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Realschule Beuel
Eklat - Lehrer boykottieren Abschlussfest
Von Martin Ochmann
BEUEL. Zu einem Eklat ist es nach der Abschlussfeier der Klassen 10 der Realschule Beuel gekommen: Weil sie sich durch Kommentare in der Abschlusszeitung der Schüler persönlich angegriffen und diffamiert sah, blieb Schulleiterin Margret Heidkamp der von den Schülern organisierten Abschlussfeier am Freitagabend fern. Ein Großteil des Kollegiums solidarisierte sich mit der Schulleiterin und boykottierte ebenfalls die Veranstaltung.
Mit Unverständnis reagieren diese Schüler der Abschlussklassen der Realschule Beuel auf den Lehrerboykott. Foto: Max Malsch
Die Abschlussveranstaltung am Mittag im Beueler Rathaus verlief laut Heidkamp "harmonisch". Im Anschluss wurde jedoch die Abschlusszeitung verteilt, in der die Schulleiterin nach eigener Aussagen "diffamiert" wurde. Zur Feier am Abend erschienen daraufhin vier Klassenlehrer und verlasen eine Erklärung der Schulleitung, in der den Schülern erklärt wurde, warum die Lehrer nicht an der Feier teilnehmen. Dann verließen sie die Feier und ließen die verdutzten Eltern und Schüler zurück.
Die Schüler sind traurig und wütend. "Das war natürlich Gesprächsthema des Abends, manche der Mädchen haben sogar geweint, andere waren einfach nur stinksauer", berichtete Absolvent Björn Seyfert am Dienstag dem GA. Auch er bedauert den Boykott. "Manchen Lehrern hätte ich schon noch gerne Tschüss gesagt." Auch Dennis Freitag schaute kurz bei der Feier vorbei. "Wir fanden das schon ziemlich krass, dass die Lehrer nicht gekommen sind. Man muss doch auch ein bisschen Kritik aushalten können", meint Freitag.
"Die Reaktion ist übertrieben", meint Samuel Gomulla. Immerhin hätten die Schüler mit einigen der Lehrer sechs Jahre lang Unterricht gehabt, Kritik müsse da doch erlaubt sein, immerhin sei das Urteil der Schüler vor diesem Hintergrund einigermaßen fundiert. "Zumal die Kritik nicht persönlich, sondern ganz sachlich war", sagt Gomulla. Auch er sei für kritische Gespräche zur Schulleiterin zitiert worden, diese habe er als "Tribunal" empfunden. "Es geht uns doch eigentlich um Kritik am Umgang mit Problemen an der Schule."
Schulleiterin Heidkamp missfällt insbesondere, dass in der Schülerzeitung stand, sie stelle Schüler "gerne an den Pranger" und ihre Gespräche mit Schülern glichen "Tribunalen". Sie glaubt, dass diese Äußerungen eine Retourkutsche einzelner Schüler sind. "Es war ein Rachefeldzug einzelner Schüler, weil sie von mir Ordnungsmaßnahmen bekommen haben", sagt Heidkamp.
Und berichtet, dass drei der Schüler einen Jungen mit Asperger-Autismus über Monate so gemobbt hätten, dass dieser irgendwann eine "ernstzunehmende Amoklaufdrohung" ausgesprochen habe. Die Schüler seien dafür eine Weile vom Unterricht ausgeschlossen worden, die Kommentare in der Zeitung seien ein Versuch, sich zu rächen. "Schlimm finde ich, dass das anonym geschah", sagt Heidkamp.
"Das ist eine totale Fehleinschätzung, der Junge wurde nicht gemobbt, er hatte viele Freunde", sagt Seyfert. Von einem angekündigten Amoklauf wisse er nichts. "Wenn es so gewesen ist, sollen diejenigen bestraft werden, die es gemacht haben, nicht der ganze Jahrgang", sagt Freitag.
Dass nun alle Schüler bestraft wurden, bedauert auch Heidkamp. "Es ging darum, endlich mal ein Zeichen zu setzen, dass man mit Lehrern so nicht umgeht." Wer sich persönlich verabschieden wolle, könne das jederzeit tun.
Artikel vom 27.06.2012
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