Lesefest in Bonn

Käpt'n Book sticht in See

BONN.  Schwer ist der Koffer. Kein Wunder: 46 Bücher, ein Buch von jedem Autor, der beim Rheinischen Lesefest Käpt'n Book mitmacht, steckt darin. Käpt'n Book, gespielt von dem Bonner Schauspieler Hanno Friedrich, erklärte am Sonntag bei der Eröffnungsfeier in der Bundeskunsthalle, dass er den Koffer nur wegen seiner "Seemannsmuskeln" tragen könne.
Käpt'n Book alias Hanno Friedrich geht an Bord und eröffnet mit den Kindern das zweiwöchige Lesespektakel.
								Foto: Barbara Frommann
Käpt'n Book alias Hanno Friedrich geht an Bord und eröffnet mit den Kindern das zweiwöchige Lesespektakel. Foto: Barbara Frommann

Die Auftaktveranstaltung gab einen Vorgeschmack auf das, was lesefreudige Kinder und Jugendliche in den nächsten zwei Wochen erwartet: jede Menge Geschichten. Allein am Wochenende kamen zum Auftakt 3000 junge Zuhörer und tausend Erwachsene.

Es sind Geschichten wie die von der "Kleinen Dame": Sie lebt in einem Zelt hinter einer Hecke in einem ganz normalen Hinterhof, aber nur Kinder können zu ihr gelangen. "'Die kleine Dame' ist eine sehr abenteuerlustige Person, eine echte Entdeckerin", sagte ihre Autorin Stefanie Tadschinski. Sie liest gern vor Publikum: "Kinder sind total unverstellt. Wenn ein Buch bei ihnen gut ankommt, merke ich das sofort."

Die neunjährige Eva war sowohl bei ihrer Lesung am Sonntag in der Bundeskunsthalle als auch am Samstag im LVR-Landesmuseum. Ihr wurde das Buch von einer Freundin empfohlen und nun ist sie selbst begeistert von der Dame mit den wundersamen Eigenschaften: "Sie kann sich chamäleonisieren, also ihre Farbe ändern. Außerdem spricht sie fließend Rückwärtszisch und nicht nur Vorwärtszisch wie wir."

Märchenfiguren werden in der Reihe "Der magische Buchladen" von Barbara Friedl-Stocks lebendig. Nachts klettern die Figuren aus der Buchklappe heraus. Friedl-Stocks las auch am Samstag auf der Tour mit der MS Rheinland, als 200 neugierige Kinder und zwei Autoren unter dem Kommando von Käpt'n Book an Bord gingen und bis Königswinter und zurück schipperten. "Das Boot war rappelvoll, das Wetter traumhaft, die Atmosphäre super", sagte Friedl-Stocks.

David (10) und Florian (8) hat ihre Lesung gut gefallen. Sie war "witzig", da waren sich beide einig. Doch eigentlich waren sie wegen Paul Maar in die Bundeskunsthalle gekommen, dem Schöpfer des "Sams". Er las aus dem neuen Buch "Sams im Glück", das zurzeit auch im Jungen Theater Bonn aufgeführt wird. Seine Bücher wurden in mehr als 40 Sprachen übersetzt. "Diese Art von Humor scheint auf der ganzen Welt anzukommen", sagte der Schöpfer des Sams schmunzelnd.

Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.kaeptnbook-lesefest.de.

Kurz gefragt
Barbara Friedl-Stocks ist die Autorin der Kinderbuchreihe "Der magische Buchladen". Als Helene Mierscheid macht sie außerdem politisches Kabarett. Mit ihr sprach Meike Schmidt.

Hilft Ihnen Ihre Erfahrung als Kabarettistin bei Lesungen?
Barbara Friedl-Stocks: Ja, ich habe es als Bühnenmensch einfacher als andere Autoren. Ich kann beim Lesen spielerische Mittel einsetzen, zwischen Vorlesen und Erzählen wechseln und zwischendurch dann auch Szenen vorspielen.

Welche Gemeinsamkeit haben Ihre beiden Berufe?
Friedl-Stocks: Mein Anspruch ist immer derselbe: Ich möchte gut unterhalten.

Welches Publikum ist anspruchsvoller: Kinder oder Erwachsene?
Friedl-Stocks: Mir fällt es leichter, Erwachsene zu unterhalten. Wahrscheinlich weil ich selbst erwachsen bin. Kinder zu unterhalten ist eine hohe Kunst; entweder man packt sie mit der Geschichte oder sie zeigen einem die kalte Schulter.

Familienfeste
Brotfabrik, 1. November, 11 bis 18 Uhr. Unter anderem liest Anke Faust aus ihrem preisgekrönten Buch "Ein Schaf fürs Leben" (13 Uhr).

Haus der Geschichte, 3. November, 10.30 bis 18 Uhr. Paul Maar liest mit Murat Coskun zweisprachig aus dem Buch "Das fliegende Kamel", begleitet von einer mittelalterlichen Kapelle (15 Uhr).

Frauenmuseum, 10. November, 13.30 bis 18 Uhr: Figurentheater von Achim Sonntag und ein "Sockenkonzert".

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