Ehrenbürgerwürde

Aufsichtsbeschwerde wegen Hindenburg

BONN.  Stadt sieht Aberkennung der Ehrenbürgerwürde mit dem Tod von Paul von Hindenburg als erledigt an. Der Bonner Künstler Alfred Kerger hat bei der Bezirksregierung Köln eine Kommunalaufsichtsbeschwerde gegen die Stadt Bonn eingereicht. Der Grund: Die Stadt empfiehlt, einem Bürgerantrag zur Aberkennung der Ehrenbürgerwürde des ehemaligen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg nicht zu folgen.
Der Hindenburgplatz in Dottendorf: Über eine mögliche Namensänderung dieses Platzes und der Godesberger Hindenburgallee ist eine Diskussion unter Politikern und Bürgern entbrannt.
							Foto: Roland Kohls
Der Hindenburgplatz in Dottendorf: Über eine mögliche Namensänderung dieses Platzes und der Godesberger Hindenburgallee ist eine Diskussion unter Politikern und Bürgern entbrannt. Foto: Roland Kohls

Sie sei mit dem Tod Hindenburgs eh erloschen. Kerger hingegen fragt unter anderem, warum dann der Stadtrat 1983 Adolf Hitler die Ehrenbürgerschaft aberkannt hat, der sie zeitgleich mit Hindenburg 1933 verliehen bekam.

Seit dem Frühjahr streiten die Bonner um den ehemaligen Reichspräsidenten. Kerger ist einer der Initiatoren. Seine Anregung auf der Internetseite Abgeordnetenwatch, Hindenburg die Bonner Ehrenbürgerschaft abzuerkennen und Straßen und Plätze, die nach ihm benannt sind, umzubenennen, mündete in einen entsprechenden Bürgerantrag des Vereins "Wissenskulturen".

Dreh- und Angelpunkt der umfangreichen Begründung des Vereinsvorsitzenden Michael Paetau: Hindenburg ist eine historisch fragwürdige Gestalt, er hat unter anderem Hitler ohne Not zum Reichskanzler gemacht. Er ist als Namensgeber für Bonner Straßen ungeeignet, als Ehrenbürger sowieso.

Das sieht nicht nur Bernd Hartwig anders, der einen Bürgerantrag auf Beibehaltung der Straßennamen gestellt hat. Bereits mehrfach wurden die Anträge in Ausschüssen diskutiert und dabei um weitere ergänzt. Zurückgehend auf eine Initiative der Elisabeth-Selbert-Gesamtschule hat die Linken-Ratsfraktion beantragt, die Hindenburgallee in Plittersdorf nach Elisabeth Selbert zu benennen.

Die FDP wiederum will, dass die Straßennamen erhalten bleiben, die Schilder aber durch kritische Hinweisschilder zur Rolle Hindenburgs ergänzt werden. Nun sollen die Bürger befragt werden, so entschied es die Bezirksvertretung in Bad Godesberg.

Da es in der Bezirksvertretung Bonn sowohl beim Antrag auf Beibehaltung als auch auf Namensänderung Stimmengleichheit gab, muss der Bürgerausschuss am Donnerstagabend (18 Uhr) erneut beraten. Er spricht eine Empfehlung aus, über die Rat oder Hauptausschuss im Dezember entscheiden können.

Hindenburg:
Paul von Hindenburg (1847-1934) hatte im Ersten Weltkrieg den Oberbefehl der 8. Armee, die bei Tannenberg eine zahlenmäßig überlegene russische Armee besiegte. Nicht zuletzt diesem Sieg ist die Verehrung Hindenburgs geschuldet. Hindenburg war hartnäckiger Gegner eines Verhandlungsfriedens. Nach dem Tod Friedrich Eberts (1925) wurde der Generalfeldmarschall zum Reichspräsidenten gewählt. 1933 berief er Hitler zum Reichskanzler und löste den Reichstag auf.

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