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Collegium Josephinum Bonn
CoJoBo-Pater weiter suspendiert
Von Andreas Baumann und Lisa Inhoffen
BONN. Die Staatsanwaltschaft bleibt bei ihrer Entscheidung, das Missbrauchs-Ermittlungsverfahren gegen einen Pater des Collegium Josephinum Bonn (CoJoBo) mangels Beweisen einzustellen. Zwei Familien von ehemaligen CoJoBo-Schülern hatten über eine Anwaltskanzlei Beschwerde eingelegt.
Diese sei nach Aktenlage intensiv geprüft worden, erklärte Oberstaatsanwalt Fred Apostel: "Aus unserer Sicht ist der Fall abgeschlossen." Jetzt liege die Beschwerde zur Entscheidung beim Generalstaatsanwalt in Köln.
Hintergrund der Ermittlungen war unter anderem die frühere Praxis am CoJoBo, erkrankten Schülern Zäpfchen zu verabreichen. Das sei zwar medizinisch unnötig gewesen, so die Staatsanwaltschaft. Sexuelle Motive seien aber nicht nachweisbar. In der Beschwerde gegen die Verfahrenseinstellung hatte die Anwaltskanzlei auf einen weiteren Zäpfchen-Fall an dem katholischen Jungen-Gymnasium hingewiesen, der besonders drastisch gewesen sein soll.
Dazu liege der Staatsanwaltschaft jedoch keine Strafanzeige vor, sagte Apostel. Die Behörde kenne nur die "Mitteilung im Rahmen der Beschwerde" zu diesem Vorgang. "Es ist unklar, ob es dabei um einen der Fälle geht, die bereits Ermittlungsgegenstand waren", sagte er.
Sollte es weitere Betroffene am CoJoBo geben, könnten diese jederzeit Anzeige erstatten. Der Pater ist seit Januar von seinen Dienstpflichten entbunden. Wie aus einem Schreiben des Kölner Erzbischofs Joachim Kardinal Meisner vom 29. August hervorgeht, dauert die Suspendierung an. Es sei unklar, ob der Pater jemals ans CoJoBo zurückkehre, sagte Schulsprecher Kai Vogelmann.
Das Thema stand am Mittwochabend erneut auf der Tagesordnung des Schulausschusses. Allerdings drehte sich sich die Debatte vor allem um die Frage, ob Grünen-Stadtverordnete Dorothee Paß-Weingartz in ihrer Eigenschaft als Ausschussvorsitzende und damit im Namen des Ausschusses öffentlich die Staatsanwaltschaft wegen der Einstellung der Ermittlungen gegen den Pater kritisieren durfte. "Wir vermissen bei der Staatsanwaltschaft die Parteinahme für Kinder und Jugendliche", hatte Paß-Weingartz unter anderem die Ermittler angegriffen. Denn die jahrelang praktizierte Zäpfchengabe am CoJoBo habe "klaren Richtlinien" widersprochen.
Johannes Schott vom Bürger Bund Bonn hatte in einem Antrag den Schulausschuss aufgefordert zu erklären, dass das Gremium diese Kritik nicht teile. Der Ausschuss sei vielmehr erleichtert, dass die Vorwürfe von der Staatsanwaltschaft geklärt worden seien und die Schule ihre "erfolgreiche pädagogische Arbeit ohne Irritationen" fortsetzen könne.
Den Passus "ohne Irritationen" strich Schott nach heftigem Protest aus allen Reihen: "Das klingt ja so, als sollte alles unter den Teppich gekehrt werden", schimpfte Sascha Krieger (SPD). Bis auf Schott lehnten alle Ausschussmitglieder letztere Formulierung ab. Und auch Schotts Unmut über Paß-Weingartz' "Anmaßung", die Ermittler im Namen des Ausschusses zu kritisieren, teilte bis auf Joachim Stamp (FDP) niemand.
Artikel vom 14.09.2012
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