Lärchenstraße in Buschdorf

Streit um Busverkehr auf enger Straße

BONN.  Anwohner klagen über zu hohes Tempo auf der Lärchenstraße. Vor allem die Buslinie 630 ist ein Dorn im Auge. "Wenn ein Kind plötzlich auf die Fahrbahn läuft, lässt sich ein tonnenschwerer Bus nicht rechtzeitig abbremsen", kritisiert zum Beispiel Ralf Peters. Beschwerden bei den Stadtwerken Bonn liefen ins Leere - bislang.
Demonstrieren gegen rasende Busse in der Lärchenstraße: (von links) Martina Peters, Ralf Peters, Felix, Ursula und Christian Eich.
							Foto: Volker Lannert
Demonstrieren gegen rasende Busse in der Lärchenstraße: (von links) Martina Peters, Ralf Peters, Felix, Ursula und Christian Eich. Foto: Volker Lannert

Ralf und Martina Peters machen sich Sorgen um ihre beiden kleinen Kinder. Die Familie lebt in einem Reihenhaus an der Lärchenstraße in Buschdorf. Wenn der Bus der Linie 630 an den geparkten Autos vorbeifährt, wird es eng auf der schmalen Anliegerstraße. Zu eng, findet Ralf Peters. "Wenn ein Kind plötzlich auf die Fahrbahn läuft, lässt sich ein tonnenschwerer Bus nicht rechtzeitig abbremsen", sagt der 41-Jährige. Das gelte besonders, wenn sich die Fahrer nicht an das vorgeschriebene Tempo 30 hielten - und das passiere oft.

Er sei selbst schon hinter dem Bus hergefahren, um das Tempo abzuschätzen. Beschwerden in der Stadtwerke-Zentrale hätten aber keine Besserung gebracht. Der Anwohner-Ärger in der Lärchenstraße ist eine von rund 6000 Eingaben, die pro Jahr bei den SWB einlaufen. Der Fall ist besonders schwierig, weil ein Teil der Anwohner die Busse am liebsten ganz raus hätte aus der Straße.

Die Linie 630 verkehrt seit drei Jahren alle 30 Minuten mit einer Taktverdichtung auf 15 Minuten zu Schulanfangs- und -endzeiten zwischen Tannenbusch und Post Tower. Vorher fuhr die Linie 663 durch die Lärchenstraße - allerdings nur in einer Richtung. Die Zahl der Busse pro Stunde stieg damit von höchstens drei auf bis zu acht. Diese Zunahme empfindet auch Ursula Eich als Zumutung. "Wir versuchen schon seit zwei Jahren, die Parteien für das Thema zu sensibilisieren", sagt die Anwohnerin. "Aber keiner reagiert." Genau wie Familie Peters fordert sie, die Busse über die rund 200 Meter entfernte Kölnstraße fahren zu lassen.

Rasende Busse in der Bonner Lärchenstraße

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Das aber gehe aus Fahrplangründen nicht, teilt die Stadtverwaltung mit. Die Fahrzeit würde um ein bis zwei Minuten verlängert, was den Anschluss an die Regionalbahn 23 am Duisdorfer Bahnhof gefährde. Da die Busse an der Endhaltestelle Agnetendorfer Straße schon jetzt nur fünf Minuten Wendezeit hätten, würde jede Verlängerung den Einsatz eines zusätzlichen Busses nötig machen - mit Kosten von 200.000 Euro pro Jahr. Die Stadt will aber prüfen, ob die Zahl der Fahrten durch die Lärchenstraße reduziert werden könnte.

Rolf Beu, Vorsitzender des Verkehrsausschusses, hat wenig Verständnis für die Anwohner. "Mit dem Bus fahren wollen alle, aber Busverkehr vor der eigenen Haustür will keiner: Das ist egoistisches Denken." Eine Verlegung der Linie kommt für den Grünen-Politiker nicht in Frage. Die Klage über zu schnelle Busse haben die Stadtwerke nach eigenen Angaben mit Hilfe der Positionsdaten aus dem Bus-Bordcomputer überprüft. "Dabei konnten wir keine Tempoüberschreitung feststellen", erklärt SWB-Sprecherin Veronika John.

Insgesamt nimmt die Zahl der Beschwerden bei den Stadtwerken ab, wie aus deren Statistiken hervorgeht. Seit 2008 fiel sie von knapp 7000 auf unter 6000 im Jahr. Die aktuellsten vorliegenden Quartalsdaten: Von Oktober bis Dezember 2011 registrierten die SWB 1606 Fahrgasteingaben; 1853 waren es im Vorjahreszeitraum. John: "Wir sind zufrieden mit dem Rückgang der Beschwerden, werden aber konsequent weiter daran arbeiten."

