Hundewiesen in Beuel

Auch das Paradies hat Grenzen

BEUEL.  Wohl keine andere Großstadt in Deutschland bietet Hunden ein solches Paradies: Eine Freilaufwiese von rund 65.000 Quadratmetern, gepflegt und unterhalten vom Verein "Hundefreilauf Bonn" - ein Platz zum Rennen, Toben und Jagen in den Beueler Rhein-Sieg-Auen. Zwar ist Freilauf für Hunde eine wichtige Voraussetzung, jedoch längst keine Garantie für ein glückliches Haustier oder für eine artgerechte Haltung.
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Hier fühlen sich Hunde wohl: Auf der Freilaufwiese am Beueler Rheinufer dürfen sie ohne Leine herumtollen. Regeln brauchen sie aber auch hier, meint der Experte.
												Foto: Max Malsch

Hier fühlen sich Hunde wohl: Auf der Freilaufwiese am Beueler Rheinufer dürfen sie ohne Leine herumtollen. Regeln brauchen sie aber auch hier, meint der Experte. Foto: Max Malsch

Dass zur richtigen Erziehung und zum gelingendem Umgang mit Bello, Hasso und Co. mehr gehört, als ihn von der Leine und sich selbst zu überlassen, konnten die Mitglieder des Vereins "Hundefreilauf Bonn" sowie Gäste am Mittwochabend im Gustav-Stresemann-Institut bei dem Vortrag von Jan Nijboer erfahren.

Sicherheitshalber schickte dieser seinem Vortrag die Warnung voraus: "Ich werde heute Abend unter Umständen ein paar Schock-Therapien durchführen." Denn es seien gerade langjährige Hundebesitzer, die sich in ihrer Führung sicher fühlten, die Probleme mit seiner Forderung hätten, die Welt aus den Augen der Hunde zu sehen. Die entscheidende Frage sei nicht: "Was dürfen Sie von Ihrem Hund erwarten?", sondern "Was erwartet der Hund von uns?".

Viele Probleme, die in der Hundeerziehung entstünden, so erklärte der Erziehungsfachmann, hätten ihre Ursache in der emotionalen Verbindung, die die Menschen zu ihrem Hund herstellen. Kurz gesagt: Indem man ihm menschliche Gefühle und Bedürfnisse unterstellt, wird das Tier vernachlässigt.

Daher dürfe Freilauf nicht so verstanden werden, als hätte der Hund einen Freiheitsdrang, wie etwa der Mensch. Auch ohne Leine brauche er Regeln und Betreuung. "Für die zunehmende Einschränkung des Hundelebens in den Städten ist vor allem der Hundehalter schuld", kritisierte Nijboer die fehlverstandene Fürsorge der Besitzer.

Für die erwartete Schockwirkung bei den Mitgliedern des Vereins "Hundefreilauf Bonn" sorgt diese Ansicht allerdings nicht. Stattdessen fand der Experte bei seinen Zuhörern offene Ohren. "Uns ist es wichtig, dass die Hundebesitzer das Angebot der Freilaufwiese verantwortungsvoll nutzen", sagte Susanne Glaeske, stellvertretende Vorsitzende des Vereins "Hundefreilauf Bonn". Dazu gehöre es zum Beispiel, andere Hundebesitzer auf Fehlverhalten im Umgang mit ihren Tieren und auf Rücksichtnahme mit Radfahrern und Spaziergängern hinzuweisen.

Zu dem respektvollen Umgang gehöre eben nicht nur das Aufstellen von Kottütenspendern, sondern vor allem aktive Aufklärung mit Veranstaltungen und Vorträgen. Nur so könne es gelingen, dass friedliche Nebeneinander von Hundebesitzern und Spaziergängern aufrechtzuerhalten, sagte Glaeske.

Seit 2010 ist der Bonner Hundeverein Pächter des 65.000 Quadratmeter großen Geländes unterhalb der Nordbrücke, zwischen Rhein und Beueler Kläranlage. Die Mitglieder des Vereins kümmern sich in ehrenamtlicher Arbeit und mit Hilfe von Spenden und Mitgliedsbeiträgen, um die Sauberkeit und die Pflege der Rheinwiese.

Weitere Infos unter www.hundefreilauf-bonn.info.dom und www.natural-dogmanship.de.

Zur Person:
Nach langjähriger Erfahrung als Hundezüchter widmet sich Jan Nijboer seit 1984 professionell der Hundeerziehungsberatung. Zunächst bildete der Sozialpädagoge für diverse Stiftungen Trainer für Servicehunde aus, bevor er ab 1998 die Fachausbildung zum Hundeerziehungsberater anbot. Als Dozent war und ist der 1959 geborene Niederländer an verschiedenen Hochschulen tätig, unter anderem an der Universität Groningen und der Alice-Salomon-Hochschule in Berlin. Über die von ihm entwickelte Erziehungsphilosophie "Natural Dogmanship" veröffentlichte er mehrere Fachbücher und Filme.

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