Feuer in Medinghoven

24 Verletzte bei Brand am Europaring

19.11.2013 BONN. Zu einem Großeinsatz im Europaring sind am Dienstagabend 140 Kräfte der Bonner Feuerwehr und des Rettungsdienstes ausgerückt: Bei einem Feuer in einem sechsgeschossigen Mehrfamilienhaus sind 24 Menschen, darunter mindestens sechs Kinder, verletzt worden.

Es war nicht nur ein Schock für die Bewohner, sondern auch für Polizei und Rettungskräfte: "Wir dachten zuerst, dass das ganze Haus in Flammen steht", sagte ein Polizist am Dienstagabend am Europaring 49 in Medinghoven. Dort spielten sich von 17.45 Uhr an teils dramatische Szenen ab, als zahlreiche verängstigte Bewohner auf das Dach und die Balkone auf der Rückseite des sechsgeschossigen Mehrfamilienhauses geflüchtet waren. Es bestand die Gefahr, dass sie von dort herunterspringen würden, schilderte Einsatzleiter Jürgen Eck von der Bonner Feuerwehr.

Viereinhalb Stunden später meldete das Presseamt der Stadt Bonn, dass bei dem Brand des Hochhauses 24 Personen, darunter sechs Kinder und ein Feuerwehrmann, verletzt worden seien. Laut Marc Hoffmann vom Presseamt hatte im Keller Unrat gebrannt, kurz darauf war das gesamte Treppenhaus verqualmt. Wie es zu dem Feuer kommen konnte, ist laut Polizei noch unklar. Erst am 9. November hatte es im Keller des gleichen Hauses gebrannt.

Um den Brand bekämpfen, die Bewohner retten und die zahlreichen Verletzten versorgen zu können, waren 140 Kräfte der Bonner Feuerwehr und des Rettungsdienstes ausgerückt, teils kamen auch Rettungswagen aus dem Rhein-Sieg-Kreis zum Europaring. Die Feuerwehrleute kümmerten sich zunächst um die verängstigten Bewohner auf dem Dach und den Balkonen und beruhigten sie, so dass die Retter mit der Evakuierung des Gebäudes beginnen konnten. Einen Teil der 61 gemeldeten Bewohner retteten die Wehrleute über Leitern.

Andere Bewohner konnten durch das Treppenhaus ins Freie eskortiert werden, wobei die Opfer zuvor Hauben über den Kopf gezogen bekamen, die verhinderten, dass sie die gefährlichen Rauchgase einatmeten. In einem eigens bereitgestellten Bus der Stadtwerke konnten die sichtlich geschockten Geretteten und Evakuierten sich ausruhen. Da das Haus unbewohnbar ist, hatte die Stadt Notunterkünfte organisiert. Da die Stadtwerke das Gas abstellen mussten, funktionierten in dem betroffenen Haus und fünf weiteren Nachbargebäuden die Heizungen nicht. Die Bewohner konnten auf eigenen Wunsch die Nacht in einer Turnhalle des Hardtberg-Gymnasiums verbringen.

[kein Linktext vorhanden]Noch während die Lösch- und Rettungsarbeiten im vollen Gange waren, trafen bereits die ersten Beamte der Bonner Kripo ein, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Dass die Ermittler nach dem verheerenden Brand besonders intensiv ermitteln dürften, hat triftige Gründe. Gleich in Serie hatte es in den vergangenen Monaten in Hochhäusern am Europaring gebrannt. In der Vergangenheit betroffen waren vor allem die Gebäude mit den Hausnummern 34 und 36. Zuletzt hatte es am 20. Oktober wie schon so oft zuvor in einem Holzverschlag des Kellers eines gebrannt, damals im Keller der Hausnummer 36.

Bereits am 9. November musste die Feuerwehr wieder zum Europaring ausrücken. Da jedoch zu einem Brand in ebenjenem Hochhaus mit der Hausnummer 49. Laut Feuerwehr hatte sich seinerzeit Rauch durch einen Brand im Keller über Lüftungsschächte in eine Wohnung im dritten Obergeschoss ausgebreitet. Auch damals gab es drei Verletzte, wie die Feuerwehr weiter berichtete.

In Anbetracht der Ereignisse übte sich ein Anwohner in Fatalismus: "Mich wundert es, dass diese Ereignisse überhaupt noch jemanden interessieren. Hier brennt es doch andauernd." (Axel Vogel)