Öffentlicher Personen Nahverkehr

Vater fordert kostenlosen Transport für sein sechsjähriges Kind

BONN.  Irgendwann hat es Bernhard Smolarz gereicht. Der Bonner setzte sich hin und formulierte einen Bürgerantrag, um auf eine seiner Meinung nach grobe Ungerechtigkeit im Öffentlichen Personen Nahverkehr (ÖPNV) hinzuweisen. Sein Kind ist sechs Jahre alt, geht noch in den Kindergarten und fällt damit aus sämtlichen Ticket-Regelungen heraus.
Sechsjährige Kita-Kinder müssen in Bus und Bahn zahlen. Foto: SWB

Wäre das Kita-Kind fünf könnte es umsonst fahren, wäre es schon in der Schule, gäbe es das Grundschul-Ticket. So aber müsste das Kind, wenn die Eltern es regelmäßig mitnehmen wollen, ein sehr viel teureres Ausbildungsticket nutzen.

"Ich beantrage darum die Erweiterung des kostenlosen Transports von Kindern um ein Jahr", forderte Smolarz in seinem Antrag und auch im Bürgerausschuss. Während die Stadtwerke Bonn (SWB) in ihrer Antwort schlicht auf Bestimmungen innerhalb des Verkehrsverbundes (VRS) Rhein-Sieg verwiesen, war das den Ausschussmitgliedern nicht genug.

"Herr Smolarz hat eine schöne Lücke aufgezeigt zwischen Kindergarten- und Schulalter. Wir könnten als Stadt das Ansinnen unterstützen", schlug Guido Pfeiffer, Sachkundiger Bürger der Grünen, vor. SPD-Stadtverordnete Gabriele Klingmüller meinte, dass die Stadt keine hohen Verluste durch ein zusätzliches Jahr einfahren werde: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass das viele Kinder betrifft." Laut Oliver Stuch von den SWB hat Familie Smolarz die erste Anfrage dieser Art gestellt.

Generell, so Stuch, müsste die Stadt Bonn den Stadtwerken Daten zur Verfügung stellen. "Wir müssten die Familien dann anschreiben und das Interesse abfragen", beschrieb der SWB-Mann eine mögliche Vorgehensweise. Inge Stauder, Sachkundige Bürgerin der CDU, forderte eine Recherche der Stadt zu diesem Thema.

Eine Nachfrage des GA bei Jugendamtsleiter Udo Stein ergab, dass im alten Kindergartenjahr 2139 Kinder sechs Jahre alt geworden sind. "Wie viele davon allerdings von diesem Problem betroffen sind, können wir nicht sagen", meinte Stein, der durchblicken ließ, den Antragsteller gut verstehen zu können. Er empfahl, über die Stadtwerke auf den Verkehrsverbund einzuwirken.

Auch wenn für die Familie Smolarz eine eventuelle Änderung zu spät kommen könnte: Immerhin hat der Bürgerausschuss das Thema nicht zu den Akten gelegt, sondern an den Jugendhilfeausschuss weiter verwiesen.

Ticketpreise der Stadtwerke

Im Folgenden die Ticketkosten im Vergleich: Grundschul-Ticket und Prima-Ticket kann ein sechsjähriges Kindergartenkind nicht nutzen, da es laut Stadtwerke nicht die derzeitigen Bezugsvoraussetzungen erfüllt. Ausweichen könnte das sechsjährige Kind - beziehungsweise seine Eltern - auf das Starter-Ticket oder das noch teurere, aber von der Laufzeit her ungebundene Monats-Ticket.

Das Grundschul-Ticket kostet seit 1. August 23,95 Euro. Sofern der Schüler freifahrberechtigt ist (Entfernung zwischen Wohnort und nächstgelegener vergleichbarer Schule mehr als zwei Kilometer), kostet das Grundschul-Ticket nur einen Eigenanteil von 9,60 Euro.

Das Prima-Ticket kostet für die Preisstufe 1b (Schüler wohnt in Bonn und geht in Bonn zur Schule) 56,20 Euro. Zielgruppe sind laut SWB Grundschüler, die nicht das Grundschul-Ticket nehmen können, weil ihre Grundschule es nicht anbietet.

Das Starter-Ticket (Laufzeit zwölf Monate) kostet 56,20 Euro für die Preisstufe 1b. Es ist für alle nutzbar, die eine Aus- oder Weiterbildung machen.

Das Monats-Ticket für Auszubildende kann monatlich - ohne Mindestlaufzeit - als Wertmarke erworben werden und kostet für die Preisstufe 1b 63,10 Euro. Es richtet sich an Personen, die eine Ausbildung und Weiterbildung machen, die kürzer als zwölf Monate ist.

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