Inklusionsprojekt

Bonner Grundschulrektoren zeigen Verständnis für zeitliche Verschiebung

BONN.  Dass NRW-Schulministerin Silvia Löhrmann ihr Inklusionsprojekt entschleunigt und die Umsetzung auf das Schuljahr 2014/15 verschiebt (der GA berichtete), stößt bei Bonner Grundschulrektoren auf Verständnis. "Es zeigt sich, dass es ein Schnellstart in vielen Bereichen war und dass man Inklusion nicht übers Knie brechen kann", sagt beispielsweise Dorothea Paschen. Als Rektorin der Bad Godesberger Andreasschule ist sie Leiterin einer der sechs Bonner Grundschulen, die im Sommer mit Gemeinsamem Unterricht (GU) neu an den Start gehen sollten.
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Teilhabe behinderter Kinder am Unterricht in Regelschulen: Die so genannte Inklusion soll nach dem Willen des NRW-Schulministeriums in den nächsten Jahren flächendeckend umgesetzt werden.
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Teilhabe behinderter Kinder am Unterricht in Regelschulen: Die so genannte Inklusion soll nach dem Willen des NRW-Schulministeriums in den nächsten Jahren flächendeckend umgesetzt werden. Foto: dpa

Paschen will aber nicht missverstanden werden. "Inklusion ist machbar. Wir an der Andreasschule wollen sie." Aber wenn man die Arbeit im Sinne der Kinder gut machen wolle, brauche man unbedingt ausreichende personelle, finanzielle und räumliche Ressourcen dafür. "Der Personalschlüssel und die geeigneten Fachkräfte sind schon mal das A und O für gemeinsames Lernen von Kindern mit und ohne extra Förderbedarf", betont Paschen. Und genau da sei noch nicht alles realisiert.

Die Andreasschule habe derzeit sechs Förderkinder integriert. In den Klassen 3 und 4 arbeite man wie zuvor schon mit Kindern mit sonderpädagogischem Bedarf. In der Klasse 1 seien jetzt Schüler auch mit anderem Förderbedarf aufgenommen worden. "Wir haben uns schon länger darauf vorbereitet. Ich habe ein sehr kompetentes Kollegium. Und wir sind dankbar, dass Inklusion bei uns nun so gut klappt, wenn alle Lehrer an Bord sind", berichtet Paschen.

Andererseits träten immer dann Probleme auf, wenn krankheitsbedingte Ausfälle zu beklagen seien. Dann müsse sie Unterstützungskräfte aus dem städtischen Pool beantragen, die sie nicht immer bekommen könne. Außerdem fehlten insgesamt in Bonn Förderlehrer und Schulbegleiter. "Ein autistisches Kind braucht eigentlich eine konstante Eins-zu-Eins-Betreuung, Wie soll man die bei Ausfällen garantieren?"

Inklusive Arbeit unter den genannten Bedingungen sei eine Win-Win-Situation für alle, betont Paschen. Für die Lehrer sei die Kooperation mit Sozialpädagogen eine Bereicherung. Mit einer Doppelbesetzung gelinge die Klassengemeinschaft mit Förderkindern sehr gut. "Wir haben wunderbare Kinder, die das mittragen und bei denen dadurch tolle Kräfte freigesetzt werden."

Paschen hofft aber, dass eine Schule auch bei eventuellen Grenzfällen gehört werde. "Denn nicht jedes Kind kann von einer Regelschule profitieren. Ich meine, es muss auch weiter Förderschulen geben."

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