Die meisten Beschwerden betrafen mangelnde Pünktlichkeit, wenn Busse und Bahnen zu spät, zu früh oder gar nicht kamen (532 Nennungen). Weiterer Schwerpunkt: das Fahrerverhalten (380 Nennungen). Immerhin gingen die Beschwerden über einen unannehmbaren Umgangston von Fahrern zurück: von 114 Anfang 2011 auf etwa 50 pro Quartal.

Beschwerde-Brennpunkte:
Unpünktlichkeit: Besonders betroffen war im vierten Quartal 2011 die Linie 66, mit durchschnittlich 56 000 Passagieren pro Tag die meistgenutzte Bahn. Auch über die Linien 16, 18, 62 und 61 gab es viele Klagen. Bei den Bussen waren die Linien 600/601 und 604/605 auffällig, was die SWB auf Umleitungen wegen Baustellen zurückführen.

Überfüllt: Die Linie 601 in Richtung Venusberg war bei Stichproben morgens deutlich zu voll. Seit Januar 2012 fahre ein zusätzlicher Wagen auf dieser Strecke, so die SBW.

Und was meinen Sie dazu? Diskutieren Sie mit!

29 Lesermeinungen - Seite 1/4

öffentl.nahverkehr in buschdorf

anonymus | 18.11.2012 20:05

frage an die stadtwerke:warum ist es nicht möglich haltestellen in buschdorf so zu plazieren, das unmittelbare anwohner nicht so sehr in ihrer wohnqualität gestört werden! warum müssen z.b. eine bzw. zwei haltestellen unmittelbar (ca.2-3 m abstand) zu terrassen, balkonen, gärten eingerichtet werden, obwohl es auch andere möglichkeiten gibt.so könnte man z.b. zwei haltestellen etwas versetzt installieren, so daß sich die beeinträchtigungen für die anwohner wenigstens etwas bessern würde! eine verteilung der last ist sicherlich oportun. viele haltestellen sind so angelegt! es geht mit ein wenig gutem willen sicherlich auch in buschdorf!! ansonsten kann ich als anwohner nur bestätigen, daß alle busse, wenn verspätungen im spiel sind, die geforderten 30 kmh in buschdorf ständig überschreiten. man kann nur hoffen, daß auf der otto-hahn-straße friedlanstraße (kindergärten piratenland sportplatz schul-u.kindergartenwege) nichts wesentliches passiert!

Zeichen der Warnung

Buskutscher | 13.09.2012 08:52

Liebe Buschdorfer, sehen Sie auch die Zeichen der Warnung ... nicht das es auf einmal so kommt, das auf vielfachen Wunsch tatsächlich eine Routenänderung der Linie 630 eintritt. Dies würde die SWB nicht Geld kosten - sondern massiv sparen! Dann fährt die Linie 630 eher garnicht mehr durch Buschdorf, als das die Route verändert würde. Was für ein Spaß nur mit der Linie 604 und der 16/63 fahren zu dürfen. Die Kassen in Bonn sind leer, überall muss eingespart werden und Sie beschweren sich über den Komfort in der Hauptzeit ca. alle 8 Minuten einen Bus zur Verfügung zu haben? Den Busfahrern soll es recht sein - für uns ist die Lerchenstrasse auch kein Spaß, zumal wir uns mit den Fahrzeugen sehr oft dort begegnen und es mehr als eng ist. Ein Tip an die Anwohner: Verkehrsberuhigende Massnahmen in der Lerchenstraße wie die Parksituation, Blumenkübel oder Drempel kostet eher wenig Mittel und können die Linie 630 für Buschdorf erhalten.

Man kann es keinem Recht machen!

S.R | 12.09.2012 14:33

Es gibt keine vorgeschriebenen Wendezeiten. Die Bus und Bahnfahrer fahren solang sie dürfen, und dann findet eine ordnungsgemäße Pausenzeit statt!! Wie bei einem Lkw Fahrer. Und ich kann mich recht daran erinnern das die Haltestelle Lärchenstraße schon sehr lange besteht. Damals zwar nur Richtung Tannenbusch (L663) aber ob jetzt auf der anderen Seite auch noch eine steht ist nicht dramatisch. Und zum Vergleich, wegen der engen Straße, und den Kindern. Es gibt in Bonn mehr Straßen, wo Busse langfahren, und wo durchaus mehr Kinder an der Straße spielen oder dort leben!. Und an den anderen Straßen verkehren die Busse täglich. Die Linie 630 verkehrt ja nur Mo-Fr und Sa bis max 17 Uhr. Sonntags kein Verkehr !!

