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HKW-Ausbau in Bonn
80-Millionen-Projekt wird teurer - erhält aber unerwartet hohe Fördergelder
Von Rolf Kleinfeld
BONN. Das hätte vor vier Jahren, als die Vergrößerung des Heizkraftwerks-Nord eingetütet wurde, niemand zu hoffen gewagt: Das Projekt an der Karlstraße, wo seit 2010 unter laufendem Betrieb gebaut wird, entwickelt sich zum Glücksfall. Denn es wird nicht nur aus Sicht des Klimaschutzes, sondern auch finanziell ein Gewinn.
Gut gelaunt vor dem neuen Abhitze-Dampfkessel: (v.l.) Peter Weckenbrock, Rolf Driller und Andreas Goldschmidt. Foto: Frommann
Doch die schlechte Nachricht zuerst: Die Gesamtkosten steigen von 80 auf 86 Millionen Euro, verursacht durch Umplanungen, Mehraufwand, einige Unbekannte in der Rechnung und Altlasten. "Trotzdem ist das immer noch eine Punktlandung", sagt SWB-Geschäftsführer Peter Weckenbrock.
"Wir haben hier im Boden zum Beispiel Teergruben gefunden, so groß wie Swimming Pools." Und die 80 Millionen seien damals nur eine erste Schätzung gewesen.
Die gute Nachricht aber überwiegt bei weitem: Denn durch die von der Bundesregierung im Sommer beschlossene neue Förderung der Anlagen mit Kraft-Wärme-Kopplung (KWK, also das gekoppelte Erzeugen von Strom und Nutzwärme) werden die Stadtwerke über mehrere Jahre hinweg deutlich mehr Geld einstreichen.
In der SWB-Zentrale rechnet man mit 30 Millionen Euro, spekuliert hatte man lediglich auf eine Förderung von 12,5 Millionen Euro. "Es wird immer deutlicher, dass die Entscheidung für den Kraftwerks-Neubau goldrichtig war, heute sogar noch mehr als damals", sagt Weckenbrock. Bonn erhöhe damit die Quote des selbst produzierten Stroms auf über 50 Prozent und mache sich unabhängiger von den Preisen an der Strombörse.
Dass die Rechnung aufgeht, hat auch mit einer Entscheidung im Vorfeld zu tun. Statt einem Generalunternehmer für 126 Millionen Euro den Zuschlag zu geben, schrieben die SWB 16 Einzellose aus, was die Neubaukosten entscheidend drückte.
Was aber tun mit den unerwarteten Förder-Millionen? "Das geht erst mal in die große Gewinn- und Verlustrechnung ein", sagt Weckenbrock und erinnert daran, dass derzeit die Einnahmen aus Strom sinken. Die Endkunden haben davon nichts, im Gegenteil. Für sie werden durch steigende Umlagen die Strompreise steigen.
Auch bei den SWB. Weckenbrock kündigte eine Preiserhöhung zum 1. Januar an, unter anderem wegen der Erhöhung der Ökostrom-Umlage, die durchgereicht werden müsse. Der Gaspreis dagegen bleibe über den Winter hinweg stabil.
Artikel vom 10.10.2012
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