Kinderhilfsinitiative

"Afghanistan ist mitten in unserem Leben"

Reinhard Erös im Gespräch mit Aia Adbelrahman und anderen Schülerinnen und Schülern der Oberstufe.

Reinhard Erös im Gespräch mit Aia Adbelrahman und anderen Schülerinnen und Schülern der Oberstufe.

DUISDORF. "Was hättet ihr jetzt?", fragt Reinhard Erös in die Runde und wartet gespannt ab. "Mathe." "Französisch", rufen einige Schüler in den großen Saal. "Macht nichts. Ihr verpasst nichts, hier lernt ihr heute mehr fürs Leben." Der Mediziner, der an diesem Tag gemeinsam mit seiner Frau Annette ins Rheinland gekommen ist, weiß ganz genau, wie er die Aufmerksamkeit der Jugendlichen gewinnt.

Kaum hat er das Mikrofon in der Hand, wird es ruhig und die Oberstufenschüler des Helmholtz-Gymnasiums hören ihm gebannt zu. "Unter Taliban, Warlords und Drogenbaronen. Eine deutsche Familie kämpft für die Kinder in Afghanistan" lautet der Titel seines Vortrages, den er im Rahmen des Berufsmoduls hält.

Dabei sollen die angehenden Abiturienten nicht nur einen Überblick über die aktuelle politische Lage sowie die humanitäre Situation der Menschen im Land am Hindukusch erhalten. Im Rahmen des Fördermoduls "Abi, Studium, Beruf" bereitet die Schule ihre zukünftigen Absolventen vielmehr gezielt auf den Übergang in Studium oder Ausbildung vor, um so Fehlentscheidungen zu vermeiden.

"Dazu gehört auch, dass wir die Schüler für Lebensentwürfe sensibilisieren, die anders sind als das, was man sich üblicherweise nach dem Abitur vorstellt", erklärt Barbara Kliesch, stellvertretende Schulleiterin und Berufskoordinatorin am Helmholtz-Gymnasium. Denn durch Vorträge und Diskussionsrunden im Rahmen der Reihe "Politik, Gesellschaft, Wissenschaft" soll auch ein anderer Blickwinkel auf die verschiedenen Aspekte bei der Berufswahl ermöglicht werden.

Aber nicht nur die Oberstufenschüler sollten für die Sorgen und Nöte der Menschen in Afghanistan sensibilisiert werden. Bevor Reinhard Erös einen tiefen Einblick in das Leben der Menschen gab, berichtete seine Frau Annette den Kindern der Unter- und Mittelstufe von den Lebensbedingungen vor Ort.

"Was geht mich Afghanistan an? Diesen Satz höre ich hin und wieder bei meinen Vorträgen", so der mehrfach ausgezeichnete Mediziner. "Afghanistan ist mitten in unserem Leben. Durch das Engagement der Bundeswehr wurde der Krieg und seine schrecklichen Auswirkungen auch nach Deutschland gebracht." Und, so fügte er an: "Viele Flüchtlinge, die derzeit über das Mittelmeer fliehen und ihr Leben aufs Spiel setzen, sind Jugendliche aus Afghanistan. Nicht älter als ihr."