Literarische Reihe des Beueler Heimatmuseums

Zwischen "Weißt du noch?" und "Kenne ich auch"

BEUEL. Eine literarische Reihe im Heimatmuseum in Beuel? Und dazu noch Florian Kalff als erster Mitwirkender - "Veteran des deutschen Poetry-Slams" stand auf der Einladung - kann das gut gehen? Volker Engel, der Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins Beuel, wusste vorab zu beruhigen.

Einerseits verwies er auf über 30 Jahre Tätigkeit im Literatur- und Theaterbereich, auf die er bauen könne, und andererseits stellte Florian Kalff zum Heimatmuseum passend sein Programm "Heimatabend" vor. "Besucher, die sich für Literatur interessieren, denen wird damit auch das Heimatmuseum interessant nahe gebracht", sagte Engel. Für ihn ist es auch kein Widerspruch, Literatur oder Musik in einem Museum anzubieten. Das gehört für ihn zur Öffentlichkeitsarbeit eines Museums dazu. "Wiederkommen und immer neue Überraschungen finden", das ist sein Credo als Vorsitzender.

Zu diesem ersten Abend der neuen literarischen Reihe fanden gut 40 Besucher den Weg in die Scheune des Heimatmuseums, mehr als Engel erwartet hatte. Nun ist Florian Kalff in Beuel auch kein Unbekannter. In Bonn geboren, von Beruf Großhandelskaufmann, arbeitet er als Geschäftsführer des VW-Entfallteiledienstes mit Sitz am Beueler Bahnhof.

"Geschichten zwischen Vor- und Siebengebirge" nannte Kalff seine selbst geschriebene Texte, die alle eine Beziehung zu seinem Werdegang haben. Die vorwiegend älteren Besucher hatten dabei so einige Aha-Erlebnisse aus den Schubladen "weißt du noch" oder "kenne ich auch".

Mit den Worten "Wer möchte ein Bier?" begann Kalff seine Lesung. Er hatte für jeden, der wollte, ein Bierchen dabei. In seinem ersten Text stellte er aus der Reihe "Verkannte Genies, die berühmt sein sollten" den Bonner Paul Spinat vor. Dieser exzentrische Geschäftsmann kaufte zuerst Schloss Drachenburg, dann auch noch Schloss Marienfels bei Remagen. Der zuvor wohlhabende Geschäftsmann investierte dabei so viel, dass er zu guter Letzt pleite war.

Es ist nicht unbedingt der Inhalt, obwohl hoch interessant, der bei der Lesung von Kalff die Besucher fesselt, es sind sein Blickwinkel und die Motivation der handelnden Personen, die Ironie, die hinter der Erzählung teils versteckt, teils offen steht. Verbunden mit ganz viel Selbstironie über seine Jugend, seine Gewohnheiten, sein Verhalten. Eine Geschichte handelte im weitesten Sinn von seinem beruflichen Werdegang. Von seinem alten VW-Käfer und den Schrottplätzen seiner Heimatstadt, von den Schrottplatzkönigen und von den "Frickel-Brothers", vom Verschwinden dieser ganzen Szene sowie von der Verödung der Innenstädte. "Ich will kein internationales sondern ein provinzielles Bonn", sagte er. "Das rheinische Dorf soll sich nicht mit New York messen lassen", gab er den Politikern mit auf den Weg. Der "Heimatabend" war ein unterhaltsamer, ein informativer, ein sehr interessanter Abend. Nur schade, dass es diese Geschichten nicht zum Nachlesen gibt. Denn veröffentlicht hat Florian Kalff sie nie.

Kurz gefragt

Mit Volker Engel, dem Vorsitzenden des Heimat- und Geschichtsvereins Beuel am Rhein, sprach über die literarische Reise Rainer Schmidt.

Herr Engel, wie kommt es, dass der Heimat- und Geschichtsverein eine literarische Reihe startet?
Volker Engel: Ich möchte hier im Museum verschiedene Schienen bedienen. Bereits im vergangenen Jahr haben wir mit einem Kästner-Abend oder "Advent-Advent", beides mit Viktor Weis, zwei erfolgreiche Literaturabende veranstaltet. In diesem Jahr starten wir nun die Literaturreihe in der Museumsscheune.

Werden das nun regelmäßige Jour-fixe-Termine?
Engel: Nein, das kommt immer darauf an. Wir werden außer den Lesungen am Freitagabend auch Sonntagsmatinees abhalten und wir werden uns erstmals bei der Bonner Theaternacht am 13. Mai als Spielstätte beteiligen.

Heute kommt mit Florian Kalff ein Repräsentant des Poetry-Slams in die Scheune. Wie passt das in ein eher konservatives Museum?
Engel: Wir bevorzugen keine bestimmte Literaturrichtung, wir sind da offen. Doch eine Anbindung an unser Haus sollte schon gegeben sein. So wird Florian Kalff heute sein Programm "Heimatabend" vorstellen. Heimatabend und Heimatmuseum, das passt doch zusammen.

Was dürfen Ihre Gäste als nächstes erwarten?
Engel: Karin Büchel, Beueler Krimiautorin, liest am 29. März ab 11 Uhr aus ihren Werken. Das Thema dieses Vormittags lautet "Anekdoten aus Beuel". Der bekannte Wortkünstler Bodo Mario Woltiri unterhält uns am Sonntag, 26. April, in einer Matineelesung mit seinem Programm ,Wunschvorstellung‘.