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Uniklinik Bonn
Herzinfarktpatient musste für einen Notfall ausweichen
Von Martin Ochmann
Venusberg. Vor wenigen Tagen hatte Amir Barzinmehr einen Herzinfarkt. Der 63-Jährige wurde in die Kardiologie der Uni-Klinik gebracht, noch am Abend bekam er einen Katheder gesetzt. Tochter Hilda Barzinmehr ist froh, dass ihr Vater in guten Händen war.
Amir Barzinmehr auf dem Flur der Uniklinik: Dort musste der Infarktpatient eine Nacht verbringen, weil kein Zimmer frei war. Foto: GA
"Ich möchte ausdrücklich erwähnen, dass mein Vater ärztlich hervorragend versorgt worden ist." Er sei sofort aufgenommen und behandelt worden. Und doch sind Hilda Barzinmehr und die Verwandtschaft erschrocken. Denn schon zwei Tage nachdem er einen Katheder bekommen hatte, musste Amir Barzinmehr eine Nacht auf dem Flur verbringen - im OP-Kittel und an Schläuchen hängend.
"Uns wurde gesagt, dass die Stationsärztin das so entschieden habe, weil ein Notfall reingekommen ist", sagt Hilda Barzinmehr. Die Angehörigen waren erschüttert. "Mein Vater bekam Infusionen und brauchte ein Sauerstoffgerät", so Barzinmehr. Ihnen sei gesagt worden, der Vater brauche Ruhe. "Stattdessen kam er auf den lärmenden Flur und musste eine Nacht im Neonlicht verbringen", sagt die Tochter.
Erst Donnerstagmittag sei er auf sein Zimmer gebracht worden. Gut zwei Stunden lang hätte sie mit der Verwandtschaft auf die diensthabende Ärztin gewartet, um eine Erklärung zu bekommen, sagt Barzinmehr. Ohne Ergebnis. "Wir können vieles nachvollziehen und haben Verständnis für den Stress der Ärzte oder Personalmangel. Aber das ist doch kein Zustand", meint Barzinmehr.
Professor Wolfgang Holzgreve, ärztlicher Direktor der Uniklinik, hält die Entscheidung für gut vertretbar. "Bei Herzinfarkten ist entscheidend, dass so schnell wie möglich mit der Therapie begonnen und die Verengung geöffnet wird, das ist auch geschehen." Die vorübergehende Unterbringung auf dem Flur sei "verantwortbar". Im Flur sei die Überwachung der Patienten genauso gesichert wie auf einem Zimmer. "Es ist nicht schön, wir versuchen es zu vermeiden, aber es kann schon mal vorkommen", so Holzgreve. Die Uniklinik sei sehr gefragt, vertrete aber die Philosophie, dass sie niemanden ablehnt. "Wir wünschen uns, dass wir mehr Betten hätten", sagt Holzgreve.
Die Kritik von Familie Barzinmehr, dass es andere Patienten gegeben habe, die gesünder und deswegen geeigneter gewesen seien, auf dem Flur untergebracht zu werden, weist Holzgreve zurück. "Ich lege die Hand dafür ins Feuer, dass die Mitarbeiter das sehr genau im Blick haben."
Ärzte anderer Kliniken in Bonn äußern sich nur sehr zurückhaltend, es sei schwer, den Fall aus der Ferne zu beurteilen. Vereinzelt komme so etwas schon mal vor, "aber der Flur ist eine Notlösung", sagte ein Arzt, der namentlich nicht genannt werden wollte.
Klemens Kemper, Geschäftsführer der evangelischen Kliniken, schließt das kategorisch aus: "So etwas gibt es bei uns nicht." Die Versorgung des Patienten sei auf dem Flur nicht ausreichend gewährleistet, dort gebe es unter anderem keinen Anschluss für die Sauerstoffversorgung. Zudem ließen die sehr strengen Brandschutzvorschriften dies nicht zu. Auch Mümtaz Köksal, kaufmännischer Direktor der Janker-Klinik, hält die Unterbringung im Flur in seinem Haus für "nicht denkbar".
Artikel vom 29.01.2013
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