Besuch im Palais Schaumburg

Am Schreibtisch von Konrad Adenauer

BONN.  Im nächsten Oktober werden es 50 Jahre sein, seitdem Konrad Adenauer als Bundeskanzler zurückgetreten ist und sein Arbeitszimmer im Palais Schaumburg, dem damaligen Bundeskanzleramt, verlassen hat. Doch wie sang Trude Herr, Kölnerin wie Adenauer, viele Jahre später? "Niemals geht man so ganz, irgendwas von mir bleibt hier." Und so ist auch noch einiges vom "Alten", wie der erste deutsche Bundeskanzler gern genannt wurde, in dessen früherem Arbeitszimmer erhalten geblieben.
Das alte Dienstzimmer Adenauers.
							Foto: Roland Kohls
Das alte Dienstzimmer Adenauers. Foto: Roland Kohls

Der Schreibtisch, ein kleiner Wagen für den Transport von Akten und anderen Unterlagen sowie eine Kommode - all diese Stilmöbel hatte Adenauer nach strengen Vorgaben in einem Kölner Einrichtungshaus kaufen lassen.

Fotos auf der Kommode zeigen heute noch den britischen Premier Winston Churchill, Frankreichs Präsidenten Charles de Gaulle und US-Außenminister John Foster Dulles. "Wenn aber zum Beispiel de Gaulle zu Besuch kam, stand nur noch das Foto von ihm hier. Adenauer wusste, wie er mit Menschen umgehen musste", also sie mit Symbolen umschmeicheln konnte, sagt Emanuel Metz.

Metz ist Leiter des Bonner Dienstsitzes des Bundeskanzleramtes, zu dem das Palais Schaumburg im Zuge des Umzugs von Bundestag und Teilen der Bundesregierung nach Berlin wurde, und ist insofern hier der Hausherr. Neben Metz sind 22 Mitarbeiter des Kanzleramtes hier tätig. Ihre wichtigste Aufgabe: die Bearbeitung der Briefe von Bürgern an die Bundeskanzlerin.

Doch Angela Merkel ist selten hier. Das war bei Gerhard Schröder noch anders, denn der wohnte sogar zwischen seinem Wahlsieg 1998 und dem Umzug nach Berlin für ein gutes halbes Jahr im Palais - in den Räumen, die Adenauer fast 50 Jahre zuvor angemietet hatte. So konnte sich "der Alte" während des Tages auch schon einmal zu einem Nickerchen zurückziehen. Abends fuhr er stets in sein Wohnhaus nach Rhöndorf.

Seine Nachfolger Ludwig Erhard und Kurt Georg Kiesinger ließen das Arbeitszimmer unverändert - Erhard sprach zuweilen vom "Arbeitsmuseum", in dem er tätig sei. Willy Brandt und Helmut Schmidt richteten es neu ein, bis 1976 das moderne Kanzleramt einen Steinwurf entfernt im Park entstand. Um den Bezug zur Geschichte wiederherzustellen, setzten sich Schmidt und Helmut Kohl dafür ein, das Kanzler-Dienstzimmer wieder in den Ursprungszustand zurück zu versetzen.

So ist es auch heute zu sehen. Wer aus dem Fenster schaut, der sieht rechts nicht nur die "rheinische Sparkasse", wie Schmidt das neue Kanzleramt nannte, in dem heute das Entwicklungsministerium untergebracht ist, sondern geradeaus auch die Platane, unter der die laut Metz bis heute einzige Kabinettsitzung im Freien stattgefunden hat: im Juli 1967 während der Großen Koalition - auch das ein Stück deutscher Politikgeschichte.

Besuche im Palais Schaumburg.
Eine Führung durch das Palais Schaumburg kann über das Haus der Geschichte gebucht werden (Telefon 0228/9165-400, Mail: besucher@hdg.de). Das gilt für Einzelbesucher, die an dem Rundgang sonntags um 12 Uhr teilnehmen wollen, und für Gruppen. Diese können gesonderte Begleitungen buchen. Besichtigungen sind grundsätzlich kostenlos. Das Haus der Geschichte benötigt zwei Wochen vor dem Termin aus Sicherheitsgründen eine Teilnehmerliste.

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