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Neues Waldlabor der Stadt Bonn
Das Naturerlebnis auf Rädern
Von Martin Ochmann
VENUSBERG. Umweltbildung und Waldpädagogik sind beliebte Angebote. Leider aber auch Angebote, an denen teilzunehmen für Menschen mit Behinderungen nicht ganz leicht ist. Diese Erfahrung machte Beatrix Losem vom Verband Deutscher Naturparke, selbst Mutter eines behinderten Sohnes.
Premiere am Haus der Natur: Leon, Enrico und Aaron (von links) nehmen das Material des Waldlabors genau unter die Lupe. Foto: Martin Ochmann
Bei einer Exkursion der siebten Klassen der Christophorusschule stellte sie fest, wie schwierig die Teilnahme für Rollstuhlfahrer ist. "Man müsste den Wald zu den Kindern bringen", dachte sich Losem.
Eine Idee, die jetzt umgesetzt wurde. Gestern stellte die Stadt Bonn das integrative Waldlabor des Hauses der Natur vor. Das Labor sieht aus wie eine Mischung aus Rollcontainer und Servierwagen, lindgrün bemalt, mit aufklappbaren Seitenflächen und ausrollbaren Regalen für diverses Zubehör. In den Schubladen sind unter anderem Becherglaslupen, Augenbinden oder auch Seile, Material, das die Umweltpädagogin Astrid Mittelstaedt wohlüberlegt zusammengestellt hat.
"Bei der Umweltpädagogik geht es oft um die Sinne, um das Fühlen oder Schmecken", sagt Mittelstaedt. Das Seil könne man unter anderem um Bäume spannen und sich daran entlang mit verbundenen Augen durch den Wald tasten. Das kann auch für Nicht-Behinderte eine lehrreiche Erfahrung sein. "Man spürt, wie es sich anfühlt, blind zu sein, wie die Sonne auf einen fällt und man fast vor dem Schatten erschreckt", so Mittelstaedt.
Anregungen bekam die Umweltpädagogin bei der Zusammenstellung des Materials auch von der Behindertengemeinschaft Bonn. Deren Ideen schlagen sich unter anderem in der Gestaltung der Naturpark-Entdecker-Westen nieder. Hatten die ersten Modelle noch Druckknöpfe, sind die neuen nun mit leicht zu öffnenden Klettverschlusstaschen ausgestattet. Auch die Müllgreifer sind so gebaut, dass Rollstuhlfahrer damit arbeiten können.
An der Entwicklung des Waldlabors war außerdem der Naturpark Rheinland beteiligt, finanziert wurde die Idee vom Bonner Spendenparlament. "Die Zusammenarbeit zwischen so vielen Akteuren ist auch toll an diesem Projekt", sagte Stadtförster Sebastian Korintenberg.
Auch beim Bau des integrativen Waldlabors sei der Inklusionsgedanke wichtig gewesen, so der Stadtförster. Gebaut wurde das Mobil von Jugendlichen, die bei einem Projekt in einem Hamburger Problemviertel mitwirken. Allein das macht es schon einzigartig. Korintenberg zumindest weiß von keinem vergleichbaren Angebot.
Ausleih-Konditionen
Das integrative Waldmobil ist im Haus der Natur stationiert und kann von jedem ausgeliehen werden. Interessierte sollten laut Stadtförster Sebastian Korintenberg vorher kurz unterrichtet und über die pädagogischen Möglichkeiten informiert werden. Es ist aber auch möglich, das Waldmobil mit entsprechend geschulten Mitarbeitern zu mieten.
Für den Verleih soll ein Unkostenbeitrag erhoben werden, wie hoch der sein soll, steht nach Angaben der Stadt Bonn derzeit noch nicht fest. Kontakt: info@hausdernatur-bonn.org oder Telefon 0228/285107.
Artikel vom 13.12.2012
Stadtbezirk Bonn
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