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„An keinem anderen Ort der Welt“

Apothekerin Uta Freieck in dem robotergesteuerten Medikamentenlager der Engel-Apotheke.

Apothekerin Uta Freieck in dem robotergesteuerten Medikamentenlager der Engel-Apotheke.

Duisdorf.

„Ich bin aber der unmaßgeblichen Meinung, dass auch in Duisdorf eine Apotheke nicht würde existieren können“, ist ein Zitat, das 1894 von dem damals für Duisdorf zuständigen Bürgermeister von Poppelsdorf überliefert ist. Entgegen der bürgermeisterlichen Meinung wurde jedoch nur zwei Jahre später die Engel-Apotheke in Duisdorf eröffnet.

Vermutlich erhielt sie ihren Namen aufgrund der Lage am Engelsgässchen. Für die Menschen Duisdorfs und der umliegenden Ortschaften (Alfter, Gielsdorf, Impekoven, Lengsdorf, Lessenich, Oedekoven, Röttgen, Witterschlick) war sie eine dringende Notwendigkeit, die gegen die nachdrücklichen Interessen der damals etwa eine Stunde entfernt gelegenen nächsten Apotheke in Bonn durchgesetzt wurde.

Der erste Apotheker, dem vom Regierungspräsidenten in Köln die Konzession für Arzneiherstellung und -verkauf übertragen wurde, lehnte ab. Vielleicht waren die mangelnde Lebensqualität auf dem Land mit fehlenden Straßenbefestigungen, offener Kanalisation, außerhäuslichen Latrinen und innerörtlicher Viehhaltung ein Grund für seinen Verzicht. Immerhin gab es zu dieser Zeit etwa 1800 potenzielle Kunden (Einwohner) und einen Arzt in Duisdorf.

Karl (Charles) Michel aus Brühl wurde dann der erste Apotheker Duisdorfs. Etwa 50 Jahre später erhielt die Engel-Apotheke den offiziellen Titel „Landapotheke“, mit dem die Auflage einer sonntäglichen Dienstbereitschaft verbunden war. 1953 übernahm der Großvater der heutigen Apothekerin Uta Freieck die Engel-Apotheke, die inzwischen nach Stationen in der Kaplanei (Kirchplatz 4) und der Rochusstraße 16 ihren jetzigen Platz an Hausnummer 192 der Rochusstraße einnahm.

Und die Geschäfte liefen. Mit Josef Wilkes, dem einzigen Arzt am Ort war Bungart befreundet. Knapp 35 Jahre führte er die Geschäfte der Engel-Apotheke. Er war es auch, der sich vom barocken Interieur der Gründerjahre trennte und dem zunehmenden Konkurrenzdruck folgend (1982 gab es bereits acht Apotheken in Duisdorf), die Engel-Apotheke modernisierte.

1987, nach dem Tod von Heinrich Bungart, übernahm Schwiegersohn Hanspeter Mauel die Arzneiausgabe. Als „echte Duisdorfer Jung“ war er vertraut mit den Geschichten, Nöten und Sorgen der Duisdorfer. Als Volkswirt und examinierter Apotheker verpasste er der Apotheke ein zeitgemäßes Marketing: Er baute um, führte Computer ein und erweiterte das Sortiment. Seine Eigenschaften und Handlungsweisen, könnten auch die seiner Tochter Uta beschreiben, der er 2004 gemeinsam mit Harald Freieck seine Apotheke übergab. Auch für Uta Freieck, die „an keinem anderen Ort der Welt“ ihre Apotheke führen möchte, ist der Kontakt zu den Menschen, mit denen sie aufgewachsen ist, ein hoher Wert in der alltäglichen Arbeit. Mit ihrem (Ex-)Mann hat sie die Engel-Apotheke in einen Verbund von vier Apotheken geführt, die sich auf diese Weise für die Zukunft gesichert haben.

„Doch die Bürokratie frisst uns auf“, sagt Freieck. Seit etwa zehn Jahren schränkten die Rabattverträge der Krankenversicherungen ihren Handlungsspielraum extrem ein. „Mein Vater würde sich im Grabe umdrehen, wenn er sähe, wie jetzt reglementiert wird“, ist sich die Apothekerin in dritter Generation sicher.

Sie sei in ihren Beruf hineingeboren worden. Darum mache ihr die Arbeit, unabhängig von der Wirtschaftlichkeit Spaß, weil sie mit Menschen zu tun habe. Und doch beklagt Freieck, dass die oftmals despektierlich als „akademische Schubladenzieher“ bezeichneten Pharmazeuten immer mehr zum Arztersatz würden. Bevor man drei Monate auf einen Termin beim Facharzt warte, ließe man sich immer häufiger in der Apotheke beraten.

„Oft sind wir auch ein Auffangbecken. Wir begleiten Menschen, denen es nicht gut geht.“ Das sei weit davon entfernt, nur die Packungen über die Theke zu reichen. „Da ist auch hie und da mal ein bisschen Seelsorge dabei“, meint Freieck und gibt damit dem Engel im Namen ihrer Apotheke einen neuen Sinn.