Messdorfer Karnevalsclub: Jecke verkaufen aus finanziellen Gründen Zugwagen | GA-Bonn

Messdorfer Karnevalsclub

Jecke verkaufen aus finanziellen Gründen Zugwagen

LESSENICH/MESSDORF.  Der 1. Messdorfer Karnevalsclub war einmal ein höchst aktiver Verein. Jetzt kriselt es gewaltig. Der Club ist mittlerweile im Ort kaum noch präsent, die Zahl seiner Mitglieder schrumpfte von mehr als 300 auf inzwischen 42 zahlende MKC-Jecke. Vorläufiger Tiefpunkt: Der 1976 gegründete Verein verkaufte seine beiden Karnevalskarossen an die Ehrengarde.

Da schien noch alles in Butter: MKC-Chef Norbert Düxmann im November 2010 bei der Proklamation von Prinz Wolfgang I. Foto: Volker Lannert

Mit dem Geld - der Vorstand hatte einen VB-Preis von insgesamt 750 Euro angesetzt - werde man Löcher stopfen, die wegen Gema-Gebühren aus früheren Zeiten entstanden sind, sagte Vize-Vorsitzender Frank Weber dem GA. "Da wurden Gebühren festgelegt für Veranstaltungen, obwohl wir die in den letzten Jahren schon gar nicht mehr durchgeführt hatten", sagte er dem GA. Deshalb stehe man in Verhandlungen mit den Urheberrechtlern, um die Forderungen abzuwehren oder zu reduzieren.

Dass der Verein in finanziellen Schwierigkeiten ist, bestritt Weber. Allerdings: "Ohne den Verkauf der Wagen wäre es eng geworden", meinte er. Die beiden Wagen aus den 80er Jahren zu verkaufen, sei eine gute Entscheidung gewesen, auch weil sie "wackelig" waren, neue Reifen gebraucht hätten und Unterhalt kosteten. Man habe vereinbart, dass man sie sich aber von der Ehrengarde ausleihen könne, so Weber weiter.

Die Schwierigkeiten des Vereins, in deren Folge der Mitgliederschwund zu beobachten ist, haben ihre Gründe aus MKC-Sicht in dem großen karnevalistischen Angebot im Dorf. Mit den Lessenicher Fründen, den Sternen, den Lessenicher Jecken sowie den "Ruude Wiever" gebe es viele Vereine im Dorf, die alle ihre eigenen Veranstaltungen durchführen.

Das spürt der MKC: In den letzten Jahren fiel deren Bürgersitzung aus, das letzte Prinzenpaar wurde 2010 gestellt, auch für die nächste Session steht keines mehr in den Startlöchern. Und als einzige MKC-Veranstaltung blieb das Biwak am Karnevalssamstag. Bei der jüngsten Jahreshauptversammlung kamen nur elf Mitglieder, weshalb die Neuwahlen auf den Herbst verschoben wurden.

Dem Eindruck, dass der Verein inzwischen "tot" ist, zumal auch die MKC-Homepage seit einem halben Jahr wegen angeblicher Überarbeitung nicht mehr erreichbar ist, widerspricht Weber jedoch. "Wir machen auf jeden Fall weiter", kündigte er an. "Wir werden auch am Lessenicher Zoch teilnehmen, ob als Fußgruppe, auf einem Traktor oder geliehenen Wagen."

Nach Ansicht von Beobachtern ist jedoch der MKC-Absturz wenigstens zum Teil hausgemacht. Er begann, als vor vier Jahren die damaligen MKC-Mäuse sich aus Verärgerung über den Verein auf eigene Füße stellten und als Lessenicher Sterne weiter machten. "Dieser Weggang war der Bruch", bestätigt Weber. Denn in dem Zuge traten auch etliche Eltern aus.

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