Nachvollziehbar

Sebastian aus B | 12.09.2012 11:15

Ich kann die Argumentation der Anwohner nachvollziehen. Ich fuhr ab und an mit dem Rad durch die besagte Strasse. Konnte irgendwie gar nicht nachvollziehen dass hier eine Busslinie durch geleitet wurde und wird. Für mich sind hier die Kriterien, wie viele Kinder und kleine Gärten und wenig Platz zum spielen für eine Umwidmung zur Spielstrasse erfüllt. Die SWB wird sich nicht erweichen lassen, deshalb kann m.E. nur eine Umwidmung helfen

Kinder gehören nunmal nicht an die Straße

Herr S. van M. | 12.09.2012 00:55

Zu den damaligen Zeiten, als noch der "Rumtreiber" - später die 663 - durch die Straße fuhr, wurde sicher auch nicht oft die Geschwindigkeit eingehalten. In der Zeit, in der ich mit der 630 als Fahrgast mitgefahren bin, hab ich nie bemerkt, dass der Fahrer jenseits der 30 km/h unterwegs war. Mein persönlicher Eindruck war bei dem Fernsehbeitrag in einem öffentlich-rechtlichen Sender, dass dieses Kind fast schon künstlich arrangiert wurde. Als ob durch Zufall justamente in diesem Augenblick das Kind losrennt der Bus kommt.. Also bitte... Augen auf beim Eierkauf.... Viele Buschdorfer haben doch bemängelt, das seit dem neuen Busnetz die 604 nicht mehr über die Friedlandstraße fährt. Jetzt moniert man die 630, die ja nicht den ganzen Tag im 15 Minuten Takt fährt....

Statt Bus lieber Auto oder Rad

Susanna | 11.09.2012 23:28

Haben die Peters in Buschdorf nix Besseres zu tun? "Wenn ein Kind auf die Fahrbahn läuft, dann läßt sich ein tonnenschwerer Bus nicht abbremsen" Sind wir auf einer Spielstraße gelandet? Ein Auto wird dort auch nicht abbremsen können. Ein kleines Kind gehört an die Hand der Eltern/Großeltern und wenn es alt genug ist für den Straßenverkehr angeleitet werden. Die SWB hat sich seit der Fahrplanänderung mit kurzeren Takten und besseren Umsteige- bzw. Anschlüssen sehr zum Positiven geändert. Kommt ein Bus zu spät, so steht wenige Minuten danach wieder einer da. Natürlich kann an der vereinzelten "Unfreundlichkeit" der Fahrer gearbeitet werden, aber sehen wir es mal so: Es gibt unter Ihnen auf erfreuliche Gegenbeispiele! Einziges Manko ist und bleibt das Ticketsystem mit nicht nachvollziehbaren Kurz- und Langstrecken. Busfahren ist ingesamt viel zu teuer, so dass man besser mit dem Auto fährt oder zum Rad greift.

alles wird mit Kosten begründet

eine Anwohnerin | 11.09.2012 21:35

Kosten! Damit scheint alles begründet zu werden. Wir wollen den Busbetrieb nicht einstellen sondern eine verkehrsberuhigte und sichere Straße . Die Haltestelle in unserer Straße hätte erst gar nicht errichtet werden müssen. 100 m weiter sind schon vorhandene Haltestellen. Man hätte die Investitions- und lfd. Kosten der Haltestelle einsparen können. Wir sind nicht egoistisch, sind aber bereit, ca. 100 m weiter zur nächsten vorhandenen Haltestelle zu laufen. Wir sind früher weitaus länger zu einer Haltestelle gelaufen, es hat uns nicht geschadet! Ob kontinuierlich die Spitzengeschwindigkeit der Fahrzeuge über den Bordcomputer überprüft wird, besonders bei Fremdfahrzeugen, ist doch wohl sehr zu bezweifeln. Warum wird keine Radarüberprüfung vorgenommen? Das die Grünen kein Verständnis für Unfall- Lärm- & Umweltverschmutzung in reinen Wohngebieten hat, muss man auch erst einmal verkraften. Was sagt eigentlich der BR und das Gewerbeaufsichtsamt zu der 5min. Wendezeit der Fahrer?

Mangelnde Lösungskompetenz

derAnwohner | 11.09.2012 20:44

Zur Sachlage: Es liegt in der Lärchenstraße eine besondere bauliche Situation vor, indem die Gärten der Reihenhäuser direkt an der Straße liegen. Desweiten ist die Lärchenstraße keine Hauptverkehrsstraße und wird fast ausschließlich nur von Anwohnern genutzt. Aus diesem Grund haben sich hier die meisten ein Eigenheim gekauft. Der Busverkehr erhöht das Verkehrsaufkommen um bis zu 150% und wandelt die bis dahin ruhige Nebenstraße in eine mörderische Rennstrecke um (siehe Video). Das hat nichts mit Egoismus zu tun, denn es gibt alternativen den ÖPnV nahe der Wohngebiete zu leiten, ohne Anwohner zu gefährden. Der SWB (Hr. Beu) mangelt es hier an Lösungskompetenz und der Bereitschaft sich ernsthaft zu bemühen.

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