Rohrverlegung nach neuem Verfahren

Kanalbau in der kleinen Kiste

KÜDINGHOVEN.  Riesige Kanalrohre mit einem Durchmesser von bis zu 2,80 Meter werden derzeit an Haldenstraße, Broichstraße und Erlenweg im Boden versenkt. Sie bieten Stauraum für 900 000 Liter Wasser. Zusammen mit einem in die Rohre eingebauten Rückstauventil sollen sie künftig vor Überflutungen am unteren Teil der Königswinterer Straße schützen und den Hauptsammler am Brünnchen entlasten.
Kanalbau zwischen Spundwänden: Das Baggerschild gräbt genau die Kontur des zu verlegenden Rohres aus dem Erdreich.
							Foto: Max Malsch
Kanalbau zwischen Spundwänden: Das Baggerschild gräbt genau die Kontur des zu verlegenden Rohres aus dem Erdreich. Foto: Max Malsch

Die Baustelle dauert voraussichtlich noch bis Ende September. Um die Rohre zu verlegen, kommt zum ersten Mal in Bonn ein Verfahren zum Einsatz, das Zeit spart und die Nerven der Anwohner schont.

"Es ist ein Kanalaustausch, der nicht alltäglich ist", sagt Werner Bergmann, Leiter des Tiefbauamts. Anstatt die gesamte Straße aufzureißen, gibt es in Küdinghoven eine Wanderbaustelle. Es wird nur in einer sieben mal 3,20 Meter großen Kiste aus Spundwänden gearbeitet, die in den Boden gelassen wird. Genau zwei Kanalrohre passen dort hinein, so viele, wie die fünf Arbeiter pro Tag verlegen. "Was morgens aufgemacht wird, ist abends wieder zu", so Bergmann. Sobald die Rohre verlegt sind, kann die Kiste wie ein Schlitten zum nächsten Bauabschnitt weitergezogen werden.

Ein maßangefertigtes Baggerschild gräbt in dem Loch genau die Kontur des zu verlegenden Rohres aus dem Erdreich. Bei dem tonigen Boden ist das kein Problem, das Profil bleibt erhalten. Ein Laserstrahl zeigt dem Baggerführer an, ob er den Graben richtig zieht. Fünf bis acht Meter tief graben die Baggerschaufeln. So kann das Rohr direkt in die Erde gelegt werden.

Die ausgehobene Erde wird vor Ort mit Kalkzement angereichert, um sie stabiler zu machen, und direkt wieder in die Baugrube gefüllt. "Das macht das Verfahren auch ökologisch sinnvoll. Wir sparen ungefähr 10 000 Lastwagen-Kilometer, weil die Erde nicht mehr zu einem Materialhof gefahren werden muss.", erklärt Christoph Bothner, Projektleiter der Firma Uhrig aus Geisingen im Schwarzwald. Für die Anwohner in Küdinghoven ergeben sich daraus mehrere Vorteile: Sie können ihre Häuser durchgehend zu Fuß erreichen, der Baulärm hält sich in Grenzen, und die Abwässer werden weiterhin abgeleitet. Außerdem verkürzt sich die Bauzeit um mehr als die Hälfte. Die Kosten für die Sanierung betragen rund 1,4 Millionen Euro.

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