Café in der Südstadt

Streit "Apple gegen Apfelkind" geht weiter

BONN.  Ein Jahr langt dauert der Kampf Weltkonzern gegen Familienbetrieb mittlerweile, und noch immer ist im Streit Apple versus Apfelkind kein Ende in Sicht. Der Computerkonzern will, dass das Logo des Familiencafés komplett verschwindet
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Apfelkind-Inhaberin Christin Römer gibt nicht auf und kämpft für ihr Logo gegen Apple.
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Apfelkind-Inhaberin Christin Römer gibt nicht auf und kämpft für ihr Logo gegen Apple. Foto: dpa

"Mir wurde seitens des Unternehmens das Gefühl gegeben, dass wir uns auf einen Kompromiss einigen können. Aber jetzt ist alles noch viel schlimmer als vorher", sagt Christin Römer, Besitzerin des Familiencafés Apfelkind an der Argelanderstraße resigniert.

Die Auseinandersetzung mit dem Computerriesen zehrt an ihren Nerven, ihrer Geduld und ihrem Geldbeutel. Aufgeben will die 34-Jährige trotzdem nicht.

Wie berichtet, hat Christin Römer ein Logo entwickelt, das Tassen, Lampenschirme, Taschen und nicht zuletzt die Tür ihres Cafés ziert. Über dem Schriftzug "Apfelkind" ist ein roter Apfel samt integriertem weißen Kinderkopf zu sehen. Da bestehe Verwechslungsgefahr, meint Apple. Deswegen möchte das Unternehmen das Café-Logo nicht mehr sehen.

Christin Römer sieht das anders. Mitte 2011 hatte sie das Logo als Marke in München als Wort-Bild-Marke - Logo und Schriftzug gehören zusammen - angemeldet. Sie möchte das Logo weitervermarkten, unter anderem könnte sie sich Spielzeug, weitere Kinderprodukte oder eine Modelinie vorstellen.

Außerdem würde sie gerne auf Franchising setzen: Sie würde ihr Familiencafé-Konzept gegen Bezahlung auch anderen zur Verfügung stellen. Anfragen gibt es bereits. Aber der weltweit agierende Computerkonzern Apple stellte sich quer. Das Unternehmen legte Widerspruch ein, Römers Anwalt konterte mit einem Widerspruch gegen den Widerspruch.

Trotzdem sah es zwischenzeitlich so aus, als würde sich alles zum Guten wenden. "Der Konzern hat viele E-Mails bekommen und mir mitgeteilt, dass es für ihn einen Imageschaden bedeuten würde, wenn der Streit weiterginge. Es hätte einen Kompromiss geben können", sagte Römer. Das Unternehmen habe angeboten, den Streit beizulegen, indem Römer zustimmt, ihr Logo nur eingeschränkt zu nutzen.

Ein Vorschlag, den Römer zum Teil tragen konnte: Zwar wollte sie nicht darauf eingehen, in der Klasse "Dienstleistungssektor" darauf zu verzichten, das Logo als Werbemittel einzusetzen. Denn Apple hatte vorgeschlagen, dass sie für das Café werben dürfe, für alles andere aber nicht. "Das geht aber nicht auf, wenn ich zum Beispiel Mode oder Spielzeug machen möchte", so Römer.

Doch die anderen Kompromissvorschläge waren für sie in Ordnung: So sollte sie das Logo unter anderem nicht für Hüllen für digitale Geräte, Computer- oder Videospiele nutzen. Darauf wäre sie eingegangen, wenn Apfelkind und Apple gemeinsam ein Kinderprojekt unterstützen würden.

Doch nun kam die Antwort aus der Konzernzentrale in Kalifornien: "Auf den Vorschlag sind sie gar nicht eingegangen." Und von einem Kompromiss wollte auf einmal auch niemand mehr etwas wissen - im Gegenteil: In einer Stellungnahme gibt Apple an, dass man nun Widerspruch gegen das Logo in allen vier Klassen einlegen werde - und zwar komplett, ohne Ausnahmemöglichkeiten.

Christin Römer soll neben der Dienstleistung auch darauf verzichten, Büroartikel wie Aufkleber, Hefte oder andere Schreibwaren mit dem Logo zu versehen. Auch Taschen und sämtliche Spiele sollen ab sofort tabu sein. Wie es weitergeht, entscheidet nun das Markenamt.

Römer will weiterkämpfen. "Ich finde es ungerecht. Warum soll ich so eingeschränkt werden? Es besteht überhaupt keine Verwechslungsgefahr." Außerdem kommt Zuspruch aus der ganzen Welt: "Ich habe mehr als 1000 E-Mails erhalten, die Menschen haben mir ihre Solidarität gezeigt."

Eine Alternative hat sie auch schon in der Schublade: Falls der Streit noch lange dauert und das Apfelkind-Logo dadurch blockiert ist, will sie mit "Kirschenkind" durchstarten. Damit kann es keine Probleme geben: "Das Logo ist als Marke fest eingetragen, die Widerspruchsfrist ist abgelaufen", sagt Römer.

Das Computerunternehmen wollte sich auf Anfrage des General-Anzeigers nicht zu dem Fall äußern.

Noch mehr Informationen gibt es im Internet unter www.apfel-kind.de

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