Siebenjährige leidet an Muskelschwund

Mit Hannah wächst auch der Rollstuhl

KÜDINGHOVEN.  Während die Erwachsenen um sie herum über Dividenden, Genossenschaft, Solidaritäts-Fonds und VW-Busse sprachen, erkundete Hannah neugierig und unbekümmert den Arbeitsbereich der Volksbankfiliale in Küdinghoven. Sie ist sieben Jahre alt und sitzt im Rollstuhl, der sie ihr ganzes bisheriges Leben begleitet hat und das auch weiter tun wird: Hannah leidet an Spinaler Muskel-Atrophie (SMA), im Volksmund Muskelschwund genannt.
Freude bei der Spendenübergabe: Vater Jörg Hardt (links), Volksbank-Vorstandschef Jürgen Pütz und Hannah.
							Foto: Max Malsch
Freude bei der Spendenübergabe: Vater Jörg Hardt (links), Volksbank-Vorstandschef Jürgen Pütz und Hannah. Foto: Max Malsch

"Das betrifft alle rumpfnahen Muskeln", erklärte ihr Vater Jörg Hardt. Eine progressive und bisher nicht heilbare Erkrankung der Nerven: "Das wird nie besser, sondern immer schlimmer."

Mit Hannah wird auch der Rollstuhl wachsen, und dafür will die Familie ein größeres Transportfahrzeug anschaffen. Um das nicht alleine stemmen zu müssen, wandte sich Hardt an die Volksbank Bonn Rhein-Sieg, die kürzlich den Solidaritäts-Fonds gegründet hat.

Rund 100.000 Euro stehen zur Verfügung, die laut dem Vorstandsvorsitzenden Jürgen Pütz dadurch zustande kamen, dass alle rund 60.000 Mitglieder auf 0,25 Prozent ihrer Dividende verzichtet haben. Das Geld soll Genossenschaftsmitgliedern wie Familie Hardt zur Verfügung gestellt werden, die unverschuldet in Not geraten sind.

Die Spende für Hannah ist die erste größere Summe aus diesem Fonds. "Das ist für uns ein besonderer Moment", so Pütz. Der VW-Bus soll es Hannah ermöglichen, ein möglichst normales Leben zu führen. Geistig ist sie auf ganz normalem Niveau für ihr Alter, weshalb die Eltern sie nicht in einer Förderschule, sondern an der Oberkasseler Gottfried-Kinkel Grundschule angemeldet hatten.

Dort besucht sie jetzt die zweite Klasse. Die Schulleitung sei ihnen sehr entgegen gekommen, sagte Hardt: Ganz im Sinne der Barrierefreiheit hatte man - nicht nur für Hannah, aber doch anlässlich ihrer Anmeldung - für die Anschaffung von Liften und ähnlichem gesorgt. Eine Pionierleistung sozusagen.

Mit ihrer Situation habe sich Hannah arrangiert, sagte Hardt. Schwer sei es für sie, wenn Gleichaltrige zum Beispiel Radfahren lernen, was sie nicht kann. Und hin und wieder frage sie, warum ihr zwei Jahre älterer Bruder normal laufen könne, sie aber nicht. Von 10.000 Euro kann man natürlich noch keinen VW-Bus anschaffen, der entsprechend ausgestattet ist und auch einige Jahren hält.

Etwas mehr als 30.000 Euro müsse man da schon investieren, rund 25.000 Euro habe die Familie durch Spenden wie die aus dem Fonds und aus ihrem Spendenkonto bei der Deutschen Muskelstiftung zusammen. Volksbank-Sprecher Willi Wester rief deshalb die Bonner auf, in der Weihnachtszeit noch einmal an Hannah zu denken und ein wenig zu spenden, damit die Hardts im Januar einen Kaufvertrag abschließen können.

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