Verkehr rund um den Bonner Bahnhof

Das Ende eines Provisoriums

BONN.  Wie kann zwischen Thomas-Mann-Straße, Hauptbahnhof und Kaiserplatz ein vernünftiger und sicherer Radweg eingerichtet werden? Verkehrsplaner Helmut Haux gab im Planungsausschuss zu, dass dies wohl die größte Herausforderung bei der Umgestaltung des Zentralen Omnibusbahnhofs (ZOB) sowie den Straßen Am Hauptbahnhof und Rabinstraße sein wird.

Wie berichtet, arbeitet die Verwaltung in enger Abstimmung mit Verbänden wie etwa dem ADFC oder dem Behindertenverband seit Jahren an einer Neukonzeption des Verkehrsnetzes in der Innenstadt. Dabei müssen unterschiedliche Prämissen berücksichtigt werden. Die wichtigste: eine Verkehrssituation mit neuer Südüberbauung und eine mit der heute bestehenden.

Würde das neue Konzept von Projektentwickler Roger Sevenheck für die Südüberbauung nämlich greifen, wäre das für die Verkehrssituation vor dem Hauptbahnhof durchaus positiv zu beurteilen. Denn dann stünde dort wesentlich mehr Raum zur Verfügung: Der Neubau soll ja vom Hauptbahnhof zurückweichen: Zwischen Neubau und historischem Bahnhofsgebäude sollen dann 25 Meter liegen. Heute sind es etwa 16 Meter. Und auch der Bereich um den Imbiss City Pick könnte teilweise in die Überlegungen für die künftige Anordnung der Bushalteplätze mit einbezogen werden. Klar sind zurzeit vor allem diese verkehrlichen Veränderungen für die Zukunft:

  • Maximilianstraße: Sie wird für den Autoverkehr zwischen Kaiserplatz und Wesselstraße gesperrt. Das heißt, der Verkehr aus der Wesselstraße darf nicht mehr nach rechts abbiegen, sondern wird zunächst nach links und dann einmal um den Busbahnhof herum gelenkt.
     
  • Stockenstraße: Sie wird zwischen Franziskanerstraße und Rathausgasse/Am Hof gesperrt.
     
  • Rabinstraße: Heute nur in Richtung Norden befahrbar, wird sie zur Zweirichtungsstraße und mündet in einen neuen Kreisverkehr am Knotenpunkt Am Alten Friedhof/Thomastraße.
     
  • Thomas-Mann-Straße: Die Einbahnstraßen-Regelung zwischen Budapester und Münsterstraße wird in Richtung Bahnhof umgedreht.

In der neuen Planung rund um den Bahnhof fällt auch die Vorfahrt an der Seite weg. Wer in Zukunft seine Gäste vom Zug abholen oder zum Bahnhof bringen will, der muss dann entweder über die Quantiusstraße fahren oder stellt seinen Wagen im geplanten Parkhaus ab, dessen Bau hinter der Unterführung Richtung Herwarthstraße (ehemaliger Rheinuferbahnhof) vorgesehen ist.

Dort stehen heute die Taxis, und dort soll es laut Haux "Kurzparkermöglichkeiten geben". Außerdem würden Autofahrer wesentlich komfortabler zu diesem neuen Parkhaus gelangen - nämlich über den geplanten Kreisel am Alten Friedhof direkt in die Einfahrt des Parkhauses.

An diesem Kreisel soll es außerdem fünf Warteplätze für Busse oder Parkmöglichkeiten für Fernbusse geben. Da eine Zufahrt vom Alten Friedhof in die Noeggerathstraße zukünftig - wegen der Leistungsfähigkeit der Straße zwischen neuem Kreisel und Stadthaus - nicht mehr möglich sein soll, wird der Verkehr über die Rabinstraße in die Noeggerathstraße rollen müssen.

Das Herzstück ist indes eine völlige Umgestaltung des ZOB mit neuer Anordnung der Haltestellen, die dann auch barrierefrei ausgebaut werden sollen. Vor allem verschwinden dann auch die orangefarbenen Pilzdächer, die noch aus den 70er Jahren stammen.

In der neuen Lösung dehnt sich der ZOB in Richtung Kaiserplatz aus. Dadurch könnten alle Haltepositionen der Busse und auch die Straßenbahnhaltestelle in Richtung Thomas-Mann-Straße im ZOB integriert werden, so Haux. In dieser Lösung sind keine Bushaltestellen etwa vor dem Nordfeld, also in Höhe des Parkplatzes und des Bonner Lochs notwendig. Die Straßenbahnhaltestelle könne mit alter wie auch mit neuer Südüberbauung in den ZOB integriert werden, so Haux.

16 Haltepositionen der Busse sind frei an- und abfahrbar, 13 Haltepositionen in sogenannter Sägezahnposition. 14 Positionen sind so ausgelegt, dass sie auch von Gelenkbussen genutzt werden können. "Das ist endlich das Ende eines 35-jährigen Provisoriums", sagte Werner Esser (SPD). "Der ZOB, den täglich 100.000 Fahrgäste nutzen, ist nicht mehr zumutbar. Die Zuschüsse beim Nahverkehr Rheinland sind beantragt. Das ist eine Lösung, die in die richtige Richtung geht."

Ähnlich urteilte auch Arno Hospes (CDU): "Die Koalition hatte sich vorgenommen, dass noch in dieser Legislaturperiode die Planungen am ZOB weiterkommen müssen. Auf dieser Vorlage kann man jedenfalls aufbauen." Hartwig Lohmeyer (Grüne) verwies dennoch auf die "Dringlichkeit des Radwegs".

Es könne nicht sein, dass es keine vernünftige Nord-Süd-Verbindung für Radfahrer gibt. Auch Frank Thomas (FDP) merkte an, dass dieser Punkt verbessert werden müsste. Bis auf den Bürger Bund gaben alle Fraktionen grünes Licht für den Vorentwurf, auf dessen Basis das Konzept weiterentwickelt werden kann.

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