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Krimilesung im Polizeipräsidium
Angler entdeckt Leiche im Rhein
Von Joachim Wagner
RAMERSDORF. Ein Angler zieht bei Königswinter eine Leiche aus dem Rhein. Als die Polizei eintrifft leuchtet sie, dekoriert mit anglertypischen Knicklichtern. Der zweite Fall für Kriminalhauptkommissar Jan Seidel und seine Großmutter Edith Herzberger, die "rheinische Miss Marple".
In passender Kulisse liest die Schriftstellerin Judith Merchant aus ihrem Krimi 'Loreley singt nicht mehr'. Foto: Max Malsch
In der Lesereihe "Krimiabend im Polizeipräsidium" las die Königswinterer Schriftstellerin Judith Merchant aus ihrem zweiten Buch "Loreley singt nicht mehr". Begleitet vom Jazzensemble des Landespolizeiorchesters Nordrhein-Westfalen, das mit Melodien bekannter TV-Krimis glänzte, gab die Autorin charmant einige Hintergründe zur Entstehungsgeschichte des Romans preis.
"Die Vollendung eines Krimis ist sehr anstrengend, insbesondere für mein Umfeld", erklärte Merchant. Trotzdem begann sie mit der Arbeit am Nachfolger ihres Erstlings "Nibelungenmord" noch bevor dieser überhaupt erschienen war. "Der Verlag sagte, den Kommissar und den Ort solle ich einfach wiederverwenden, sonst sei ich völlig frei", scherzte sie. Auch ihr zweiter Roman spielt daher im heimischen Königswinter, erneut steckt eine Rheinsage den Rahmen.
Rund 200 Zuhörer im Bonner Polizeipräsidium folgten den humorvollen Erzählungen der Autorin, die sich früh schon für Miss Marple begeistern konnte und sie als Vorbild für Oma Edith beschreibt. "Der Kommissar ist im Grunde ein Nebenprodukt seiner Großmutter", erläuterte Merchant, die sich wunderte, dass diese erfolgreiche Figur praktisch nie kopiert wurde, während skandinavische Kommissare mit Alkoholproblemen wie Pilze aus dem Boden schießen.
Das passende Umfeld für eine Krimilesung bot das Polizeipräsidium, das durch das Konzept des "offenen Hauses" Berührungsängste mit den Bürgern abbauen will, wie der Vorsitzende des Kultur- und Krimivereins der Polizei Bonn, Jörg Pfefferkorn, erklärte.
Enttäuschen musste ihn die Krimiautorin in einem Punkt dann doch: "Ganz viel der typischen Polizeiarbeit ist für einen Roman leider völlig ungeeignet", gab Merchant zu.
Artikel vom 07.12.2012
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