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Kalender stellt die unscheinbare Pflanzenwelt heraus
Mauerblumen im Bonner Süden
Von Andreas Dyck
BONN. Sie führen ihr Dasein im Schatten der Aufmerksamkeit. Zimbelkraut, Lerchensporn und Engelsüß sind Vertreter von Pflanzenarten, die sich in Fugen und Mauerrissen Bonns entdecken lassen und die dennoch wenig Beachtung finden. Den Mauerblumen im Bonner Süden hat nun der Biologe und gebürtige Kessenicher Günter Matzke-Hajek einen Kalender gewidmet.
Was wächst denn da? Günter Matzke-Hajek hat sich mit der Kamera in seiner Heimat Kessenich umgeschaut, beispielsweise am alten Kessenicher Friedhof, und daraus einen Kalender erstellt. Foto: Barbara Frommann
Er öffnet den Blick auf eine unscheinbare Nachbarschaft, die erst auf den zweiten Blick zu betören weiß. Auf grob 50 verschiedene Arten schätzt Matzke-Hajek die Vielfalt der Gewächse, die an, in und auf den Mauern in Kessenich und Dottendorf sprießen.
Dazu gehört etwa der Schriftfarn, auch Apothekerfarn genannt, der den Monat Januar des Kalenders schmückt. In Deutschland steht er auf der roten Liste, in Bonn lässt er sich finden. Wie die meisten seiner Artgenossen ist er äußerst hartnäckig und übersteht selbst Frost von minus 20 Grad. Jeden Monat steht eine andere Art im Fokus. Texte und Bilder, die Matzke-Hajek alle vor Ort geschossen hat, informieren darüber, was dort versteckt bis offensichtlich wächst. Dabei vergisst er nicht, immer wieder auch Streiflichter auf die Geschichte seines Heimatorts zu werfen.
"Ich möchte mich für meine eigenen Kindheitserinnerungen revanchieren und dem Ortsteil Kessenich etwas zurückgeben", sagt der Pflanzenkenner zu seiner Idee. Gemeinsam mit dem Apotheker Bernd Voss, der die Apotheke Hausdorffstraße betreibt, hat Matzke-Hajek den Kalender mit einer Auflage von knapp viertausend Exemplaren herausgegeben. Nun wird er in der Apotheke kostenlos verteilt. Sein Bruder Dieter Matzke hatte sich als Grafiker zuvor um die Gestaltung gekümmert.
Es ist der vierte Kalender dieser Art. Doch während in den Jahren zuvor exotische Bäume, Kletterpflanzen und Obstgehölze die Seiten schmückten, werden dieses Mal Pflanzen von sprichwörtlicher Unscheinbarkeit ins Licht gerückt. "In einer Stadt sind Pflanzen und Tiere Nahrung für die Seele", sagt Matzke-Hajek. "Wer seine Aufmerksamkeit dafür schult, steigert damit seine Lebensqualität."
Apotheker Voss zweifelt nicht am Interesse seiner Nachbarschaft an der heimischen Pflanzenwelt: "Ich sehe immer wieder viele Menschen sonntags spazieren gehen, die unsere Kalenderblätter in der Hand halten, um die Pflanzen in ihrer Umgebung zu entdecken ."
Artikel vom 11.12.2012
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