Bergfriedhof in Küdinghoven

Wildschweine gruben 70 Gräber um

Küdinghoven.  Entsetzen herrschte am Donnerstagmorgen auf dem Bergfriedhof in Küdinghoven. Wildschweine hatten in der Nacht zu Mittwoch bis zu 70 Gräber durchwühlt.
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Schwester Adelheidis vom Herz-Jesu-Kloster und Gärtnermeister Karl Wengenroth begutachten die Schäden auf den Gräbern des Küdinghovener Bergfriedhofs.
											Foto: Holger Willcke

Schwester Adelheidis vom Herz-Jesu-Kloster und Gärtnermeister Karl Wengenroth begutachten die Schäden auf den Gräbern des Küdinghovener Bergfriedhofs. Foto: Holger Willcke

"Der Schaden ist immens hoch. Ich gehe von mehreren tausend Euro aus. Um alle Gräber wieder herzurichten, benötigen wir mehrere Tage. Und da der Boden derzeit hart gefroren ist, können wir im Moment überhaupt nichts an dem Zustand ändern", sagte Gärtnermeister Karl Wengenroth, der viele der zerstörten Gräber im Auftrag pflegt.

"Letztes Jahr die Rehe, dieses Jahr die Wildschweine. Wie soll das weitergehen. Die Schäden werden immer schlimmer", klagte Schwester Adelheidis, die am Donnerstag vom Herz-Jesu-Kloster in Ramerdorf zu Fuß zum Pfarrfriedhof hoch marschiert ist, um die Gräber der verstorbenen Mitschwestern zu kontrollieren.

Hermann-Josef Schickenberg schüttelte den Kopf, als er am Donnerstag am Familiengrab stand: "Alle Pflanzen sind ausgerissen, die Wurzeln und das Grün abgefressen - schrecklich. Was sollen wir jetzt machen?" Josef Kuchem ist enttäuscht von der Stadt: "Bereits nach dem ersten September-Wochenende haben wir die Stadt über die Anwesenheit der Wildschweine informiert. Da haben sie den Garten meines Sohnes umgegraben. Wir mussten zwölf Schubkarren mit Erde und Grasnarbe abtransportieren. So ein Wildschein kann auch mal für einen Menschen gefährlich werden, wenn es sich angegriffen fühlt."

Viele Bürger fragten sich am Donnerstag auf dem Friedhof, wer eigentlich für die Wildschwein-Plage zuständig ist und warum plötzlich so viele Schwarzkittel im Ennert unterwegs sind. Zur ersten Frage nahm Jagdpächter Hans Clemens aus Küdinghoven Stellung: "Im Wald und auf der freien Fläche bin ich als Jäger zuständig, aber in der Übergangszone von der Natur zur Bebauung ist Jagen viel zu gefährlich und auch verboten. Da muss jeder Grundstückseigentümer sein Areal mit vernünftigen Zäunen sichern."

Das Wildschwein-Thema sei aus dem Ruder gelaufen, so Clemens, der die Stadt vor einem halben Jahr auf das Problem aufmerksam gemacht haben will. Zur zweiten Frage äußerte sich Revierförster Bernd Sommerhäuser vom Regionalforstamt Rhein-Sieg-Erft: "Die Wildschweine finden in diesem Winter nicht genug Futter im Wald.

Zum Beispiel Buchen und Eichen haben sich nach dem starken Fruchtjahr 2011 in diesem Jahr erholt und nur wenige Bucheckern und Eicheln ausgebildet." Durch das Mastjahr 2011 hätten die Bachen aber zweimal Nachwuchs gehabt, weswegen so viele Wildschweine unterwegs seien. Sommerhäuser: "Wir haben uns noch am 20. November zur Treibjagd im Ennert getroffen, aber kein Wildschwein aufgestöbert."

 Nach Auskunft des Presseamts sind die Warnungen aus der Bürgerschaft im Stadthaus nicht angekommen. "Wir haben alle Schlupflöcher geschlossen und sogar Bauzaunelemente aufgestellt.

Das Tor zum oberen Hangweg wird möglichst bald repariert", erklärte Isabel Klotz vom Presseamt. Mitarbeiter des Amtes für Stadtgrün hätten am Donnerstag bis Einbruch der Dunkelheit versucht, die durchwühlten Gräber so gut wie möglich zu glätten und die Pflanzen wieder einzusetzen. "Bislang gab es am Bergfriedhof keine Schwierigkeiten mit Wildschweinen", sagte Klotz.

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