Schließungen in Bonn

Weitere Wege zu Postfilialen

BONN.  Wer ein Paket oder ein Einschreiben abholen möchte, muss nach der Schließung von Filialen weitere Wege antreten. Auch Almut Bellinghausen tritt in letzter Zeit häufiger mal in die Pedalen, wenn sie ihre Post haben möchte.
Kunden in der Post am Bonner Münsterplatz: Damit man nicht lange in der Schlange steht, sollte man Stoßzeiten meiden und auch auf Filialen in den Randbezirken ausweichen.
								Foto: Barbara Frommann
Kunden in der Post am Bonner Münsterplatz: Damit man nicht lange in der Schlange steht, sollte man Stoßzeiten meiden und auch auf Filialen in den Randbezirken ausweichen. Foto: Barbara Frommann

Genauer gesagt handelt es sich bei den Sendungen in den vergangenen zwei Monaten um Einschreiben und Briefsendungen. Sendungen, die Bellinghausen eben persönlich annehmen muss.

Ist sie nicht zu Hause, wenn der Briefträger oder der Paketlieferdienst DHL klingelt, muss Bellinghausen nach Tannenbusch in eine Filiale der Deutschen Post fahren. Bis vor kurzem musste sie nur bis in die Dorotheenstraße laufen. Diese Postfiliale wurde geschlossen, übrig blieb eine Packstation.

"Bisher musste ich drei Mal nach Tannenbusch fahren, um ein Einschreiben und zwei Briefsendungen abzuholen", berichtet Bellinghausen. Von ihrer Haustür am Kaiser-Karl-Ring bis zum Tannenbusch-Center an der Oppelner Straße 128 sind es etwa sieben Kilometer. So ganz kann Bellinghausen die Strecke, trotz des geschlossenen Ladenlokals in der Dorotheenstraße, nicht nachvollziehen, schließlich gebe es Am Johanneskreuz einen Shop, der auch für Post zuständig sei.

"Bis dahin sind es nur etwa 800 Meter", ist sich Bellinghausen sicher. "Außerdem ist das Tannenbusch-Center wirklich nicht gerade schön. Ich habe da schon ein ungutes Gefühl, wenn ich da hin muss."

Kurzerhand rief sie die Service-Hotline an, die auf der Benachrichtigungskarte der Deutschen Post stand. Die Telefonnummer, unter der sich die Kunden melden können, wenn sie Fragen haben, ist eine kostenpflichtige Hotline. Bellinghausen wollte wissen, warum ihre Post nicht in einem Shop, der näher ist, zurückgelegt wird.

"Ich wurde erst mehrfach weiter verbunden, bis mir überhaupt jemand eine Antwort gab", erinnert sie sich. Die fiel relativ knapp aus: Laut Angaben von Bellinghausen erklärte ihr ein Mitarbeiter der Deutschen Post, dass schlichtweg die Lagerkapazitäten in den umliegenden Postshops erreicht sei. Auf Anfrage erklärte Pressesprecher Dieter Pietruck die Umstände genauer: "Derzeit ist es so, dass keiner der näher liegenden Partner der Deutschen Post und der DHL eine Ausgabeberechtigung für Briefsendungen, Einschreiben und Pakete hat."

Sicherlich sei Tannenbusch weit, aber derzeit gebe es keine Alternative. "Das tut uns sehr leid, aber wir verhandeln aktuell mit einem Partner in der Nähe des Kaiser-Karl-Rings, der für uns schon Pakete unserer Kunden annimmt, so dass er in Zukunft auch für die Ausgabe von Briefsendungen, Einschreiben und Paketen zuständig ist", erläuterte Pietruck. Ab Januar/Februar sollten die Umstände der Vergangenheit angehören.

Partner der Deutschen Post und der DHL, etwa Kioske, übernehmen immer öfter die Paketannahme und -ausgabe der Postfilialen. "Ich finde solche Möglichkeiten eigentlich ganz gut, aber oftmals ist es nicht so bekannt, wer Pakete annimmt und wer nicht", sagt auch Bellinghausen.

In den Hauptfilialen der Post in Bonn und Bad Godeserg ist zurzeit Hochsaison. "Vor allem in der Vorweihnachtszeit kann es zu längeren Wartezeiten an den Schaltern kommen", weiß Maike Wintjen, Pressesprecherin Deutsche Post. "Wir verstärken in den Spitzenzeiten selbstverständlich das Personal. Es wird aber einfach voller." Kunden sollten nach Möglichkeit entgegen der Stoßzeiten ihre Pakete abgeben.

Pietruck weist zudem auf die Möglichkeiten der Paketboxen und Packstationen hin, die unabhängig von Ladenöffnungszeiten zugänglich seien. "In den Randgebieten besteht auch die Möglichkeit, die Pakete dem Verbundzusteller mitzugeben", sagt der Pressesprecher. "Aktuell gibt es aber keine Hinweise auf lange Wartezeiten an den Schaltern."

Von langen Warteschlangen berichten indes Kunden der Postbank. Erfahrungen, die Iris Laduch-Reichelt von der Konzernkommunikation der Postbank nicht bestätigen kann. "Uns liegen keine Hinweise für Engpässe vor", so Laduch-Reichelt. Der Personalansatz werde "sehr sorgfältig und ausreichend" geplant.

"Natürlich kann es auch zu kurzfristigen Ausfällen wegen Krankheit oder Verspätung kommen, wir sind aber bemüht, dann Ersatz zu stellen." Im Übrigen werde in Absprache mit dem Betriebsrat das Kundenaufkommen betrachtet und gemessen: "Da das in jeden Finanzcenter unterschiedlich sein kann, wird das Personal ganz individuell geplant", so Laduch-Reichelt.

Insgesamt seien rund 6600 Mitarbeiter allein im Service der Finanzcenter beschäftigt. Zusätzliche 1300 stünden ausschließlich für Vertretungsfälle bereit und weitere 450 Mitarbeiter, um die Öffnungszeiten in einzelnen Finanzcentern "zu optimieren".

Trotzdem sei es in Einzelfällen nicht zu vermeiden, dass es auch mal zu Engpässen kommen könne. "Unser Ziel ist es aber 90 Prozent der Kunden in der Schlange innerhalb von fünf Minuten bedient zu haben, und das gelingt uns schon heute sehr gut", meint die Konzernsprecherin. "Auf die Vorweihnachtszeit bereiten wir uns akribisch vor.

Es gibt für die Zeit einen Urlaubsstopp, Teilzeit-Mitarbeiter stocken ihre Stunden auf Vollzeit auf und es werden weitere Aushilfen eingestellt." Auch würden Büromitarbeiter in den Filialen eingesetzt, um etwa im Hintergrund Paket zu sortieren und so die Filialmitarbeitern unterstützen.

"Wer die Möglichkeit hat, sollte die Hauptstoßzeiten umgehen. Vor allem montags, freitags und samstags dauert es an den Schaltern länger. Dienstag, Mittwoch und Donnerstag sind weniger stark frequentiert", rät Laduch-Reichelt. Als besonderen Tipp schlägt sie vor Pakete auch mal in den Randbezirken aufzugeben. Etwa dann, wenn eine Filiale "auf dem Weg" liegt. Einen entsprechenden Filialfinder gibt es auf der Homepage des Konzerns.

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