Kunst- und Kreativmarkt im Nachbarschaftszentrum

100 Porträts in Briefmarkengröße

BRÜSER BERG. Marcus Barth hat seine Visitenkarten auf dem Tisch vor seinen Bildern bereitgelegt. Der 23 Jahre alte Kunststudent der Alanus-Hochschule hat sie mit der Hand geschrieben und die Zettel ausgeschnitten. Es musste schnell gehen.

Den Kunst- und Kreativmarkt am Wochenende im Nachbarschaftszentrum auf dem Brüser Berg besuchte er spontan. "Ich dachte mir, dass meine Werke sonst unter'm Bett versauern. Da ist es viel besser, sie auszustellen", fand Barth.

Sieben seiner Bilder hängen an den Aufstellwänden, er hat sich auf Porträts spezialisiert. Besondere Aufmerksamkeit bekommt er für die hundert abstrakten Selbstbilder, die er hundert Tage lang jeden Morgen gemalt hat. "Ich wollte etwas auf Briefmarken zeichnen, so bin ich auf die Idee gekommen", berichtet Barth. Damit verfolgte er auch einen Zweck: Er wollte wissen, wie seine Stimmung über längere Zeit ist. "Mürrisch, was sicherlich auch an der Tageszeit lag", lautet sein Fazit.

Dieses Bild kann Barth nicht verkaufen, dafür aber zwei andere. Und ein drittes wird reserviert, aber an den beiden Ausstellungstagen nicht abgeholt. "Ist nicht schlimm, ich bin hier ja nicht, um Geld zu verdienen", sagt Barth. Ihm ist der soziale Charakter der Veranstaltung viel wichtiger. Der junge Mann ist unter den vielen älteren Ausstellern ein echter Exot. Die Gespräche, die er mit anderen führt, gefallen ihm gut. "Das ist ein richtiger Kulturen-Clash, wenn so verschiedene Generationen aufeinandertreffen."

Er ist einer von fünf Gastkünstlern und 16 Mitgliedern, die die Initiative Stadtteilkultur Brüser Berg eingeladen hat. Zu den Gästen zählt auch die 15-jährige Ira Schröder vom Carl-von-Ossietzky-Gymnasium, die Schwarz-Weiß-Fotografien zeigt. Karl-Alexander Petersen betätigt sich auf einem ganz anderen Feld. Der Meister drechselt aus aus Holzstücken Figuren. "Es ist die einzige Methode, wo sich der Werkstoff bewegt und ich ruhig halten muss", erzählt er. Das fordert ihn schon seit mehr als 20 Jahren. Nie schafft er eine hundertprozentig runde Form. Astlöcher, Maserungen und verschieden harte Stellen machen das unmöglich. Hinzu kommt, dass sich das frische Holz, nachdem es gedrechselt wurde beim Trocknen verzieht. "Holz lebt, das macht es aber auch spannend", sagt Gerald Möller, der Stammesältester bei den Pfadfindern vom Stamm Martin Bucer und Lehrling von Petersen ist. Er durfte den Künstler begleiten, als er das Brüsseler Atomium aus Holz nachbaute. "Wenn ich die Nacht durchmache, kriege ich das an einem Tag hin", so Petersen. Viel aufwendiger sei die Gedankenarbeit und Planung, die vorher geleistet werden müsse. Zum Beispiel, wo welche Bohrung mit welchem Winkel hinkomme.

Für Organisatorin Anne Hensgen ist es der erste Kunst- und Kreativmarkt, seit Melitta Nonn im vergangenen Jahr aus Altersgründen die Vorbereitungen abgegeben hat. "Ich bin zufrieden", sagt Hensgen. Mehr als 200 Besucher sollen es an beiden Tagen gewesen sein.