Rot-Weiß Lessenich

Schnörzen für den Kunstrasen

Lessenich.  Die Herrenmannschaften von Rot-Weiß Lessenich ziehen mit Kinderlaternen von Haus zu Haus. Das Motto lautet "Schnörzen für den Kunstrasenplatz".
Udo Weber, Daniel Nettekoven, Kai Mörs, Marius Lützler und Oliver Marzi (von links) singen im Soccer Center für den Kunstrasenplatz des FC Rot-Weiß Lessenich. Foto: Roland Kohls

Eine Flasche Kölsch in der einen Hand, Sammelbüchse oder Laterne in der anderen - so stehen die Männer der Herrenmannschaften des FC Rot-Weiß Lessenich gut gelaunt im Halbkreis vor Hans Wetzel. Der groß gewachsene Mann hält einen letzten Appell an seine Truppe. "So Männer, warum sind wir hier? Ich sag es Euch. Am Sonntag sah man es wieder, samstags hatte es geregnet, ein Drittel des Platzes war am Sonntag unbespielbar", ruft Wetzel in die Runde. Für das Können seiner Truppe mag das egal sein, aber es gebe viele ambitionierte Jugendmannschaften.

Und die sollen künftig auf einem Kunstrasenplatz spielen. Weil die Kicker aus Lessenich die Chancen dafür, den ohne Eigeninitiative bald zu bekommen, genauso realistisch einschätzen wie ihr fußballerisches Können, nehmen sie die Sache selbst in die Hand. Am Donnerstagabend hieß es: Schnörzen für den Kunstrasenplatz. "Und das mir keiner mit weniger als 1000 Euro zurückkommt", ruft Wetzel den Männern hinterher.

Mit der Ansage gehen Udo Weber, Oliver Marzi, Daniel Nettekoven, Kai Mörs und Marius Lützler über den Bonner Logsweg. "Lass mal ins Soccer Center gehen, da gibt es Freibier". Gesagt, getan. Zielstrebig geht es an die Theke. "De hillje Zinte Mätes, dat wor ne jode Mann", singt die Truppe, einigermaßen textsicher und gar nicht so schlecht. Die Wirtin lacht über das ganze Gesicht. Aus, Applaus. "Lecker Kölsch?", fragt die Wirtin. "Nur Bares ist Wahres", schallt es zurück. "Wollt ihr trotzdem Kölsch?" Bevor man sich breitschlagen lässt. "Da sind wir ja weit gekommen", raunt einer der Männer. Bares gibt es aber auch noch. Weiter geht es zu einem Mehrfamilienhaus.

Eine Tür im Erdgeschoss öffnet sich. "Sankt Martin, Sankt Martin...". Peng, die Tür knallt wieder zu. Lachend geht es auf die nächste Etage. "Hier wohnt ein reicher Mann...". Davon wusste der Bewohner bislang gar nichts. "Ja, von wegen", ruft er, lässt aber trotzdem einen Schein in die Sammelbüchse fallen. "Viel Erfolg", ruft der Mann den Fußballern hinterher, die schon auf dem Weg zum nächsten Haus sind. Und bei der Liedauswahl wenig Kreativität beweisen. "...dat wor ne jode Ma-ha-han...". Der Bewohner hält die Hand in Gürtelhöhe. "Sind die Jungs normalerweise nicht ungefähr so groß?" "Die singen aber nicht so schön", lautet die Antwort

Nach rund zwei Stunden sind die Kehlen heiser. 1366,90 Euro haben die Fußballer gesammelt, die beste Truppe hatte 301,31 Euro in der Büchse. Und Wetzel ist sehr zufrieden. "Man hat ja schon ein bisschen Bammel, wenn man erwachsene Männer mit Kinderlaternen durch die Gegend ziehen lässt". Aber die Reaktionen seien sehr positiv gewesen. Und mancher sei sogar mit dem Auto hinterhergefahren, um eine Spende in die Sammelbüchse zu werfen.

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