Estermannstraße in Graurheindorf

Testphase geht in die Verlängerung

GRAURHEINDORF.  Es ist ruhiger geworden in der Estermannstraße, seit die Verkehrsführung im Februar geändert wurde und der Durchgangsverkehr ausgebremst wurde. Doch damit ist noch kein Friede im Dorf eingekehrt, denn die Meinungen von Befürwortern und Gegnern der neuen Regelung prallen weiter hart aufeinander. Das wurde jetzt bei einer Ortsbegehung der SPD deutlich, bei der man zusammen mit Anwohnern die neuralgischen Punkte unter die Lupe nahm.
Keine Autos in der Estermannstraße: So sieht es immer häufiger auf der schmalen Hauptstraße des Ortes aus. Foto: Rolf Kleinfeld

Dabei wurde deutlich, dass die Testphase nicht wie geplant Mitte Mai endet, sondern um fünf Wochen verlängert werden soll. Denn die Bezirksvertretung entscheidet erst am 21. Juni, ob die Verkehrsführung auf Dauer so bleibt, erklärte Verkehrsplaner Helmut Haux: "Es macht keinen Sinn, vor der Entscheidung noch einmal die Verkehrsführung umzustellen."

Einer, dem die neue Ruhe in der teilweise nur vier Meter breiten Hauptstraße des Dorfes gut gefällt, ist Karl-Heinz Ziemer: "Nach vielen Jahren der Diskussion hat sich etwas getan, das ist schon mal ein Erfolg. Und man kann es nicht allen recht machen." In der Tat fuhren bei der Ortsbesichtigung am Dienstagabend nur wenige Autos durch die Straße, und im Vergleich zu anderen Straßen in anderen Ortsteilen herrschte fast himmlische Ruhe. Ziemer glaubt, dass die Mehrzahl der Anwohner die neue Regelung befürwortet.

Ganz anders sieht das Erwin Stockhausen. "Es ist unverschämt, die Verkehrsführung zu ändern, ohne vorher die Bürger zu fragen", sagte er. "Außerdem ist das keine Verkehrsberuhigung, sondern eine Verkehrsverlagerung." Sauer ist er auf den Ortsausschuss, der die neue Regelung durchsetzte.

Acht Jahre lang saß Stockhausen selbst im Vorstand des Ortsausschusses und hat nun eine Initiative gegen die neue Situation gestartet. Seinen Aufruf, die Bürger mögen dagegen stimmen, hat viel Resonanz gebracht. "439 Privatleute und 33 Unternehmen haben mit ihrer Unterschrift gegen diese Lösung gestimmt", sagt er und fordert, man möge statt dessen endlich die versprochene Entlastungsstraße für den Ort bauen. Das sieht übrigens auch die FDP so, sagte ihr Planungssprecher Frank Thomas dem GA. "Dann wären beide Gruppen im Ort zufrieden."

Zurück zu Stockhausen, der sich als Gewerbetreibender ärgert: "Der Ortsausschuss macht hier, was er will, hinter dem Rücken der Bürger." Insbesondere die Gewerbebetriebe müssten ständig Umwege zu ihren Betrieben fahren, was bei den hohen Spritpreisen eine Belastung darstellen. Verärgerung gab es auch über die angekündigte Umfrage des Bürger Bundes, dessen Fragebogen im Ort nie angekommen sind.

Stattdessen wurden Anwohner der Römerstraße bis zur Ecke Werftstraße gefragt, was sie von der neuen Lösung halten - also Menschen, die davon am wenigsten betroffen sind. Auch der Ortsausschuss wusste von der Aktion nichts, hält sie sogar für kontraproduktiv.

Eine Fragebogenaktion unter den Graurheindorfern oder eine repräsentative Befragung, wie die Verkehrsregelung ankommt, wird es zumindest seitens der Stadt nicht geben. Sie habe dafür kein Geld, und der Aufwand wäre immens, sagte Haux. Die Politik habe dies auch nicht beschlossen oder vorgesehen, hieß es. Allerdings wird es Zahlen geben: Die Verwaltung hat den Verkehr vor der Umstellung gezählt und will das wiederholen, um zu belastbaren Aussagen über die Folgen der Verkehrsführung zu kommen. Auf dieser Grundlage soll die Bezirksvertretung dann am 21. Juni die endgültige Entscheidung treffen.

Aber auch Dieter Gasten, Vorsitzender des Ortsausschusses, weiß, das damit der Friede im Dorf nicht wiederhergestellt wird: "Es wird keine optimalen Ergebnisse für alle Seiten geben." Der Ortsausschuss will nun selbst eine Bürgerbefragung zusammen mit dem CDU-Ratsherrn Wolfgang Maiwaldt vorbereiten, um die Meinung der Graurheindorfer abzufragen.

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