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Maidemo in Beuel
Pfefferspray-Einsatz der Polizei - Video wirft Fragen auf
Von Andreas Baumann und Ayla Jacob
BONN. Mit rund 2000 Beamten sorgte die Polizei am Dienstag für einen weitgehend friedlichen Verlauf des Neonazi-Aufmarsches in Beuel. Ein Internetvideo verschärft nun aber die Zweifel daran, dass der Einsatz gegen die Gegendemonstranten immer verhältnismäßig war. Es zeigt eine massive Attacke mit Pfefferspray - ohne dass die Menge die Polizisten hart angegriffen hätte.
Es passiert gegen 12.20 Uhr am Rand des Beueler Bahnhofsplatzes, wo eine Polizeikette Hunderte von Demonstranten hindert, zum Bahnhof vorzurücken. Die Szene spielt unterhalb eines großen Wohnblocks: "Wir sind gegen die Nazis", ruft ein junger Mann ins Megafon. "Wir wollen da nur friedlich demonstrieren. Lasst uns durch."
Um ihn herum keine Vermummten, sondern Jugendliche und Erwachsene in normaler Kleidung. Dann erschallen "Nazis raus!"-Rufe; die Menge drängt zur Polizeikette. Ohne jede Vorwarnung sprüht ein Polizist über die Köpfe seiner Kollegen hinweg meterweit und ungezielt auf die Demonstranten, mindestens fünf Sekunden lang. Die Menschen schreien, zwei Dutzend Betroffene schlagen die Hände vor die Gesichter und versuchen zu fliehen.Einer von ihnen ist der Schüler Dario (17) aus Bonn. Er ist mit seinem gleichaltrigen Kumpel Kai gekommen, um "Präsenz gegen die Nazis zu zeigen". Und erzählt dem GA eine Viertelstunde später mit tränenden Augen und geschwollenem Gesicht, wie er die Pfefferspray-Attacke erlebt hat: "Ich stand mit Kai in der vierten Reihe. Völlig friedlich.
Die Anzahl der offensichtlich gewaltbereiten Gegendemonstranten um mich herum hat dann zugenommen. Dann gab es Druck von hinten in Richtung Absperrung. Die Polizei hat ohne Vorwarnung Pfefferspray eingesetzt. Ich konnte nichts mehr sehen, bin zum Glück von jemandem aus der Menge geführt worden." Er verstehe, dass die Polizei gegen Gewaltbereite vorgehe. "Aber dabei darf sie doch keine Unschuldigen treffen!"
Das Video vom Pfefferspray-Einsatz bei YouTube:
Petra Merz von den Grünen stand einige Meter entfernt. Sie habe nicht beobachten können, was an der Absperrung passierte, erzählt sie. Nur so viel: "Bei uns war überhaupt nichts. In der Ecke wurde es auf einmal laut, dann kam das Pfefferspray." Das sei bis zu ihnen hinübergezogen.
Polizei wollte Videoausschnitte nicht kommentieren
Die Polizei lehnte es am Freitag ab, "einzelne Videosequenzen" zu kommentieren. "Es hat keinen geschlossenen Pfeffersprayeinsatz gegeben", teilte die Bonner Pressestelle mit. "In Einzelfällen haben Beamte aus Eigensicherungsgründen Pfefferspray eingesetzt, oder weil keine andere Möglichkeit bestand, das Gleisbett der Bundesbahn von einzelnen aggressiven Störern freizuhalten."Vorher sei aus der Menge heraus dazu aufgerufen worden, die Gleise zu besetzen. Damit kann die Szene am Wohnblock aber kaum gemeint sein - der ist von den Gleisen 30 bis 40 Meter entfernt.
Auch am Beueler Hallenbad griff die Polizei zum Pfefferspray. Dort hatten gegen 11 Uhr rund 400 Gegendemonstranten eine Handvoll Beamte schon fast überrannt, als das Reizmittel zum Einsatz kam. "Diese Sperrstelle musste gehalten werden", erklärte die Polizei. Ziel: Den 500 Meter langen Zugweg der Neonazis auf der Goetheallee frei zu halten, um Zusammenstöße beider Seiten zu verhindern.
50 Verletzte bei Demo
Rund 50 Verletzte haben die Demo-Sanitäter laut Gegenbündnissprecher Mani Stenner versorgt. "Die meisten mit Augenreizungen." Ein Jugendlicher, der am Bahnhofsvorplatz war, sei ins Krankenhaus gebracht und lange behandelt worden - wegen eines Schlags aufs Auge, dem Pfefferspray und Prellungen. "Wir haben ihm geraten, ein Attest anfertigen zu lassen", so Stenner."Es ist nicht zu akzeptieren, dass Pfefferspray eingesetzt wird, bevor ein Wort fällt oder Schilde eingesetzt werden." Anscheinend sei das aber mittlerweile NRW-Taktik. "Ein Hundertschaftsführer vor Ort hat mir gesagt: Ja, wir machen das so. Wenn was passiert, setzten wir Pfefferspray ein, ohne lange zu fackeln."
Polizeisprecher Harry Kolbe erklärte: "Wenn Herr Stenner meint, der Einsatz sei überzogen gewesen, soll er Anzeige erstatten." Dann prüfe die Staatsanwaltschaft die Sache.
Artikel vom 05.05.2012
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