Katholische Grundschule Holzlar

"Das Ding ist im Grunde völlig hinüber"

HOLZLAR.  Die Katholische Grundschule Holzlar ist in einem erbärmlichen Zustand - Der Schimmel kommt wieder durch - Zu wenig Platz und schlechte Isolierung
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Morgens früh ist die Welt der 2 b noch in Ordnung. Doch schon ab 10 Uhr wird es derzeit in der Klasse heiß wie in einem Backofen.
												Foto: Max Malsch

Morgens früh ist die Welt der 2 b noch in Ordnung. Doch schon ab 10 Uhr wird es derzeit in der Klasse heiß wie in einem Backofen. Foto: Max Malsch

Wer im Sekretariat der Katholischen Grundschule Holzlar etwas zu erledigen hat, muss draußen bleiben. Das Büro ist mit Schreibtisch, Bildschirmarbeitsplatz und einem kleinen Schrank schon so vollgestellt, dass sich gerademal die Sekretärin auf ihrem Stuhl einmal um sich drehen kann. Ein Besucher hat da keinen Platz mehr.

Darum steht die Tür auch stets weit offen. Bei Manfred Hoyer herrschen dagegen herrschaftliche Verhältnisse. Verhältnismäßig. Das Zimmer des Rektors ist eine Mischung aus Zwischenlager, Abstellraum und Büro. In einer Ecke steht ein PC für Verwaltungsarbeiten, der mangels Platz nicht angeschlossen ist. Unterrichtsmaterialien und Lehrerhandbücher quellen aus Schränken und Regalen.

Die einfachverglasten Fenster in dem Schulgebäude an der Holzlarer Hauptstraße sind wohl noch aus den 60er Jahren. Der Blick fällt hinaus auf den Schulhof. Dort haben Bauarbeiter einen Streifen aufgerissen und legen Kabel in die Erde. Die Stromkabel waren bislang von Haus zu Haus gespannt gewesen und mussten stets hochgespannt werden, weil sie immer wieder runterhingen und die Kinder Gefahr liefen, zu ihnen hochzuspringen. Jetzt sollen sie ein für alle Mal im Erdreich verschwinden. Außerdem stellte die ausführende Firma, die neue Steckdosen in die Klassenräume im Anbau installieren wollte, fest, dass der Sicherungskasten dermaßen marode war, dass die Elektriker ihn kaum anfassen wollten.

In diese Schule wurde schon ewig lang kein Geld mehr gesteckt. Beim Gang durch die Flure fallen herabhängender Putz, vergilbte Wände, die seit mindestens 30 Jahren keine Farbe mehr gesehen haben, und tiefe Risse in den Wänden auf. Damit die Türen der Außentoiletten wenigstens Farbe ins alte Gemäuer bringen, haben Mütter sie in Lila, Orange und Blau gestrichen.

Doch. Geld hat die Stadt Bonn noch für die Räume der Übermittagsbetreuung im Keller ausgegeben. In den Osterferien wurde nach massivem Druck durch die Eltern der Schimmel in der kleinen Küche beseitigt und der feuchte Boden ausgewechselt. Der Schimmel blüht inzwischen wieder über der Fußleiste, und wenn der Hausmeister nicht früh morgens die Fenster aufreißen würde, würde es wohl auch wieder muffig riechen. Die Feuchtigkeit steckt immer noch in den Räumen.

"Die Lage ist schön, aber die alte Dorfschule ist mit den Ansprüchen ans Schul~angebot einfach nicht mitgewachsen", meint Rektor Hoyer bescheiden. "Die Räume sind darauf ausgerichtet, dass die Kinder in Reih und Glied an ihren Pulten sitzen und auf den Lehrer achten, der vorne an der Tafel steht." Für Gruppenarbeit oder Differenzierung sind die Klassen einfach zu klein. Da müssen die Lehrerinnen und Lehrer schon viel Fantasie und Engagement zeigen, um ihren Stoff rüberzubringen. In der Klasse 1 b hat man sich mit Holzbänken eine kleine Gruppenecke gebastelt.

"Wir haben weder ein großes Foyer, wo man mal eine Ausstellung machen könnte, noch einen großen Saal, in dem man etwa die Viertklässler gebührend verabschieden könnte", sagt Hoyer, der immer noch darauf hofft, dass irgendwann die Dienstwohnung frei wird und für schulische Zwecke genutzt werden kann. "Dann hätten wir wenigstens ein bisschen Luft", so Hoyer. Dann könnten die Verwaltungsräume komplett nach oben verlegt und etwa aus seinem Büro ein Gruppenraum werden. Auch der Hausmeister könnte dann wenigstens ein kleines Kämmerlein bekommen, in dem er sich mal aufhalten könnte.

Dass der Anbau saniert oder gar erweitert werden könnte, davon wagt Hoyer wenigstens mal hin und wieder zu träumen. Vor allem, wenn er an der Musikschulbaracke vorbeiläuft. "Das Ding ist im Grund auch völlig hinüber", meint er. Wenn man die abreiße, dann . . .

Genau das müsste man auch mit der Schul-Dependance am Heideweg machen, meinen zumindest viele Eltern. Früher Montessori-Kindergarten, heute mit blassblauer, löchriger Kunststofffassade und Zinkblechen versehene Ersatzschule. Den Bänken auf dem Schulhof fehlen teilweise die Holzlatten, und die Metallwinkel schauen raus. Die Beete verdienen den Namen nicht. Festgetretene Sandwüsten. Eigentlich sollte die Verwaltung schon im Februar feststellen, ob der Bau noch sanierungsfähig ist. Die Antwort sind sie Eltern und Lehrern bis heute schuldig geblieben.

Auf die Jungen-Toilette wagen sich nur noch diejenigen, die nicht mehr anders können. Es stinkt erbärmlich. "Nutzerverhalten", hatte unlängst ein Vertreter der Stadtverwaltung erklärt. Kann sein. Aber die Sperrholzwand, an der die Urinale angebracht sind, lässt sich nicht unbedingt hygienisch reinigen. Die Isolierung und Alu-Fensterrahmen entsprechen wohl auch nicht mehr den neuesten Wärmeschutzverordnungen. Die Klasse 2 b führt Buch über die Temperaturen.

Jeden Morgen um 10 Uhr lesen die Kinder am Thermometer die Grade ab. In den letzten Wochen waren es im Schnitt 23 Grad. Und das nur, weil der Hausmeister morgens um 6.30 Uhr alle Fenster aufreißt und Klassenlehrerin Helgard Lenkheit grundsätzlich nur noch bei geöffneter Klassentür unterrichtet. "Sonst gehen die Kinder ein", so Hoyer. "Mittags läuft denen nur noch der Schweiß runter."

Auf der Kirchwiese treffen sich viele der 280 Kinder in den Pausen zum Fußballspielen. Nebenan rücken bald die Bagger an, und der Bau der Seniorenresidenz beginnt. Eltern und Lehrer träumen. Der Bauherr hat ihnen Räume für die Übermittagsbetreuung angeboten. Den Platz könnten sie brauchen.

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