Stadtbücherei

45.000 Euro Schaden - Ein Jahr Strafe für Griff in die Kasse

BONN.  Der Fall von zwei Mitarbeitern der Stadtbücherei, die über Jahre hinweg Geld unterschlagen haben sollen, beschäftigte jetzt erneut den Rechnungsprüfungsausschuss in nichtöffentlicher Sitzung. Es geht um rund 45.000 Euro, die die beiden Bediensteten in die eigene Tasche gesteckt haben sollen.

 

Aufgeflogen war die Sache bereits vor gut anderthalb Jahren nach einer Anzeige, die per E-Mail bei der Stadt eingegangen war. Einer der Beschuldigten räumte damals ein, Bibliotheksgebühren abgezweigt zu haben und zwar immerhin in Höhe von rund 30.000 Euro.

Die Stadtverwaltung fackelte nicht lange und schloss mit dem Mann einen Auflösungsvertrag. Eine Strafanzeige erhielt er trotzdem. Inzwischen, so erfuhren die RPA-Mitglieder nun aus dem Prüfbericht, ist der ehemalige Bibliothekar rechtskräftig zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr verurteilt worden.

Die Schadensersatzverhandlungen seien allerdings noch nicht abgeschlossen. "Viel zu holen ist bei dem wohl nicht mehr", meinte ein Ausschussmitglied hinter vorgehaltener Hand.

Komplizierter sieht die Sache in dem anderen Fall aus: Die Büchereikraft soll rund 15.000 Euro unterschlagen haben. Weil sie einem Auflösungsvertrag nicht zustimmte, kündigte die Stadt ihr fristlos und erstattete ebenfalls Strafanzeige. Diese Person, nach GA-Information handelt es sich um eine Frau, wehrte sich gegen die Entlassung.

Es kam zum Rechtsstreit, den die Stadt schließlich in zweiter Instanz verlor. Sie hatte, so befand das Gericht, die Kündigungsfrist nicht eingehalten. Die Stadt musste die Frau wieder einstellen. Sie arbeitet nun an anderer Stelle - ohne Zugang zu Bargeld. Das Ermittlungsverfahren gegen sie läuft noch.

Dem Bericht zufolge war es die mangelnde Kassensicherheit, die die Mitarbeiter ausgenutzt haben sollen. Und auch zu lasche Kontrollen, weswegen die Vorgesetzten ermahnt wurden. Laut Prüfbericht sollen nun alle Mitarbeiter angehalten werden, die Kassen streng nach Dienstvorschrift zu führen.

Auf ähnliche Zustände waren die Rechnungsprüfer vorher schon in den städtischen Schwimmbädern gestoßen. Seit Jahren soll dort ein neues Kassenautomatensystem eingeführt werden. Das ist vor dem Hintergrund der Bäderdebatte bisher nicht erfolgt, teilte Isabel Klotz vom Presseamt am Donnerstag auf GA-Nachfrage mit. Für die Politiker könnten die Sicherheitslücken längst auf einfache Weise, zumindest teilweise geschlossen werden: "Ich plädiere für ein Vier-Augen-System", meinte einer.

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