Gerichtsprozess

Stiche in den Oberkörper töteten den Schwager

BONN.  Ein Familiendrama mit tödlichem Ausgang beschäftigt seit Donnerstag das Bonner Landgericht. Ein 21 Jahre alter Türke muss sich wegen heimtückischen Mordes verantworten, weil er am Nachmittag des 31. Mai vor etlichen Zeugen seinen 25 Jahre alten Schwager auf einem Bahnsteig in Tannenbusch erstochen hatte.
Auftakt im Mordprozess: Ein Beamter nimmt dem 21-jährigen Angeklagten die Handschellen ab. Dessen Anwalt Mutlu Günal (links) beobachtet die Szene im Gerichtssaal.
								Foto: Barbara Frommann
Auftakt im Mordprozess: Ein Beamter nimmt dem 21-jährigen Angeklagten die Handschellen ab. Dessen Anwalt Mutlu Günal (links) beobachtet die Szene im Gerichtssaal. Foto: Barbara Frommann

Der Angeklagte äußerte sich nicht zu der Tat. Sein Verteidiger Mutlu Günal verlas jedoch eine Erklärung, in welcher der Angriff auf den Schwager eingeräumt wurde.

Grund für die Messerattacke sollen Ehestreitigkeiten zwischen einer Schwester des Angeklagten und dem späteren Opfer gewesen sein. In der Ehe sei es immer öfter zu Handgreiflichkeiten. Manchmal sei die Schwester von ihrem Mann "grün und blau geschlagen" worden.

Selbst nach der Trennung und dem Einreichen der Scheidung hatte ihr der 25-Jährige "regelrecht aufgelauert" und sie "belagert". Dem Angeklagten gegenüber habe er einmal gesagt, dass er es nicht mit seiner Ehre vereinbaren könne, dass seine Frau sich von ihm trennen will.

Am Morgen des Tattages habe der Angeklagte erfahren, dass der Schwager wieder einmal zugeschlagen habe. Gegen 16.30 Uhr war es dann zu dem schicksalhaften Aufeinandertreffen an der Stadtbahnhaltestelle Tannenbusch-Mitte gekommen.

Als er den Schwager darauf angesprochen habe, warum er seine Schwester erneut geschlagen habe, soll dieser ihn zurechtgewiesen und beleidigt haben. In diesem Moment habe er "völlig die Fassung und die Kontrolle verloren. Es war, als ob der Teufel in mir hochkam."

Eigentlich habe er den Schwager schlagen wollen, dann jedoch sein Klappmesser gezogen und zugestochen. Er könne sich nur noch an etwa drei Stiche erinnern.

Das Entsetzen stand den Zuschauern ins Gesicht geschrieben, als anschließend im Gerichtssaal Videoaufnahmen der Überwachungskameras auf dem Bahnsteig vorgespielt wurden, auf denen der Ablauf bestens zu erkennen ist.

Acht Mal hatte der 21-Jährige auf den Oberkörper des schnell am Boden liegenden Schwagers eingestochen. Zudem waren drei Stichverletzungen an den zur Abwehr erhobenen Händen festgestellt worden. Nur teilweise erfasst hatten die Kameras den Schluss der Attacke: Zunächst hatte der 21-Jährige das Opfer auf die Gleise geschubst.

Als der 25-Jährige sich hochziehen wollte, soll der Täter ihm so heftig mit dem Fuß ins Gesicht getreten haben, dass das Opfer bewusstlos im Gleisbett liegen geblieben war.

Auch Notrufe von Zeugen wurden im Gerichtssaal abgespielt. Keine Erklärung lieferte der Angeklagte dafür, warum er selbst mit seinem Handy den Notruf gewählt hatte. Zu hören waren unter anderem wilde Flüche und Beschimpfungen. Noch nach der Festnahme hatte die Verbindung noch minutenlang bestanden.

In der Erklärung entschuldigte sich der 21-Jährige bei den Eltern des Getöteten, die für ihn wie Tante und Onkel gewesen seien. Er erwarte keine Vergebung und könne auch sich selbst nicht vergeben. Dass ein Bruder des Opfers ihn umbringen wolle, könne er verstehen.

Er bereue zutiefst, was er getan habe. Der Gedanke, dass er seiner Nichte den Vater genommen habe, quäle ihn unendlich.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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