Claudia Welker

Die Salonière aus der Südstadt

Bonn.  Der galante Herr nähert sich den herrschaftlichen Damen, die marmorne, Jasmin berankte Säulen umrahmen, und zeigt auf die wunderschöne italienische Seenlandschaft. Um sie herum die prächtige Blütenpracht eines gelungenen Frühlings.
Hier treffen sich Politiker, Künstler und Wissenschaftler: Claudia Welker in ihrem Salon.
							Foto: Horst Müller
Hier treffen sich Politiker, Künstler und Wissenschaftler: Claudia Welker in ihrem Salon. Foto: Horst Müller

Zypressen strecken sich dem Himmel entgegen. Die barocke Szene auf einem Brokat-Gobelin könnte Claudia Welkers Innenleben nicht treffender beschreiben. Ein wenig entrückt, romantisch, vergangene Zeiten verklärend, eine idealisierte Natur.

"Ja, ich bin romantisch veranlagt", gibt die quirlige Hausherrin zu, die durch ihre Salons einer Gründerzeitvilla an der Königstraße führt und über die erstaunten Blicke ihres Gastes lacht. Bordeauxfarbene und dunkelbraune samtene bodenlange Tischdecken über den Stubentischen, opulente Rosenbouquets in silbernen Vasen, orientalische Brücken auf dem dicken Teppichboden lassen den Gast wie auf Wolken gehen.

Fast deckenhohe Palmen, Draperien an den hohen Fenstern und den Durchgängen zwischen den Räumen, die vielen bequemen Sessel, Sofas und Chaiselonguen sind voller kuscheliger Kissen. Die Räume beleuchtet von unzähligen Kerzen, im Hintergrund erklingt leise Klaviermusik von Chopin.

Nein, es ist keine Zeitreise zu Salonière Marie "Mimi" von Schleinitz, die berühmte Gönnerin Richard Wagners, kein historischer Blick zurück in die Räume der Anna von Helmholtz, die als Gattin des gelehrten Physikers in der Hauptstadt des jungen Deutschen Reiches Ende des 19. Jahrhunderts Wissenschaftler, Künstler, Literaten und Hofleute zusammenbrachte.

Und doch steht Claudia Welker in der Tradition dieser schöngeistigen Zirkel. "Ich liebe Menschen", sagt die zierliche Blondine, "und ich liebe es, Leute zusammenzubringen." Und das tut sie regelmäßig - seit mehr als 30 Jahren. Alle zwei Monate kommen Künstler, Wissenschaftler, Politiker und Medienleute zu ihr ins Haus.

Es gibt Kunst und Kultur, vielleicht einen Vortrag, oft Musik eines jungen Musikers oder einer Opernsängerin. "Eigentlich begann alles, als ich Premierenfeiern organisierte - vor allem für meinen guten Freund Gilles Cochinaire, der Solotänzer an der Bonner Oper zu Zeiten von Jean-Claude Riber war." Sie richtete Benefizveranstaltungen und Ausstellungen auf dem Petersberg, aber auch in der früheren Künstlerkneipe "Zur Kerze" aus.

Doch wirklich legendär sind ihre Jour Fixe, die monatlichen Treffen im Presseclub an der Heinrich-Brüning-Straße, wo sich zu Hauptstadtzeiten Politiker und Journalisten bei Karl Rosenzweig trafen, den alle nur "Karlchen" nannten. Egal ob SPD-Linke wie Norbert Gansel oder Karsten Voigt, der liberale Tausendsassa Jürgen W. Möllemann, Hans-Jürgen Wischnewski ("Ben Wisch") oder auch Hans (Johnny) Klein, (CSU), damals Bundestags-Vizepräsident - ab 1981 traf man sich bei Claudia Welker, damals noch Korndörffer, im Presseclub.

Botschafter, Lobbyisten und hohe Beamte ließen sich diesen Tag nicht entgehen. Das brachte die Bonnerin schließlich sogar dazu, eine Zeit lang gemeinsam mit Wischnewski die Deutsch-Syrische Gesellschaft (DSG) zu führen. "Das ist alles lange her", sagt sie. "Mit der Regierung und den Landesvertretungen ist ein Großteil des gesellschaftlichen Lebens auch aus Bonn verschwunden", sagt sie mit etwas Wehmut in der Stimme.

Dann begannen die Salons in ihrem Haus, zu denen in der Vergangenheit auch Prominente wie der Schlagersänger Chris Roberts und Irene Sheer sowie die Schauspieler Ellen Schwiers, Heide Keller und Elisabeth Volkmann oder Günter Mack kamen. Eckart Witzigmann und Harald Wohlfahrt standen schon bei ihr in der Küche.

Hinter ihr hängen zwei großformatige Porträts von ihr und ihrem Mann, dem Frauenarzt Bernhard Welker, gemalt mit impressionistischem Ausdruck von dem Bonner Künstler Martin Stommel. Mit Welker ist sie seit 20 Jahren verheiratet. Es war eine Traumhochzeit wie aus einem Sissy-Film: Der Künstler Charles Wilp spielte auf dem Klavier, das Ensemble des Kleinen Theaters Bad Godesberg kam nach der Premiere in Kostümen zu einem kleinen Spektakel in die Redoute.

Doch Claudia Welker umgibt sich nicht nur mit Prominenten. Seit mehr als drei Jahren kümmert sie sich um ihre Patentochter, nachdem deren Vater gestorben ist, und betreut eine 86-jährige Dame auf dem Brüser Berg, eine Patientin ihres Mannes, die überfallen und böse verletzt worden war. Warum sie das tut? "Weil wir Menschen sind", sagt sie.

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