Bücherverbrennung

Für das Mahnmal fehlt noch viel Geld

BONN.  Erst knapp über 10.000 Euro an Spenden sind bislang bei der Stadt Bonn für das geplante Mahnmal anlässlich der Bücherverbrennung vor 80 Jahren durch die Nazis eingegangen. Mehr als 50.000 Euro sind nötig, um das Mahnmal nach einem Entwurf des Künstlerduos Andreas Knitz aus Ravensburg und Horst Hoheisel aus Kassel verwirklichen zu können.
Lesung in der Lutherkirche: (von links) Berthold Lange, Reinhard Knur, Ulrike Veermann, Eckart Wüster und Gitta Edelmann stellen 'verbrannte Autoren' vor.
							Foto: Barbara Frommann
Lesung in der Lutherkirche: (von links) Berthold Lange, Reinhard Knur, Ulrike Veermann, Eckart Wüster und Gitta Edelmann stellen 'verbrannte Autoren' vor. Foto: Barbara Frommann

Mit verschiedenen Aktionen will jetzt auch die evangelische Kirche das Projekt unterstützen, das zum 80. Gedenktag im Mai nächsten Jahres vor dem Alten Rathaus errichtet werden soll.

Die Lutherkirchengemeinde hatte deshalb am Gedenktag der Pogromnacht am Freitagabend Superintendent Eckart Wüster, Pfarrerin Ulrike Veermann, die Presbyter Bernhard Lange und Gitta Edelmann sowie Küster Reinhard Knur gebeten, Autoren vorzustellen, deren Werke am 10. Mai 1933 öffentlich vor dem Bonner Rathaus verbrannt wurden. Sie lasen Texte unter anderem von Else Lasker-Schüler, Irmgard Keun, Bertha von Suttner, Kurt Tucholsky, Stefan Zweig und Erich Kästner.

 Immerhin mehr als 300 Euro kamen an dem Abend durch Spenden zusammen. Es ist nicht die erste Spende, die die Gemeinde der Stadt jetzt zur Umsetzung des Projekts überweisen wird. Das Presbyterium der Lutherkirche hat bereits einen Euro je Gemeindeglied auf das Spendenkonto eingezahlt, dabei kamen mehr als 3000 Euro zusammen.

Die Initiative für das Mahnmal hatte Wolfgang Deuling ergriffen. Schon vor zwei Jahren hatte der ehemalige Büroleiter des früheren SPD-Bundestagsabgeordneten Hans-Jürgen Wischnewski sich an die Stadt gewandt und um Unterstützung gebeten. Angesichts der klammen Kasse gibt es zwar kein Geld aus städtischen Mitteln, aber das Kulturamt verwaltet die Spendenkasse und hilft bei der Umsetzung der Pläne.

Geplant ist, auf dem ganzen Marktplatz bronzene Lesezeichen mit Titel und Namen der Autoren der von den Nazi verbrannten Büchern in das Pflaster zu verlegen. Dort hatte im Mai 1933 die Bonner Studentenschaft zu einer Aktion mit der Bezeichnung "Kundgebung wider den undeutschen Geist" aufgerufen, um mit Professoren der Bonner Universität Bücher namhafter Dichter und Denker zu verbrennen.

Der Vorschlag der beiden Künstler beinhaltet deshalb auch eine Büchertruhe, die in den Platz eingelassen werden und Bücher aus der Bibliothek der verbrannten Werke aufbewahren soll. Sie soll immer wieder am 10. Mai geöffnet und einige der Bücher an Bonner Schulen verteilt werden.

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