Imbissbuden-Betreiber

Die Familie lebt nach der Explosion in Angst

HOHOLZ.  Die Imbissbuden-Betreiber Sabine und André Weitz denken pausenlos an die Gasexplosion auf Pützchens Markt. Familie Weitz sitzt bedrückt am Tisch und grübelt. Auch noch zwei Tage nach der Gasexplosion auf Pützchens Markt drehen sich die Gespräche in der Gielgenstraße 11 nur um die Frage: Wer hat das getan? Antworten findet die Familie keine.
Die Arbeit muss weitergehen: Sabine Weitz (r.) und ihre Schwester Daniela Zimmermann am Tresen ihres Restaurants in der Gielgenstraße.
								Foto: Holger Willcke
Die Arbeit muss weitergehen: Sabine Weitz (r.) und ihre Schwester Daniela Zimmermann am Tresen ihres Restaurants in der Gielgenstraße. Foto: Holger Willcke

Eigentlich war man zusammen gekommen, um den 69. Geburtstag von Schwiegervater Heinrich Kelz zu feiern. Er entging am Mittwoch dem Anschlag nur um Minuten. "Wenn ich mir vorstelle, mein Vater und unser Metzger Tim Teschner wären zehn Minuten früher zum Abbau der drei Buden losgefahren. Dieses Szenario geht mir immer wieder durch den Kopf", sagt Metzgerei-Chefin Sabine Weitz und weint. Die Angst um ihren Vater sitzt tief.

Die kriminelle Energie, die hinter der Manipulation der Gasanlage steckt, macht der Familie Angst. "Will uns jemand Leid zufügen? Wer riskiert so einfach Menschenleben? Wir haben doch keine Feinde", betont die 38-Jährige. Fragen über Fragen. Auch die Kriminalpolizei kann noch keine Antworten geben.

"Unsere Experten untersuchen Beweisstücke und vernehmen Zeugen. Wir haben einen Gutachter hinzugezogen, um den Tathergang zu rekonstruieren. Aber eines steht fest: "Die Reibekuchenbude wurde aufgebrochen und der Gasanschluss des Bräters wurde absichtlich beschädigt", erklärt Polizeisprecherin Daniela Lindemann am Freitag. Metzger André Weitz bestätigt, dass mehrere Knöpfe und Schalter mit Gewalt deformiert worden sind: "Der Täter wusste, was er tat."

Seit drei Jahren lassen die Weitzs ihre drei Buden auf Pützchens Markt nachts von einem Sicherheitsdienst bewachen. 2009 hatten unbekannte Täter die Türschlösser mit Sekundenkleber verschmiert. Ein halber Tag Verdienstausfall war die Folge, weil niemand die Verkaufsstände so schnell öffnen konnte.

"Heute steht diese Tat für uns in einem ganz anderen Licht. Vielleicht sind es dieselben Täter wie in diesem Jahr. Vielleicht will uns jemand vom Volksfest vertreiben?", fragt sich André Weitz. Neid als Motiv hält die Familie nicht für ausgeschlossen. Seit fast 40 Jahren ist die bekannte Metzgerei aus Hoholz mit ihren Ständen auf der Kirmes vertreten.

"Wir haben vor sechs Jahren mal eine kleine Pause eingelegt als der Vater meines Mannes gestorben ist. Damals haben wir alles verkauft. Aber wenige Jahre später haben wir einen Neustart auf Pützchens Markt gewagt, weil mir diese Art von Arbeit immer viel Spaß bereitet hat", sagt Sabine Weitz.

Gefragt, ob die Familie 2013 wieder auf dem Jahrmarkt vertreten sein wird, sagt sie trotzig: "Ja, wir lassen uns nicht unterkriegen. Viele unserer Kunden haben uns ermutigt. Eine Frau kam in unser Geschäft, brachte Blumen und eine Karte mit lieben Worten vorbei. Das hat gut getan. Aber meine Gedanken drehen sich immer noch um die Explosion in Pützchen. Ich sehe immer wieder die Splitter im Haus der Familie Vögeli und in den Dienstwagen der Volksbank. Es ist wie ein Wunder, dass drei Männer nur Knalltraumata erlitten haben.Was hätte nicht alles passieren können."

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