Abstimmung in Dransdorf

Bleibt die Kettelerschule katholisch?

DRANSDORF.  Noch am Mittwoch und Donnerstag können die Eltern aller 197 Dransdorfer Grundschüler der Kettelerschule die Schulart neu bestimmen. Beim zuständigen Träger Schulamt waren von 84 Eltern ordnungsgemäße Anträge eingegangen, die katholische Kettelerschule in eine Gemeinschaftsgrundschule umzuwandeln.
Die Kettelerschule in Dransdorf besuchen zurzeit 197 Kinder, nur noch 79 sind katholisch.
							Foto: Roland Kohls
Die Kettelerschule in Dransdorf besuchen zurzeit 197 Kinder, nur noch 79 sind katholisch. Foto: Roland Kohls

Daraufhin leitete das Schulamt das Abstimmungsverfahren ein. "Wir wollen, dass die einzige Dransdorfer Grundschule ohne Einschränkung auch allen hiesigen Kindern zugänglich wird", erklärt Sascha Krieger, Vater zweier Schülerinnen, der zur Initiative pro Gemeinschaftsgrundschule gehört. Bei der derzeitigen Schule müssten Eltern sich einverstanden erklären, dass ihr Kind den einzigen Religionsunterricht, den katholischen, besucht und im katholischen Glauben erzogen wird.

Das wollten bei den aktuellen Bevölkerungsanteilen Dransdorfs immer weniger Familien unterschreiben, vermutet Krieger. Und dann müssten diese Familien ihre Kinder in andere Stadtteile schicken. Aber Wohnortnähe sollte doch gerade bei Grundschülern das wichtigste Auswahlkriterium bei der Platzvergabe sein. Und Integration müsse in Kindergarten und Grundschule beginnen.

"Allein in der Kettelerschule sind derzeit von 197 Kindern nur 79 katholisch, aber 73, also fast so viele, muslimisch und weitere evangelisch oder religionslos." Deshalb solle die einzige Grundschule des Ortsteils nicht nur katholischen, sondern auch evangelischen Religionsunterricht und Islamkunde erteilen. Zumal auch eine katholische Grundschule ja zu 100 Prozent öffentlich finanziert werde. Auch die Einstellungspraxis an katholischen Grundschulen gefalle Eltern nicht, berichtet der Vater. Da habe kürzlich eine kompetente Vertretungslehrerin an der Schule gearbeitet, die sich aber, weil nicht katholisch, nicht auf eine Stelle bewerben durfte.

Die Elterninitiative möchte sich bei ihrem Antrag übrigens nicht missverstanden wissen, sagte Krieger. "Die Kettelerschule war immer durch ein gutes Klima geprägt. Wir wollen den Respekt füreinander auch nach der Abstimmung behalten, wie immer sie ausfällt." Aber man wolle eben demokratisch abstimmen. Das sieht auch Schülermutter Nadja Schmid von den Befürwortern der katholischen Schulform so. "Aber wir wollen unsere Kinder weiterhin bewusst an eine katholische Schule schicken, die mit dem Anspruch, Inklusionsschule zu sein, sehr gut zusammenpasst." Eine Gemeinschaftsgrundschule gebe es doch schon ein paar Busminuten weiter in Tannenbusch, so Schmid. "Das ist nicht unzumutbar."

In einer katholischen Schule könne man sicher sein, dass Wertevermittlung auch außerhalb des Religionsunterrichts stattfinde. "Und das befürworten auch eine ganze Reihe muslimische Eltern." Die katholische Schulform sichere ab, dass christliche Feste weiter gefeiert würden und eine Vermittlung dessen stattfinde, was an Werten dahinterstehe, betont Nadja Schmid. "Es wird ja kein muslimisches Kind gezwungen, mit in die Kirche zu gehen."

Wie berichtet, sind 2010 und 2011 zwei ähnliche Abstimmungen an der katholischen Grundschule Buschdorf an der hohen gesetzlichen Hürde gescheitert. Erforderlich für eine Umwandlung ist in NRW nämlich ein Quorum von zwei Dritteln aller Eltern.

Blick über NRW hinaus

Kritisch sieht die Bonner Elterninitiative "Kurze Beine - kurze Wege", die Landesgesetzgebung in Sachen Bekenntnisschulen. Selbst Niedersachsen, wo es als einzigem Bundesland außer NRW noch öffentliche Bekenntnisschulen gibt, habe 2011 ein Schulgesetz die Umwandlung von Bekenntnisschulen in Gemeinschaftsgrundschulen erleichtert. Dort genügten dafür jetzt 50 Prozent der Elternstimmen. Nur in NRW seien immer noch 75 Prozent aller Elternvoten nötig.

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