Unter Denkmalschutz

Bahnhöfe suchen neue Besitzer

OBERKASSEL/LIMPERICH.  Die Stadtwerke werden alte Immobilien nicht los, auch das frühere Gefängnis in Oberkassel nicht. Sie sind über 100 Jahre alt, stehen allesamt unter Denkmalschutz und sollen verkauft werden.
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An der Kreuzherrenstraße in Limperich: Der Bahnhof wird inklusive des 1100 Quadratmeter großen Grundstücks verkauft, nachdem die bisherige Mieterin ausgezogen ist.
												Foto: Max Malsch

An der Kreuzherrenstraße in Limperich: Der Bahnhof wird inklusive des 1100 Quadratmeter großen Grundstücks verkauft, nachdem die bisherige Mieterin ausgezogen ist. Foto: Max Malsch

Die Stadtwerke wollen sich von zwei weiteren alten Bahnhofsgebäuden in Beuel trennen und außerdem in Oberkassel das frühere Wasserwerk mit dem dahinter liegenden ehemaligen Arresthaus (Gefängnis) an den Mann bringen. Das Problem: Für zwei der drei Objekte sind schon seit mehr als zwei Jahren keine Käufer zu finden.

"Diese Immobilien werden von uns betrieblich nicht mehr benötigt", sagt SWB-Sprecherin Veronika John. Eigentlich könnten es attraktive Verkaufsobjekte sein, gerade in Zeiten, in denen Anleger verstärkt auf "Betongold" setzen. Dennoch schrecken Interessenten offenbar zurück:

Die beiden Bahnhöfe liegen direkt an den Bahngleisen der Linie 62, die Ausstattung ist auch eher von vorgestern. Und die Bausubstanz teilweise marode. Hinzu kommt der Denkmalschutz, der einige Nutzungen verbietet. Kein einfacher Job also für die Immobilienabteilung im SWB-Haus an der Theaterstraße, die vorgegebenen Mindestpreise zu erlösen.

  • Kreuzherrenstraße 29 (Limperich): Hier steht das frühere Stationsgebäude/Wärterhaus (Baujahr 1910) nahe der Haltestelle Limperich inzwischen leer. Die bisherige Mieterin ist ausgezogen, weshalb die Stadtwerke das Haus nun verkaufen wollen. Ausstattung: einfach bis mittel. Das Haus hat auch nur 65 Quadratmeter Wohnfläche, aber ein fast 1100 Quadratmeter großes Grundstück. Preis: mindestens 335.000 Euro.
  • Teichstraße 5 (Oberkassel): Hier steht das im Volksmund als "evangelischer Bahnhof" bezeichnete Gebäude (Baujahr 1910), das zu einem Mehrfamilienhaus umgebaut ist, in dem alle vier Wohnungen vermietet sind. Schäden am Putz und im Anstrich sind erkennbar, aber vor allem soll der Käufer die Mietverträge der Bewohner übernehmen. Wahrscheinlich ist das Objekt auch deshalb seit 2010 ein Ladenhüter. Der Denkmalschutz bezieht sich nur auf das Äußere des Gebäudes. Preis: mindestens 325.000 Euro.
  • Königswinterer Straße 803 (Ecke Röckesbergstraße, Oberkassel): Hier steht ein zweigeschossiges Einfamilienhaus mit Erdgeschoss-Anbauten (Baujahr 1894 bis 1912). Es ist das ehemalige Wasserwerk Oberkassel. Dahinter liegt ein Ziegelbau mit Fachwerk, das ehemalige Gefängnis (Baujahr um 1900), in dem seit 28 Jahren das Zeughaus der Kaasseler Jonge ist. Auch diese beiden Objekte sind seit zwei Jahren Ladenhüter. Preis: mindestens 190.000 Euro.

Die Kaasseler Jonge sehen die Verkaufsabsichten ihres Zeughauses, das sie in Eigenarbeit ausgebaut haben, mit großer Sorge: "Der Verkauf wäre für uns eine Katastrophe, es sei denn wir bekämen dafür die Wagenhalle in der Heinrich-Konen-Straße hinter dem alten Betonwerk", sagt Dietmar Brenner, Vorsitzender der Karnevalsgesellschaft. In der Wagenhalle steht seit acht Jahren bereits die komplette Ausrüstung des Vereins, und in einem angrenzenden Bürogebäude wäre noch Platz für das Zeughaus, wenn das alte Domizil verkauft würde.

"Aber dort sollen im Zuge des S-13-Baus Parkplätze hin", sagt Brenner, der insofern hofft, dass die SWB mit ihren Verkaufsabsichten keinen Erfolg haben. Der Chef der Kaasseler Jonge befürchtet: "Wenn die Wagenhalle wegfällt, ist der Straßenkarneval in Oberkassel tot."

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