Bonner Münster

20 Millionen Jahre alter Stein nach 1000 Jahren entdeckt

BONN.  Ein 20 Millionen Jahre alter und 1,5 Tonnen schwerer Stein wurde am Donnerstag am Bonner Münster mit einem Schwerlastkran geborgen - und sorgte für viel Aufmerksamkeit.
1,5 Tonnen wiegt der Trachytquader, der 1000 Jahre lang zu Füßen der Münsterbasilika verborgen lag und von einem Schwerlastkran gehoben wird.
								Foto: Max Malsch
1,5 Tonnen wiegt der Trachytquader, der 1000 Jahre lang zu Füßen der Münsterbasilika verborgen lag und von einem Schwerlastkran gehoben wird. Foto: Max Malsch

Ein Kran schiebt sich in der Gerhard-von-Are-Straße vorsichtig in die enge Schlucht zwischen der Außenmauer des Münster-Kreuzgangs und dem Münsterladen, wo zurzeit ein Durchgang gebaut wird. Eine Handvoll Personen, darunter Stadtdechant Wilfried Schumacher, beobachtet das Schauspiel gespannt.

Es ist 14 Uhr, Arbeiter sperren die Straße mit einem Band ab, und eine Passantin fragt neugierig in die Menschengruppe hinein: "Was gibt's denn hier?" Sie erfährt: Ein geschichtsträchtiger, 1,5 Tonnen schwerer Stein, der mehr als 1000 Jahre zu Füßen der Basilika verborgen lag und kürzlich bei den Bauarbeiten gefunden wurde, soll gehoben werden.

Doch bis es soweit ist, muss der Schwerlastkran erst einmal durch die enge Lücke, und das ist Zentimeterarbeit und dauert. Zum Unmut einiger Passanten, die von der historischen Bedeutung des Fundes keine Ahnung haben. Dafür aber verfolgen neben dem Stadtdechanten auch Renate Schumacher, Leiterin des Mineralogischen Instituts des Uni, und der Architekt des Durchgangs, Stefan Schevardo, die Bergung des behauenen Steins umso faszinierter, schließlich liegt der Trachytquader schon seit der Errichtung des mittelalterlichen Kreuzgangs im Jahr 1050 im Fundament.

Für die Steinmetze Michael Pitack und Udo Schäfer ist es Millimeterarbeit, diesen "Koloss von Bonn" sicher auf die andere Seite des Münster-Pfarrhauses zu begleiten. Die beiden waren es auch, die den Stein vor kurzem aus der Kreuzgangwand befreiten. Nun wird das Schwergewicht aus der engen Schlucht gehievt und um 15.30 Uhr auf dem Hof neben der Basilika abgelegt. Dann haben auch Fußgänger wieder freien Durchgang.

Gesteins-Expertin Renate Schumacher geht davon aus, dass der Stein vom Drachenfels stammt: "Das Gestein kristallisierte dort aus einem Magma, das vor gut 20 Millionen Jahre bis fast an die Erdoberfläche aufstieg und wie ein Pfropfen im Erdinneren stecken blieb." Schumacher ist sicher, dass der Stein zu einem am Münster gelegenen römischen Matronentempel gehörte, denn der weißgraue Trachyt, der laut Schumacher dem Drachenfels seinen Namen gab, wurde bereits in römischer Zeit verbaut und beim Bau des Münsters zweitverwertet, eine gängige Praxis bis ins 18. Jahrhundert.

Auf Granit biss Schumacher allerdings mit seiner Idee zur neuen Verwertung des Steins: Nach Freiburger Vorbild wollte er den Quader in handliche Stücke zerteilen lassen und als Teelicht-Ständer verkaufen. Wo der Stein nun endgültig seinen Platz finden wird, steht noch nicht fest.

Am Freitag läuten alle Glocken
Das Vollgeläut des Bonner Münsters ist nur selten zu hören, am Freitagnachmittag erklingen alle acht Glocken zur feierlichen Eröffnung der Heilig-Rock-Wallfahrt in Trier. Zusätzlich weisen Wallfahrtsfahne und eine Wallfahrtskerze auf das große Fest hin. Der heiligen Helena, Überbringerin des Heiligen Rocks (Jesu Untergewand bei der Taufe) und Stifterin des Bonner Münsters, ist in beiden Kirchen eine Glocke gewidmet.

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