im 4. Stock zahlen die Bewohner 599 Euro pro Monat. Zusätzlich müssen die Mieter beim Einzug eine einmalige Gebühr von 400 Euro entrichten. „Wir sind aktuell so gut wie voll besetzt“, sagt Geringer. Die Bewohner sind überwiegend Studieneinsteiger, weniger ältere Semester. „Ein Apartment in Bonn mieten in erster Linie Studienanfänger oder Studenten mit negativen WG-Erfahrungen“, so Geringer. Etwa 35 Prozent seien ausländische Studierende.

Wohnheime immer ausgelastet

„Die Anbindung ist gut“, erzählt eine Mieterin, die seit einem Monat in dem Apartmenthaus wohnt. Nur ein paar Gehminuten entfernt liegt die Haltestelle „Rochusstraße/Bundesministerien“. Innerhalb einer Viertelstunde sei man am Hauptbahnhof. „Die Waschminenbenutzung ist sehr teuer mit vier Euro pro Waschgang“, sagt sie. Auch die Miete sei nicht gerade günstig. Dennoch habe die Bleibe Vorzüge: „Ich höre immer laut Musik, aber die Nachbarzimmer bekommen nichts mit.“ Nur ein Zimmertausch nicht so leicht möglich. „Sonst ist alles gut“, sagt die Bewohnerin.

Wer einziehen möchte, muss sich bei „Staytoo“ per Onlineformular um einen Platz bewerben. Beim Vertragsabschluss müssen eine Immatrikulationsbescheinigung und die Schuldbeitrittserklärung eines Bürgen vorgelegt werden.

Ein ähnliches Konzept verfolgt beispielsweise auch der Anbieter „studentshome“ in Endenich: Studenten buchen mit dem Zimmer ebenfalls ein Komplettpaket aus eingerichtetem Zimmer und Internetzugang. Die Preise beginnen hier bei 430 Euro. Zum Vergleich: Im Studentenwohnheim „Quartierwest“ zahlen Studenten für ebenfalls möblierte Apartments mit Pantryküche, Schreibtisch und Bett zwischen 284 und 354 Euro – Kosten für Heizung, Wasser, Strom, Aufzug, Reinigung der Gemeinschaftsräume und Internetzugang inbegriffen. Wohnraum für Studenten in Bonn ist allgemein knapp. „Erfahrungsgemäß sind also alle Wohnheime – privat oder von den Studierendenwerken Bonn – sehr ausgelastet und Bedarf ist rund um das Jahr immer da“, sagt Nora Meides vom Asta der Uni Bonn. Studenten würden auch einen höheren Preis zahlen, um überhaupt eine Unterkunft zu finden.

Seit anderthalb Jahren ist das Staytoo nun in Betrieb, dafür wurde ein Bestandsgebäude in ein Wohnheim umgewandelt. „Die Geschosse wurden Stück für Stück bezogen, das war eine Herausforderung“, erinnert sich Kleinjung. Ausschlaggebend für die Wahl waren die gute Anbindung und die Versorgungsmöglichkeiten. Im Herbst sind die Außenanlagen fertiggestellt worden, Fahrradstellplätze sollen im Frühjahr folgen, auch in den Innenräumen sollen noch Kleinigkeiten verändert werden. Die Rasenfläche hinter dem Haus können die Bewohner nun mitnutzen. „Das Wichtigste ist, dass das Internet funktioniert“, sagt Kleinjung. Um eine Anmeldung müssen sich die Mieter des „Staytoo“ allerdings doch alleine kümmern: die GEZ-Gebühren.