Trojaner

Presbyter der Kreuzkirchengemeinde wird Opfer von Computer-Hackern

Bonn.  Da staunte Gerhard Schäfer nicht schlecht, als er am Dienstagmorgen seine E-Mails überflog. Darunter fand der Pfarrer der evangelischen Kreuzkirchengemeinde den Hilferuf eines Presbyters seiner Gemeinde. Der Mann bat Schäfer um Geld, er sei im Urlaub und beraubt worden. Schäfer erkannte schnell: Das war eine Betrugsmail. Denn sein Presbyter, ein Jurist, saß um diese Zeit brav an seinem Frühstückstisch zu Hause in Bonn und ahnte nichts Böses.

Nicht nur Schäfer, auch viele andere Personen, mit denen der Presbyter im Kontakt steht, hatten diese E-Mail erhalten. Schäfer informierte umgehend den IT-Beauftragten des Evangelischen Kirchenkreises Bonn und hörte, dass es solche Fälle auch schon in anderen Gemeinden gegeben habe.

"Ich kann allen nur raten, darauf überhaupt nicht zu reagieren", warnt Schäfer. Dass bei der E-Mail des Presbyters Betrüger am Werk waren, könne man schon leicht am Sprachduktus merken. "Er würde doch seine Adressaten in einer Rundmail nie duzen", weiß Pfarrer Schäfer, der hofft, dass niemand aus dem Adressatenkreis auf die E-Mail hereingefallen ist und gezahlt hat. Wer aus Neugier auf die Mail geantwortet hat, erfährt, man solle 850 Euro bargeldlos an eine bestimmte Adresse in Großbritannien überweisen.

Eine Masche, die der Polizei durchaus bekannt ist, wie Daniela Lindemann dem GA auf Anfrage erklärte. "Die Täter sind damit bereits seit Jahren bundesweit zugange", sagte sie. Im konkreten Fall habe das Kommissariat für Betrugsdelikte und Computerkriminalität bereits die Ermittlungen aufgenommen.

Sie empfiehlt allen Betroffenen, also neben dem Besitzer der E-Mail-Kontos auch allen Empfängern Anzeige zu erstatten. "Wir gehen von überregionalen, vorwiegend aus dem Ausland agierenden Tätern aus", sagte Lindemann. Das Muster sei stets gleich: Erst würden die E-Mail-Konten durch Schadprogramme wie Trojaner gehackt. Dann verschickten sie an die Kontaktadressen E-Mails, in denen meistens von einer Notsituation des Absenders die Rede ist, verknüpft mit der Bitte um finanzielle Unterstützung.

Von all dem merkt der Eigentümer des E-Mail-Kontos erst einmal nichts, so Lindemann. Im Zuständigkeitsbereich des Bonner Polizeipräsidiums habe es im vergangenen Jahr bis zu 30 derartige Fälle gegeben. Die meisten seien allerdings im Versuchsstadium hängen geblieben, weil die Adressaten misstrauisch geworden seien. Nur in wenigen Fällen sei tatsächlich Geld geflossen.

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